Literaturnobelpreis für Alice Munro "Sensationelle Wahl"

"Vor allem bin ich froh darüber, dass diese Auszeichnung so viele Kanadier glücklich macht": Alice Munro zeigt sich nach der Bekanntgabe des Literaturnobelpreises bewegt, die Branche reagiert begeistert. Eine Frage bleibt offen: Wird sie tatsächlich keine Geschichten mehr schreiben?

DPA/ Man Booker Prize

Hamburg - Alice Munro galt seit Jahren als verdiente Anwärterin auf den Literaturnobelpreis, nun bekommt sie ihn tatsächlich - und die Branche reagiert begeistert. Munro sei eine "Meisterin der Kurzgeschichte", befand die Schwedische Akademie. Dem schließt sich Literaturkritiker Denis Scheck ("Druckfrisch") an: Munro sei eine "sensationelle Wahl", sagte er zur Ehrung der 82-Jährigen. "Das ist nicht nur eine Entscheidung für die neben Margaret Atwood tollste kanadische Autorin, sondern auch eine Entscheidung für die Form der Erzählung", sagte Scheck.

Besagte Schriftstellerkollegin Atwood zählte Munro schon vor fünf Jahren zu den besten Fiction-Autorinnen der Gegenwart. "Sie ist der Typ von Schriftstellerinnen, von denen immer gesagt wird - egal wie bekannt sie sind, dass sie noch bekannter sein müssten", schrieb Atwood für den britischen "Guardian". Auch der "Die Korrekturen"-Autor Jonathan Franzen nannte Munro schon vor der höchsten Würdigung "die beste Prosa-Autorin im heutigen Nordamerika".

Die 82-Jährige selbst zeigte sich von der Auszeichnung, von der sie durch ihre Tochter erfuhr, überrascht. Sie sei aber auch "sehr dankbar", heißt es in einem Statement, das ihr Verlag Penguin Random House laut "New York Times" veröffentlichte. "Vor allem bin ich froh darüber, dass diese Auszeichnung so viele Kanadier glücklich macht", sagte sie. "Und es freut mich, dass die kanadischen Schriftsteller nun mehr Aufmerksamkeit bekommen werden."

"Kammerspiele des Gefühls"

Hanser-Verleger Michael Krüger würdigte Munro nach der Bekanntgabe als "verdiente" Literaturnobelpreisträgerin. "Alice Munro ist eine wunderbare Schriftstellerin", sagte Krüger am Rande der Frankfurter Buchmesse. Beim Hanser Verlag hatte man allerdings auf den Preis für die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch gehofft, die kurz vor der Bekanntgabe als Favoritin gegolten hatte und deren Bücher auf Deutsch bei Hanser erscheinen. Er sei aber nicht enttäuscht, sagte Krüger. "Das kann keiner voraussagen."

Bei dem deutschen Verlag der Kanadierin, S. Fischer, herrschte erwartungsgemäß große Freude und Überraschung. "Man bereitet sich immer wieder ein bisschen darauf vor und denkt, dieses Jahr wird es klappen. Dann hört man irgendwann auf zu hoffen, und dann klappt's", sagte der Programmchef für Internationale Literatur, Hans-Jürgen Balmes. Munro gilt seit vielen Jahren als Anwärterin auf den Nobelpreis.

Als "Kammerspiele des Gefühls" bezeichnete Balmes ihre Erzählungen. "Geschichten, die immer in kleinen Räumen spielen, bekommen eine unheimliche Dimension." Damit habe die zurückgezogen in ihrem kleinen Haus lebende Kanadierin Millionen Menschen in der Welt beglückt.

Jedoch: Die 82-Jährige wolle keine Bücher mehr schreiben. "Mit so einem Geschenk abzutreten, ist wirklich das Allergrößte", sagte Balmes zur Vergabe des Nobelpreises. Munro habe aber schon dreimal gesagt, das sei ihr letztes Buch gewesen. "Jetzt hoffen natürlich alle, dass es auch dieses Mal nicht das letzte Buch war."

vks/dpa



insgesamt 1 Beitrag
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Morrison 10.10.2013
1. Gratulation
Da kann man Frau Alice Munro nur gratulieren und mit ihr allen Frauen auf dieser Welt, nachdem Frauen beim medizin- und physik preis einfach übergangen wurden! Aber ist das nicht auch schon wieder sexistisch? Das ist vielleicht nur so ein alibi für die frauen, ähnlich dem Job der pressesprecherin...
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