Petra Reskis neues Werk Spiderwoman auf Mafia-Jagd

Jedes Buch gegen die Mafia ist ein gutes Buch. Doch die Journalistin Petra Reski stilisiert sich in ihrem neuen Werk zur Ikone der Mafiajäger - und das geht ziemlich daneben.

DPA

Weil sie "Der Pate" von Mario Puzo so faszinierte, war Petra Reski vor zwanzig Jahren mit einem guten Freund in einem alten Auto zu einer Reise aus ihrer Heimat im Ruhrgebiet nach Sizilien aufgebrochen. Sie wollte erfahren, was Mafia bedeutet. Diese Reise hat sie nun in einem nagelneuen Alfa Romeo Spider mit "Muschelschalensitzen" wiederholt. Sie will schon vom Start an beleuchten, wie weit die Mafia inzwischen nicht nur in Italien Teile der Gesellschaft durchdrungen, sondern auch in Deutschland geradezu ideale Bedingungen vorgefunden hat, um hinter der Fassade freundlicher Gastronomen Geld zu waschen und andere krumme Geschäfte abzuwickeln.

In der Zwischenzeit hat Petra Reski, die nunmehr fast zwanzig Jahre in Venedig lebt, zahlreiche Reiseberichte und Reportagen geschrieben. Im August 2007 wurden dann allerdings in Duisburg sechs Angehörige eines Clans aus dem kalabrischen San Luca erschossen. Etwa zur selben Zeit gelangte der italienische Autor Roberto Saviano mit seinem Werk "Gomorrha" zu Ruhm, in dem er sich sehr engagiert mit der neapolitanischen Verbrecherorganisation Camorra befasst. Er lebt seitdem unter Polizeischutz, was ihm einen gewissen Heldenstatus verleiht. Mafia war en vogue und Petra Reski wieder einmal fasziniert.

Schon ihr erstes Buch "Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern", das bald nach der Bluttat von Duisburg erschien, handelte von einer Reise an die Orte der Täter und Opfer, kreuz und quer durch Deutschland, Kalabrien und Sizilien, was mitunter eine gewisse Trennschärfe vermissen ließ. Außerdem unterlag sie bisweilen zu sehr der Versuchung, ihre sehr persönlichen Eindrücke als Tatsachen darzustellen, was dazu führte, dass ein Gericht sie anschließend dazu verdonnerte, Passagen des Buches zu schwärzen. Von ihr als Mafiosi bezeichnete Personen wollten den Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen und Beweise für ihre Behauptungen konnte Reski nicht vorlegen.

Selbstinszenierung als Mafia-Verfolgte

Die Autorin stellte sich anschließend als Verfolgte der Mafia dar, diesen Eindruck aber teilten Behörden nicht, die sie um Schutz bat. Die Inszenierung ist auch das Problem ihres neuen Buches. Petra Reski kann es in ihrem missionarischen Eifer nicht lassen, sich allzu selbstverliebt in eigene Einschätzungen oder Betrachtungen zu verlieren. Regelmäßig lässt sie in "Von Kamen nach Corleone" Freunde auftreten, die sie loben: "Du hast ein tolles Buch geschrieben. Wunderbar." Da darf der Hinweis "Pass bloß auf Dich auf" natürlich nicht fehlen. Das aber ist gar zu durchsichtig. So wird aus Reski keine Saviano.

Problematisch ist auch Reskis Anspruch, als nahezu einzige Journalistin die moralische Integrität und fachliche Autorität zu besitzen, unvoreingenommen über die Mafia zu berichten. Zwar kann sich die Autorin in ihrem neuem Buch auf eine Reihe von Erkenntnissen des Bundeskriminalamts stützen, was dem Buch gut tut. Mitunter aber bleiben ihre Behauptungen zu vage, investigative Elemente fehlen.

Doch auch, wenn die Autorin sich immer wieder in feuilletonistische Betrachtungen von Menschen, Landschaften und Wetterphänomenen verliert, ist es mitunter wirklich schön geschrieben. Es ist leicht lesbarer und unterhaltsamer Stoff. Ganz besonders hat es Petra Reski dabei ihr Alfa angetan, den sie bewundernd mit einer "Chimäre" vergleicht und in höchsten Tönen lobt: "Angriffslustig und funkelnd. Allein die Felgen aus ineinander verschlungenen Ringen sehen aus wie Preziosen. Außer Kaffeekochen kann der Spider alles" - so schildert die Autorin "das Mirakel, in dem ich sitze".

In einem Sachbuch gegen die Mafia erregt so viel merkantiles Lob jedoch Befremden. Ein Anruf in der Pressestelle von Fiat bringt Aufklärung. "Ja, wir haben Frau Reski den Wagen für die Reise zur Verfügung gestellt", sagt ein Sprecher. Als ahnte die Autorin, dass da was auf sie zukommen könnte, hat sie vorsorglich schon mal einen Satz in das Buch gesteckt, der das erklären soll: "Was Spider betrifft, bin ich bestechlich." Damit aber ist der Anspruch auf moralische Integrität dahin, zumindest aus journalistischer Sicht.



insgesamt 7 Beiträge
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coodo 12.10.2010
1. wie
wie armseelig!! keine ahnung von der materie, sich von fiat mit einem auto bestechen lassen (was geld angeht sind sie bestechlich - das sagen auch die angeprangerten mafiosie, aber einen auf dicke hose machen. eine schande, dass immer noch verlage gibt, die solchen müll herausbringen.
moros 16.10.2010
2. bla bla bla
Schon Ihr Titel sagt, welch Vaters Kind Ihre anschliessende Ausfuehrung ueber das Buch von Frau Reski ist. Schreiben Sie doch lieber was ueber die Bambiverleihung oder eine Modenschau in Bielefeld. Da koennen sie schadlos zuschlagen... Frau Reski hat in ihrem “ machmal ganz schoen geschriebenen Buch”, das kein Sachbuch ist, wie von ihnen behauptet, den sehr ehrenwerten Versuch unternommen, ihre deutschen Leser auf das “Phaenomen” Mafia aufmerksam zu machen. offenbar wissen auch Sie nichts ueber die Mafia und gehen gern zu IHREM netten Italiener um die Ecke... Googeln Sie doch einfach mal, um zu sehen wieviele Menschen in Italien; Staatsanwaelte, Richter, Autoren, Journalisten, um nicht von den “kleinen Leuten” zu reden, brutal beseitigt oder einfach nur “kaltgestellt” wurden. Dass Saviano allein durch seinen Personenschutz einen “ Heldenstatus” erlangt hat setzt ihrem Geschreibe die Krone auf.
NoMo2 01.11.2010
3. Reski ist kein Mafia Jäger
Ich lese gerade Reskis voriges Buch und kann die in der Rezension genannten Befunde nur bestätigen: mehr Feuilleton als Sachbericht, zu viele persönliche Ansichten statt Fakten, zu viel über Reski statt über die Mafia. Die Bücher von Jürgen Roth sind interessanter und dienen der Sache besser.
xenofonte 01.11.2010
4. Schwachsinn
Ich wuerde dem Autor dieses Artikels empfehlen, einen Spaziergang in San Luca zu machen. Vielleicht , falls er der italienischen Sprache maechtig ist und ueber genug Mumm verfuegt, um dort den Einheimischen ein paar Fragen zu stellen, ausserdem Grips genug, um deren kodierte Sprache zu entziffern, wuerde ihm vielleicht eingehen, dass Petra Reski keine Namen erwaehnt, um damit zu protzen oder "unbescholtene Geschaeftsleute" zu verleumden, sondern deshalb, weil diese Namen dort – und den Staatsanwaelten – "bekannt" sind. Und wenn deutsche Gerichte manchen Hinweisen der italienischen Ermittler lieber nicht nachgehen, statt dessen eine sachkundige Journalistin mit einer Einstweiligen Verfuegung zum Schweigen zwingen, liegt das nicht an der Journalistin. Es ist nun mal Praxis hierzulande, Ermittlungen, die sich als allzu schwierig erweisen, einzustellen, vor allem wenn es darum geht, die Geldstroeme aus illegalen Geschaeften zu stoppen. Es ist zwar komisch, aber im heilen Land Deutschland werden Mafiosi allseits in Schutz genommen. Nun offenbar auch von den lieben Kollegen, wenn auch indirekt. Wissen sie nicht, dass jede Attacke auf Leute, die sie entlarven wollen, fuer sie Beihilfe bedeutet? Angesichts der Tatsache, dass jetzt die Mafia auch in Deutschland zuhause ist, muesste jemand ein Handbuch mafioeser Mentalitaet verfassen – zum redaktionellen Gebrauch. Jedenfalls waere es wunderbar, wenn Journalisten es mal unterlassen koennten, haemisch auf Kollegen einzudreschen, die sich mit Recherchen verdient gemacht haben, derer sie selbst nicht in der Lage sind. Auch schoen, auf jeden Fall ein Zeichen des guten Willens, wenn Frau Reski Personenschutz gewaehrt wuerde. Ich hoffe, dass sie ihn nicht wirklich noetig hat, aber bei den Leuten, mit denen sie sich angelegt hat, kann man sich nie sicher sein.
wachsamkeit 08.09.2014
5.
Zitat von xenofonteIch wuerde dem Autor dieses Artikels empfehlen, einen Spaziergang in San Luca zu machen. Vielleicht , falls er der italienischen Sprache maechtig ist und ueber genug Mumm verfuegt, um dort den Einheimischen ein paar Fragen zu stellen, ausserdem Grips genug, um deren kodierte Sprache zu entziffern, wuerde ihm vielleicht eingehen, dass Petra Reski keine Namen erwaehnt, um damit zu protzen oder "unbescholtene Geschaeftsleute" zu verleumden, sondern deshalb, weil diese Namen dort – und den Staatsanwaelten – "bekannt" sind. Und wenn deutsche Gerichte manchen Hinweisen der italienischen Ermittler lieber nicht nachgehen, statt dessen eine sachkundige Journalistin mit einer Einstweiligen Verfuegung zum Schweigen zwingen, liegt das nicht an der Journalistin. Es ist nun mal Praxis hierzulande, Ermittlungen, die sich als allzu schwierig erweisen, einzustellen, vor allem wenn es darum geht, die Geldstroeme aus illegalen Geschaeften zu stoppen. Es ist zwar komisch, aber im heilen Land Deutschland werden Mafiosi allseits in Schutz genommen. Nun offenbar auch von den lieben Kollegen, wenn auch indirekt. Wissen sie nicht, dass jede Attacke auf Leute, die sie entlarven wollen, fuer sie Beihilfe bedeutet? Angesichts der Tatsache, dass jetzt die Mafia auch in Deutschland zuhause ist, muesste jemand ein Handbuch mafioeser Mentalitaet verfassen – zum redaktionellen Gebrauch. Jedenfalls waere es wunderbar, wenn Journalisten es mal unterlassen koennten, haemisch auf Kollegen einzudreschen, die sich mit Recherchen verdient gemacht haben, derer sie selbst nicht in der Lage sind. Auch schoen, auf jeden Fall ein Zeichen des guten Willens, wenn Frau Reski Personenschutz gewaehrt wuerde. Ich hoffe, dass sie ihn nicht wirklich noetig hat, aber bei den Leuten, mit denen sie sich angelegt hat, kann man sich nie sicher sein.
Diesem Beitrag kann ich mich nur anschließen. Ich habe das Buch erst jetzt vor 2 Tagen gelesen. Und nirgendwo fand ich eine Passage, in der sich Frau Reski angemaßt hat "die alleinige Kennerin der Mafia" zu sein. Die von der Autorin unbestrittene Tatsache den Spider von Fiat zur Verfügung gestellt bekommen zu haben weist in keiner Weise darauf hin von Fiat "bestochen" worden zu sein um gegen die Mafia zu recherchieren. Wäre wohl auch ziemlich abwegig, absurd und ließe die Frage offen-zu welchem Zweck? Ich empfinde den Beitrag von Herrn Andreas Ulrich, grade als Journalist weltfremd und wohl auch mißgünstig und bösartig.
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