Reich-Ranicki zu Vargas Llosa "Eine sehr gute Entscheidung"

"Gar nicht so dumm", findet Marcel Reich-Ranicki die Verleihung des Literaturnobelpreises an Mario Vargas Llosa. Bei den Ausgezeichneten der vergangenen Jahre zeigte sich der Kritiker dagegen oft ungnädig. Besonders auf eine Frau schimpfte er ausgiebig.

Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki: "Wir können uns freuen"
DDP

Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki: "Wir können uns freuen"


Er ist Deutschlands bekanntester Literaturkritiker - und dieses Jahr findet er sogar lobende Worte für die Entscheidung des Nobelpreis-Komitees. Marcel Reich-Ranicki hält die Verleihung des Literaturnobelpreises an Mario Vargas Llosa für "eine sehr gute Entscheidung". "Vargas Llosa ist ein Schriftsteller mit Fantasie und Realismus, mit Gefühl für die Figuren. Und er ist sehr gut lesbar." Die Nachricht habe ihn "sehr erfreut", sagte Reich-Ranicki am Donnerstag wenige Minuten nach der Bekanntgabe.

Im Gegensatz zu früheren Jahren sei dieses Votum der Stockholmer Jury "gar nicht so dumm". Häufig sei in den vergangen Jahren der Preis an Autoren verliehen worden, die diese Ehre gar nicht verdienten. Vargas Llosa sei ein guter Schriftsteller. "Wir können uns freuen", betonte Reich-Ranicki. Er selbst habe den peruanischen Autor mehrmals getroffen und auch persönlich schätzen gelernt, sagte der Kritiker. Allerdings gab er auch zu Bedenken: "Man soll ihn nicht so hoch hängen und gleich von Flaubert reden - das wäre übertrieben."

Auch in der Vergangenheit kommentierte der Kritiker die Entscheidungen des Stockholmer Nobelpreis-Komitees gern - und in manchem Fall äußerst empört.

2009: Herta Müller (Deutschland)

Ausgerechnet zu Herta Müller, der ersten deutschen Frau, die mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, mochte Reich-Ranicki nach Bekanntgabe des Preise nichts sagen. Er kenne ihr Werk nicht, gab er zu Protokoll.

2008: Jean-Marie Gustave Le Clézio (Frankreich)

"Ich habe noch keines seiner Bücher gelesen. Er soll ein seriöser Autor sein."

2007: Doris Lessing (Großbritannien)

"Ich finde sie [die Entscheidung] bedauerlich."

2006: Orhan Pamuk (Türkei)

"Türkische Literatur hat mich nie interessiert. Ich muss nicht alle Literaturen dieser Welt lesen."

2005: Harold Pinter (Großbritannien)

"Eine gute, eine richtige Entscheidung. Pinters Arbeiten charakterisieren die Darstellung des Alltags einsamer Individuen und das Bild der Bedrohung dieser Individuen durch mysteriöse Mächte."

2004: Elfriede Jelinek (Österreich)

"Von den vielen Büchern der Jelinek habe ich zwei ("Die Klavierspielerin" und "Lust") gelesen, wenn auch nicht ganz zu Ende, weil die Lektüre mein Wohlbefinden gefährdete, zumal meine Magennerven auf unangenehme Weise reizte. Mit ihren anderen Büchern habe ich, wie Thomas Mann sich auszudrücken pflegte, immerhin Kontakt aufgenommen. Das Ergebnis: Ich glaube, ja, ich bin sicher, dass das Schreiben nicht gerade zu den starken Seiten der Elfriede Jelinek gehört. Mehr möchte ich lieber nicht sagen, um nicht die bedeutendste Feministin Mitteleuropas, Alice Schwarzer, zu ärgern."

2003: John M. Coetzee (Südafrika),

"Ich glaube, das ist eine vernünftige Entscheidung. Coetzee ist ein ernster südafrikanischer Schriftsteller, dessen Bücher ich gerne gelesen habe".

2002: Imre Kertész (Ungarn)

"Ich freue mich, dass ein so ernster und wichtiger Schriftsteller wie Kertész ausgezeichnet wird. Er hat Auschwitz überlebt. Damit hängen die zeitkritischen Fragen in seinem Werk zusammen, die er mit ungewöhnlicher Anschaulichkeit und Suggestivität dargestellt hat."

2001: V.S. Naipaul (Trinidad/England)

"Keine Überraschung, aber eine Enttäuschung."

2000: Gao Xingjian (China/Frankreich)

"Ich habe noch nie in meinem Leben ein chinesisches Buch gelesen."

1999: Günter Grass (Deutschland)

"Ich freue mich außerordentlich, dass Günter Grass den Nobelpreis erhalten hat. Er hat ihn längst verdient, schon vor zwanzig oder zehn Jahren. Dass die letzten Bücher schlechter sind als sein Frühwerk, spielt dabei keine Rolle."

tdo/dpa/Reuters



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