Preis der Leipziger Buchmesse Arno Geiger und Wolfgang Herrndorf nominiert

Arno Geigers bewegendes Porträt seines an Alzheimer leidenden Vaters erweist sich schon wenige Tage nach seinem Erscheinen als großer Erfolg. Jetzt wurde es für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Ebenfalls auf der Liste: Wolfgang Herrndorf mit "Tschick" und Karen Duves "Anständig essen".

Wolfgang Herrndorf: Roadmovie in Buchform
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Wolfgang Herrndorf: Roadmovie in Buchform


Hamburg/Leipzig - Der Preis der Leipziger Buchmesse gilt als das Frühjahrs-Pendant zum Deutschen Buchpreis - und damit als eine der wichtigsten Literaturauszeichnungen des Landes. Am Donnerstag gab die Jury in Leipzig die Nominierten für das Jahr 2011 bekannt. Auf der Liste finden sich viele Bestseller und einige Feuilletonlieblinge.

Zu den Favoriten in der Kategorie Belletristik zählen Wolfgang Herrndorf mit seinem Überraschungserfolg "Tschick", ein Roadmovie in Buchform über die Ostdeutschland-Irrfahrt zweier Jugendlicher, das sich auch aufgrund seines Handlungsortes besonders für den Preis anbietet, der traditionell Ost-Themen bevorzugt. Und Arno Geiger mit seinem bewegenden Vater-Porträt "Der alte König in seinem Exil". Weiterhin nominiert ist Anna Katharina Fröhlich mit ihrem von der Kritik gelobten Indienroman "Kream Korner" - und zwei Bände mit Erzählungen: Peter Stamm mit "Seerücken" und Clemens J. Setz mit "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes". Beide sind noch nicht erschienen und dürften höchstens Außenseiterchancen haben.

In der Kategorie Sachbuch wurden unter anderem Karen Duves "Anständig essen", Patrick Bahners Streitschrift "Die Panikmacher. Die deutsche Angst vor dem Islam" und Henning Ritters "Notizhefte" nominiert, das Kondensat einer langen Tätigkeit im geisteswissenschaftlichen Ressort der "FAZ", das besonders von früheren Kollegen begeistert aufgenommen wurde.

Jenseits der zumeist auf ein breites Lesepublikum zugeschnittenen Auszeichnungen für Roman und Sachbuch bot die Auszeichnung für die beste Übersetzung in den vergangenen Jahren immer wieder auch denen ein Podium, die, von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, sich zum Teil über Jahrzehnte in fremdsprachigen Werken versenkten. Der Kontrast zum Messetrubel konnte kaum stärker sein, als 2007 die Übersetzerin Swetlana Geier zur Preisvergabe aufs Podium kam. 2011 sind unter anderem Barbara Conrad für ihre Übertragung von Tolstois "Krieg und Frieden" nominiert und Ralph Dutli für "Fatrasien. Absurde Poesie des Mittelalters" - womöglich die größte Überraschung auf den an Überraschendem so armen Listen der Jury, deren Auswahl sich allzu sehr auf gut verkäufliche Stapelware beschränkt, die weitere Werbung in Form einer Auszeichnung kaum mehr nötig hat.

Den Organisatoren zufolge wurden in diesem Jahr insgesamt 480 Titel aus 131 Verlagen eingereicht. Die Preis sind in allen drei Kategorien mit jeweils 15.000 Euro dotiert. Sie werden während der Leipziger Buchmesse, die 2011 vom 17. bis zum 20. März stattfindet, verliehen.

sha/dpa

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