Neue Comics Andreas Michalke - "Bigbeatland"

Wer früher Punkmusiker war, weiß sich kurz zu fassen: Andreas Michalkes Comics sind nie sehr lang, aber dafür umso vielfältiger in ihrer Thematik und Form. Für SPIEGEL ONLINE zeichnete der gebürtige Hamburger exklusiv eine Episode seiner Reihe "Bigbeatland".


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Andreas Michalke: "Bigbeatland" (4 Bilder)


Eine der schönsten Szenen in Michalkes Comics ist jene, in der das Comic-Alter-ego des Zeichners kurz nach Mitternacht einen Punk-Club verlassen will: "Ich bin 38. Ich DARF jetzt nach Hause gehen." Was aus dieser Szene spricht, ist das Selbstbewusstsein des 1966 geborenen Hamburgers. Die Erkenntnis, erwachsen werden zu müssen, aber dennoch sich selbst treu bleiben zu können.

Bei keinem anderen deutschen Comic-Künstler verschmelzen musikalische und autobiographische Themen so konsequent wie bei Andreas Michalke. Das liegt, so paradox es klingt, vor allem daran, dass Michalke sich nicht auf ein Genre oder eine Form festlegen lässt. Seine Comics sind je nach Lust und Tagesform Alltagsberichte, Bandinterviews, Umsetzungen von Songs in Comicform, sarkastische Kurz-Strips, verstörend poetische Erzählungen - oder einfach pure Wutausbrüche auf Papier.

Zeichner Michalke: Gezeichnet vom Punk
Stefan Pannor

Zeichner Michalke: Gezeichnet vom Punk

Michalkes Strips sind meistens nicht sehr lang. Der Zeichner, der auch Schlagzeug spielt, ist ein Kind der Punk-Szene. Schnell, knapp, hart lautet hier das ästhetische Credo - Michalke weiß sich entsprechend kurz zu fassen. Seine Comics wirken daher am besten, wenn man sich einen ganzen Packen davon am Stück vornimmt. Die selbstverlegte Heftreihe "Mono" etwa, in der Michalke einen Großteil seiner jüngeren Werke sammelt.

Zusammengehalten wird der Michalke-Kosmos einerseits durch die grafische Kontinuität des Zeichners, der über einen klaren und sicheren Strich verfügt, den man in seinen Ekel-Etüden ebenso mühelos wieder erkennt wie in seinen ins Niedliche tendierenden "Bigbeatland"-Strips. Dazu kommt eine Authentizität, die sich in den Storys in einer Mischung aus Ehrlichkeit und Understatement niederschlägt.

Unter dem Reihentitel "Bigbeatland" erscheinen neue Werke unter anderem regelmäßig im Musikfanzine "OX" und in der Wochenzeitung "Jungle World". Für kommenden Herbst sind gleich zwei weitere Sammelbände angekündigt, einer davon im Berliner Independent-Verlag Reprodukt. Für SPIEGEL ONLINE gab es vom inzwischen in Berlin lebenden Zeichner einen exklusiven Beitrag aus dem Bigbeat-Universum.

Stefan Pannor

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