Wegen antisemitischer Klischees Pirmasens sagt Verleihung von Hugo-Ball-Preis ab

Alle drei Jahre vergibt die Stadt Pirmasens einen Preis zu Ehren des Dada-Literaten Hugo Ball. Doch die ausgewählte Künstlerin Hito Steyerl wünschte sich lieber eine Diskussion über Antisemitismus bei Ball.
Regte Absage des Hugo-Ball-Preises an: Künstlerin Hito Steyerl

Regte Absage des Hugo-Ball-Preises an: Künstlerin Hito Steyerl

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Die Stadt Pirmasens hat die für den 5. März geplante Verleihung des Hugo-Ball-Preises an die Künstlerin Hito Steyerl abgesagt. Stattdessen soll auf Anregung Steyerls offen »über antisemitische Klischees in der Zeit Hugo Balls und unserer Gegenwart« debattiert werden, teilte die Stadt am Freitag mit.

Zwar hätten sich Experten und die Hugo-Ball-Gesellschaft ausführlich mit problematischen Passagen in Balls Werk beschäftigt, hieß es. Dies sei »jedoch in der breiten öffentlichen Wahrnehmung nicht präsent«.

Steyerl sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie habe den Preis nicht abgelehnt, »denn es gibt heuer keinen Preis«. Es sei positiv, dass man es gemeinsam als nötig ansehe, »über antisemitische und möglicherweise rassistische Momente in Balls Werk« zu sprechen. Die Entscheidung werde von der Autorin und Performerin Olivia Wenzel aus Weimar mitgetragen, die einen Förderpreis erhalten sollte.

Pirmasens vergibt die nach Dada-Mitbegründer Hugo Ball (1886-1927) benannte Auszeichnung seit 1990 alle drei Jahre. Frühere Preisträgerinnen und Preisträger waren unter anderen Bov Bjerg, Ann Cotten, Andreas Maier, Max Goldt und Robert Menasse.

Mit dem mit 10.000 Euro dotierten Preis erinnert die Stadt an Balls Gesamtwerk. Ball hatte 1916 mit Emmy Hennings das Cabaret Voltaire in Zürich eröffnet, das konventionelle Kunst ablehnte. Bekannt wurden unter anderem seine experimentellen Lautgedichte wie etwa »Gadji beri bimba«.

Die 1966 in München geborene Steyerl gilt als eine der international wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart. Die in Berlin lebende Kunstprofessorin experimentiert unter anderem mit medialen Präsentationsformen und setzt sich kritisch mit künstlicher Intelligenz auseinander. Ihre Werke werden weltweit ausgestellt.

Im Juli des vergangenen Jahres zog sich Hito Steyerl aus Protest von der Documenta zurück. Sie wolle das Versagen im Umgang mit den gezeigten antisemitischen Inhalten nicht unterstützen, ließ sie seinerzeit wissen und forderte den sofortigen Abbau ihrer Werke.

feb/dpa
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