Potter-Plagiat Nicht Harry, sondern Larry

Harry Potter hat einen neuen Widersacher - und der heißt ausgerechnet Larry Potter und ist älter als sein erfolgreiches Pendant. Die Schriftstellerin Nancy Stouffer, die Rowling des Plagiats bezichtigt, bringt ihre alten Bücher erneut auf den Markt.

London - Larry Potter hat natürlich ebenfalls eine Brille und schwarze Haare. Das Problem: Er war offenbar zuerst da. Larrys Abenteuer werden nach 17 Jahren in den USA neu veröffentlicht und sollen auch in Großbritannien auf den Markt kommen. Seine Erfinderin Nancy Stouffer beschuldigt die britische Verfasserin der Harry-Potter-Bände, Joanne K. Rowling, viele ihrer erfolgreichen Ideen bei ihr gestohlen zu haben.

"Manche Kinder glauben, dass ich diejenige bin, die Rowling kopiert hat", sagte sie am Freitag in der Zeitung "Daily Express". Dabei sei es natürlich umgekehrt, denn ihre Bücher seien viel früher erschienen. Vor einem Gericht in New York verklagte sie Rowling im vergangenen Jahr wegen Plagiats.

Tatsächlich gibt es nicht nur Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Potters. Eines von Stouffers Büchern trägt den Titel "Die Legende von Rah und den Muggles". Bei Rowling ist "Muggles" der Spitzname für alle, die nicht zaubern können. In Stouffers Buch kommt eine Person namens Nimbus vor, die auf einem Pferd durch die Luft reitet. Rowling gab Harrys fliegendem Besen den Namen Nimbus.

Die Bestsellerautorin, die es inzwischen zur drittreichsten Frau Großbritanniens gebracht hat, streitet alle Vorwürfe ab. "Muggles ist ein Wortspiel mit dem englischen Wort "mug", und das bedeutet: leicht hereinzulegen", erklärte sie. Das Wort Muggles sei außerdem schon seit dem 18. Jahrhundert belegt. "Das ist alles absurd", sagte eine Sprecherin von Rowlings US-Verlag Scholastic. Die Muggles in Stouffers Büchern seien Wesen, die in der fernen Zukunft lange nach einem alles auslöschenden Atomkrieg den Kontinent Aura bevölkerten. Mit der Zauberergeschichte von Harry Potter habe das nicht das Geringste zu tun. Die Gemeinsamkeiten seien pure Zufälle.

Allan Hirsch, der Präsident von Stouffers US-Verlag, will nächste Woche nach London fliegen, um einen britischen Verleger für die Larry-Potter-Serie zu finden. "Das sind gute Bücher", sagte er. "Kinder, Eltern und Pädagogen werden sie lieben."