Plagiatsvorwürfe gegen Star-Autor Dobelli Neuauflage mit zusätzlichen Quellenverweisen

Der gute Ruf ist in Gefahr: "Black Swan"-Autor Nassim Taleb wirft dem Schweizer Schriftsteller Rolf Dobelli vor, von ihm abgeschrieben zu haben. Dobellis Verlag Hanser hat nun angekündigt, in Neuauflagen auf unterschlagene Quellen zu verweisen. Die Fälle scheinen aber sehr überschaubar zu sein.

Schriftsteller Rolf Dobelli: Erst "Freund und Berater" Nassim Talebs, jetzt Plagiator?
DPA

Schriftsteller Rolf Dobelli: Erst "Freund und Berater" Nassim Talebs, jetzt Plagiator?


Hamburg - Einst waren sie freundschaftlich verbunden, nun erhebt der Mathematiker und Autor des Weltbestsellers "The Black Swan", Nassim Taleb, schwere Vorwürfe gegen den Schweizer Schriftsteller Rolf Dobelli. Taleb wirft dem Bestsellerautor vor, etliche Passagen aus seinen Schriften kopiert und in abgewandelter Form verwendet zu haben. Zwar seien die Zitate nicht wörtlich übernommen worden, führt Taleb auf seiner Seite aus. Doch hält er akribisch die Inhalte fest, die seiner Ansicht nach klar als Plagiate zu erkennen sind.

Konkret geht es um Dobellis "Zeit"-Kolumne "Klarer denken", die unter dem Namen "Die Kunst des klaren Denkens" beim Hanser Verlag erschienen ist. Der Verleger Michael Krüger bezeichnet die Vorwürfe von Taleb zunächst als "Neid" und "Eifersucht" eines Autoren, der über Dobelli stehen wolle. Dennoch prüfte Hanser die Vorwürfe und gab nun bekannt, dass man Dobellis Bücher mit ergänzenden Hinweisen zu bislang nicht genannten Quellen neu auflegen werde. "Wo es berechtigte Vorwürfe gibt, werden selbstverständlich entsprechende Korrekturen vorgenommen. Wo sie aber unberechtigt sind, müssen wir sie zurückweisen", hieß es dazu in einer Stellungnahme des Verlags.

"Nassim Taleb ist der meistzitierte Autor des gesamten Werks, insgesamt wird er 24 mal zitiert", so der Verlag weiter. "Bei den von Nassim Taleb bemängelten 22 konkreten Vorwürfen werden in 19 Fällen Sachverhalte thematisiert, die bei Taleb zwar genannt werden, die aber nicht auf Taleb zurückgehen." In lediglich drei Fällen sei eine solche Kenntlichmachung unterblieben. "Die Passagen werden selbstverständlich umgehend korrigiert. "

Auf seiner Internetseite entschuldigt sich Dobelli für einige Sätze, die er übernommen hat, und die Rubrik "Book Corrections" zeigt den durchaus selbstkritischen Umgang des Autors mit den Plagiatsvorwürfen. "Ich werde alles daran setzen, dass die Korrekturen in allen Büchern so schnell wie möglich Eingang finden", verspricht Dobelli auf seiner Homepage und schreibt: "Für die Fehler übernehme ich die volle Verantwortung." Von einigen Vorwürfen sei er dennoch enttäuscht, schreibt Dobelli - er und Taleb seien zehn Jahre lang befreundet gewesen.

Taleb hat Dobelli nach eigenem Bekunden einige Manuskripte geschickt und nannte ihn in "Black Swan" einen "Freund und Berater". Allerdings spricht Taleb kein Deutsch und war wohl erst in der englischen Übersetzung der Bestseller "Die Kunst des klaren Denkens" und "Die Kunst des klugen Handelns" auf eventuelle ungenaue Ausweisungen aufmerksam geworden. Nach Hanser-Angaben erhoben danach auch Christopher F. Chabris und Daniel J. Simons ("The Invisible Gorilla") Vorwürfe gegen Dobelli.

lei/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bolle_la 16.09.2013
1.
Zitat von sysopDPADer gute Ruf ist in Gefahr: "Black Swan"-Autor Nassim Taleb wirft dem Schweizer Schriftsteller Rolf Dobelli vor, von ihm abgeschrieben zu haben. Dobellis Verlag Hanser will die Vorwürfe prüfen. Plagiatsvorwürfe: Rolf Dobelli soll Nassim Taleb kopiert haben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/literatur/plagiatsvorwuerfe-rolf-dobelli-soll-nassim-taleb-kopiert-haben-a-922561.html)
Das kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen. Schließlich hat Taleb doch eine, wenn man so sagen will, neue akdemische Denke eingeführt. Dobelli fasst in seinen Kolumnen interessante wissenschaftliche Erkenntnisse anderer zusammen. Wissenschaftler vs. Journalist
lionel_hutz 16.09.2013
2.
Wenn man Taleb gelesen hat, kann man auf Dobelli gut verzichten. Die "Kunst des klaren Denkens" fand ich eine extrem langweilige und nichts neues bringende Lektüre. Für jemanden, der sich mit solchen Dingen noch nie beschäftigt hat, mag Dobelli ein netter "Teaser" sein. Taleb hat viel, viel mehr Substanz, aber Dobelli nennt Taleb ja auch als Quelle und Inspiration. Ich würde eher sagen uninteressanter Aufguss statt Plagiat.
max hollister 16.09.2013
3. Taleb? Kahneman!
Ich hatte eher den Eindruck, dass Dobelli sich bei Kahneman (und Tversky) bedient hat. Jedenfalls gehen die meisten der in 'Die Kunst des klaren Denkens' dargestellten Biases und Heuristiken auf Kahneman zurück und die Quellen werden nicht erwähnt. Im Vergleich dazu ist Taleb sicher Pinatz!
Ralfandreas 16.09.2013
4.
Unabhängig von dieser Diskussion sollte einmal festgestellt werden, dass es vier Jahre vor Nassim Talebs Schwarzen Schwänen bereits die "Wildcards" des Ehepaars Steinmüller gab, siehe http://www.amazon.de/Ungezähmte-Zukunft-Cards-Grenzen-Berechenbarkeit/dp/3932425537
Fohlenbach 16.09.2013
5. An Dreistigkeit kaum zu überbieten
Ich konnte es zunächst kaum glauben, aber bin schockiert, wie dreist Dobelli abgeschrieben hat. Dies ist längst kein Fall zwischen Taleb und Dobelli mehr. Dobelli hat von verschiedenen Autoren (neben Taleb auch Chabris , Schultz, Kahneman und Tversky) bis hin zu den Anektdoten praktisch wortwörtlich abgeschrieben, bis hin zu Beispielen und Anektdoten. Von Taleb bekam er ein unveröffentlichtes Manuskript von "Antifragile" aus welchem er ohne zu zögern für seine Kolumne abschrieb. Dies ist kein Plagiat, sondern Diebstahl.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.