Papiermangel Buchverleger sorgen sich ums Weihnachtsgeschäft

Der Rohstoff Papier ist derzeit knapp – so knapp, dass Bücher vor Weihnachten nicht mehr nachgedruckt werden könnten. Der Verlag C.H. Beck rät, Buchgeschenke schon frühzeitig zu besorgen.
Papier ist knapp: Wird der Bücherstapel bald kleiner?

Papier ist knapp: Wird der Bücherstapel bald kleiner?

Foto: Frank Rumpenhorst / picture alliance / dpa

In Frankfurt am Main laufen die letzten Vorbereitungen für die Frankfurter Buchmesse, viele aus der Branche sind froh, sich wieder treffen zu können. Und doch plagt sie eine Sorge, ein wichtiger Rohstoff ist knapp: Den Verlagen fehlt das Papier, um Bücher zu drucken.

»Das ist ein großes Problem«, sagte Jonathan Beck, Chef des Publikumsverlags bei C.H. Beck, dem »Handelsblatt« vom Montag. »Bei vielen Büchern wissen wir jetzt schon, dass vor Weihnachten kein Nachdruck mehr möglich ist«, sagte Beck. »Wenn der jetzige Bestand verkauft sein wird, kommt erst nächstes Jahr Nachschub.«

Ähnlich hatte sich auch Katrin Jacobsen, Herstellungsleiterin beim Verlag Kiepenheuer & Witsch gegenüber dem »Kölner Stadt-Anzeiger« geäußert: Früher habe man vier bis fünf Tage auf das Druckpapier gewartet, jetzt könnten es auch mal sechs bis acht Wochen sein – oder noch länger. Viele Verlage entschieden deswegen: »Wir drucken vor Weihnachten noch mal, was das Zeug hält. Hauptsache, unsere Bücher sind nicht vergriffen.«

Auswirkung auf Buchpreise möglich

Verleger Beck rät dazu, sich dieses Jahr frühzeitig um Weihnachtsgeschenke zu kümmern: »Ich befürchte stark, dass die Leute sich dieses Jahr zu Weihnachten nicht sicher sein können, jedes Buch auch noch kurzfristig zu bekommen.«

Mittelfristig werde sich die Papierknappheit auch auf die Preise auswirken, »wenn auch nicht so sprunghaft wie bei Heizöl oder Gas«. Doch »der Druck ist da. Ein umfangreicheres Hardcover unter 30 Euro zu kalkulieren, wird immer schwieriger«. C.H. Beck gehört mit einem Gesamtjahresumsatz von 520 Millionen Euro zu einem der größten Verlage in Deutschland.

Einer der Gründe für die Papierknappheit ist, dass in der Coronakrise viele Unternehmen sich Zeitungsanzeigen sparten, wodurch die Umfänge der Blätter geringer wurden. »Entsprechend weniger Altpapier fiel an«, zitierte das »Handelsblatt« Gregor Andreas Geiger, den Sprecher des Verbands Papierindustrie. Die Preise für Altpapier, den wichtigsten Rohstoff der heutigen Papierproduktion, stiegen entsprechend an.

Innerhalb eines Jahres sei die Papierindustrie mit Zellstoff-Preiserhöhungen von 60 bis 100 Prozent konfrontiert worden, die dann auch über den Papierhandel an die Druckereien weitergegeben werden, zitiert das Branchenblatt »Buchreport« Peter Schlürmann, Bereichsleiter Rolle/Verlage beim Papiergroßhändler Inapa Deutschland. Das habe es in seinen 39 Jahren in der Papierbranche in dieser Größenordnung noch nicht gegeben. Er betont, zu den Gründen gehöre neben Corona-Sondereffekten auch eine längerfristige Strukturbereinigung in der Branche.

Die Alternative, Bücher in digitaler Form zu lesen, macht sich in den Verkaufsbilanzen der Verlage nicht besonders stark bemerkbar. Der Umsatzanteil von E-Books am Publikumsbuchmarkt stieg nach Angaben des Börsenvereins des deutschen Buchhandels von 7,5 Prozent im ersten Halbjahr 2020 auf 7,9 Prozent in den ersten sechs Monaten 2021. Die Leserinnen und Leser schätzen offenbar weiterhin das teure Papier.

feb/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.