Wegen BDS-Unterstützung Kein Nelly-Sachs-Preis für Kamila Shamsie

Die Autorin Kamila Shamsie sollte den Nelly-Sachs-Preis erhalten - sie unterstützt jedoch die Anti-Israel-Kampagne BDS. Jetzt hat die Jury den Beschluss zurückgenommen. Sie will den Preis in diesem Jahr gar nicht verleihen.

Kamila Shamsie unterstützt die BDS-Kampagne - und erhält daher nun keinen Preis
Sven Simon/ imago

Kamila Shamsie unterstützt die BDS-Kampagne - und erhält daher nun keinen Preis


Weil sich Kamila Shamsie an Boykottaufrufen gegen Israel beteiligt hat, wird ihr die Stadt Dortmund doch nicht den Nelly-Sachs-Preis verleihen. Die Jury habe ihre in der vergangenen Woche verkündete Entscheidung für die Vergabe des Literaturpreises an die pakistanisch-britische Schriftstellerin zurückgezogen, teilte die Stadt mit.

Mit dem Nelly-Sachs-Preis werden Schriftsteller geehrt, die sich für "Toleranz, Respekt und Versöhnung" und für ein friedliches Zusammenleben einsetzen. Ursprünglich sollte Shamsie die Auszeichnung für ihr literarisches Schaffen erhalten, das Brücken zwischen Kulturen schlage. Die Autorin befürwortet jedoch die umstrittene BDS-Bewegung, die Israel politisch, wirtschaftlich, kulturell und wissenschaftlich isolieren will. Shamsie weigere sich etwa, in Israel zu publizieren. Das zitiert die Webseite der BDS-Kampagne aus einem Brief Shamsies an einen israelischen Verleger.

Davon habe die Jury vor ihrer Entscheidung nichts gewusst, verkündete die Stadt Dortmund nach der Wahl. Die Jurymitglieder setzten sich in der vergangenen Woche erneut zusammen, um die Preisvergabe zu überdenken. Ihr Ergebnis: Die politische Positionierung von Shamsie stehe im deutlichen Widerspruch zu den Satzungszielen der Preisvergabe und zum Geist des Nelly-Sachs-Preises. Man bedauere die eingetretene Situation, teilte die Stadt mit.

Die Auszeichnung ist mit 15.000 Euro dotiert und sollte zunächst am 8. Dezember verliehen werden. Für dieses Jahr werde allerdings auch keine andere Preisträgerin benannt, so die Mitteilung. Die Auszeichnung solle turnusmäßig erst wieder im Jahr 2021 vergeben werden.

Zu den bisherigen Preisträgern zählen etwa Margaret Atwood, Rafik Schami, Christa Wolf und Milan Kundera.

evh/dpa



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