Prix Goncourt Biologielehrer gewinnt Frankreichs Top-Literaturpreis

Vom Biologielehrer zum gefeierten Debütanten: Alexis Jenni hat für seinen ersten Roman "L'art français de la guerre" den Prix Goncourt erhalten, Frankreichs renommiertesten Literaturpreis. Dabei hat sich der Lyoner bisher eher als Hobbyautor gesehen.
Stolzer Lehrer: Alexis Jenni mit seinem prämierten Debütroman

Stolzer Lehrer: Alexis Jenni mit seinem prämierten Debütroman

Foto: BERTRAND GUAY/ AFP

Paris - Er bezeichnet sich selbst als "Sonntagsschriftsteller" - und heimst Frankreichs begehrtesten Literaturpreis ein. Der Biologielehrer Alexis Jenni hat für sein Erstlingswerk "L'art français de la guerre" den Prix Goncourt erhalten. Mit fünf gegen drei Stimmen wurde der 48-jährige Autor gleich im ersten Wahlgang gewählt.

Jennis Roman, der frei übersetzt "Die französische Kunst des Krieges" heißt, erzählt von den Erinnerungen eines ehemaligen französischen Offiziers an die Kriege in Algerien und Indochina. Dabei analysiert der Roman auch das heutige Frankreich und die Machtverhältnisse innerhalb der französischen Gesellschaft. Er stellt Fragen nach der nationalen Identität und den Spuren, die 20 Jahre Kolonialkriege im kollektiven Bewusstsein der Franzosen hinterlassen haben.

Alexis Jenni, der an einem Gymnasium in Lyon Naturkunde unterrichtet, wurde für seinen Roman von der Kritik bereits hochgelobt und galt als Favorit für die Auszeichnung. Von "L'art français de la guerre" wurden bisher 56.000 Exemplare verkauft.

"Seit dem Ende meiner Studienzeit vor 20 Jahren habe ich verschiedene Texte geschrieben, die alle keinen Erfolg hatten. Ich dachte, ich würde immer nur ein Sonntagsschreiber bleiben, so wie es Sonntagsmaler gibt", sagte Jenni. An dem Buch habe er fünf Jahre geschrieben.

Der Prix Goncourt ist zwar nur mit symbolischen zehn Euro dotiert, doch katapultiert er die Autoren zumeist wochenlang in die Bestsellerlisten. Dass Autoren für ihre Erstlingswerke ausgezeichnet werden, ist allerdings sehr selten. 1990 gelang dies dem Schriftsteller Jean Rouaud für den im Ersten Weltkrieg spielenden Roman "Die Felder der Ehre" und 2006 Jonathan Littell für sein umstrittenes Werk "Die Wohlgesinnten", die fiktive Biografie eines SS-Offiziers.

Im vergangenen Jahr ging der Preis an den Schriftsteller Michel Houellebecq für sein Buch " La carte et le territoire" ("Karte und Gebiet").

gol/afp/dapd/dpa
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