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19. Oktober 2005, 18:41 Uhr

Preisverleihung

"Blankets" ist Comic des Jahres

Die Buchmesse hat kaum begonnen, schon werden erste Preise verliehen: Für seinen biographischen Grafikroman "Blankets" erhielt der Amerikaner Craig Thompson die Auszeichnung "Comic des Jahres".

Frankfurt - "Es ist kein Buch, das erklären möchte, wie das Leben funktioniert, sondern ein Buch über jemanden, der versucht, es herauszufinden", heißt es in der Begründung der Jury des Internetportals comic.de. Aus diesem Grund gebe es auch kein Happy End. Es geht um die Beziehung des Teenagers Craig mit Raina, die er im Sommercamp kennen lernt und zwei Wochen mit ihr verbringt.

Thompson-Comic "Blankets": Vordergründig eine Decke

Thompson-Comic "Blankets": Vordergründig eine Decke

Thompson gilt als Meister der Bildmetaphern, seine expressionistischen Zeichnungen heben vor allem Mimik und Gestik seiner Protagonisten hervor. Die Kraft seiner Bücher liegt in schwarz-weißen Zeichnungen. Deshalb verwendet er Worte in seinen Comics eher selten und mit viel Bedacht. Jede Überschrift, jede einzelne Aussage sprüht vor Mehrdeutigkeiten.

So auch der Titel: "Blankets" meint vordergründig eine Decke, die Raina für Craig näht. Es spielen aber noch andere Motive wie eine Schneedecke, Bettdecken oder kahle Bäume eine bedeutende Rolle in der Erzählung. Thompson verwebt nicht nur Erzählstränge, sondern auch einzelne Motive ineinander und schafft so ein komplexes und tiefgründiges Werk.

"Die künstlerische Qualität diese Werkes ist so hoch, dass man sich auch als abgebrühter Medienkonsument nicht schämt, beim Lesen die eine oder andere Träne zu vergießen", schrieb Jurorin Röni Wurth in der Laudatio auf das Werk Thompsons.

"Blankets"-Auszug: Komplexes, tiefgründiges Werk

"Blankets"-Auszug: Komplexes, tiefgründiges Werk

"Blankets" wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die mit zahlreichen autobiographischen Zügen durchwobene Geschichte Thompsons ist in deutscher Sprache beim Verlag Thomas Tilsner erhältlich. Auf der Buchmesse stellt der Autor und Zeichner sein neues Werk "Tagebuch einer Reise" vor.

Der Kritikerpreis wurde 1990 von der Fachzeitschrift "RRAAH!" ins Leben gerufen. Im Wettbewerb um den "Comic des Jahres" soll die Comicliteratur nicht nach Verkaufszahlen, sondern unter qualitativen Gesichtspunkten bewertet werden. Seit 2003 wird der Preis im Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse verliehen, die zu diesem Zweck eine Trophäe in Form des bekannten Männchens der "Faszination Comic" stiftete.

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