SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

05. August 2011, 16:07 Uhr

Romanserien-Relaunch

Perry Rhodan startet in eine neue Zukunft

Von

Neue Leser gefällig? Unter dem Titel "Perry Rhodan Neo" startet die weltweit älteste noch laufende Science-Fiction-Romanserie noch einmal komplett neu. Die Abenteuer des unsterblichen Astronauten Perry Rhodan werden modernisiert und wieder von vorne erzählt.

Am 8. September 1961 erschien das allererste "Perry Rhodan"-Heft. Seither liegen die Abenteuer um den unsterblichen Titelhelden ununterbrochen am Kiosk, wöchentlich mit einer neuen Episode. Die Gesamtauflage beträgt längst mehr als eine Milliarde, jüngst kam das Heft Nr. 2600 heraus. Es ist die erfolgreichste und langlebigste Science-Fiction-Serie der Welt. Verfasst wird sie von einem deutschen Autorenteam.

Beinahe pünktlich zum 50. Geburtstag bekommt "Perry Rhodan" demnächst einen jüngeren Bruder - und der heißt "Perry Rhodan Neo". Unter diesem Titel soll ab dem 30 September der Anfang der Serie erneut erzählt werden. Es sind keine Nachdrucke: Sämtliche Hefte werden neu verfasst.

Der trotz Unsterblichkeit etwas in die Jahre gekommene Titelheld soll "in eine neue Zukunft" transportiert werden, wie die zuständige Redakteurin Elke Rohwer verspricht. Während in der Handlung der Originalserie Perry Rhodan im - damals noch in der Zukunft liegenden - Jahr 1971 zum Mond fliegt und dort als erster Mensch auf Aliens trifft, soll es diesmal das Jahr 2038 sein, in dem die schicksalsträchtige Begegnung auf dem Erdtrabanten stattfindet.

Nicht nur Zahlenkosmetik sei vorgesehen. Die Serie, so Rohwer, "interpretiert die klassischen Geschichten neu und führt zusätzliche Handlungsstränge ein".

Auch die alte Serie läuft weiter

Dabei soll "Perry Rhodan Neo" nicht die klassische Serie ersetzen, die weiterhin wöchentlich laufen soll, sondern parallel dazu erscheinen. Die neue Serie erscheint nicht im gewohnten Romanheft- , sondern im deutlich kleineren Taschenheft-Format, dafür mit mehr Seiten. Geschrieben soll sie von den gleichen Autoren werden, die auch die die Hauptserie verfassen.

Inhaltliche Überschneidungen zwischen beiden Titeln seien nicht geplant, "keine Vermischung, keine Übergriffe, keine Pararealitäten" verspricht "Rhodan"-Autor Marc A. Herren.

Die Unternehmung, die offensichtlich darauf abzielt, ein neues, jüngeres Publikum für eine Serie zu erobern, weist eine deutliche Ähnlichkeit zum Konzept der amerikanischen "Ultimate"-Comics auf. Unter diesem Titel startete Marvel Comics im Jahr 2000 eine Neuerzählung der "Spider-Man"-Serie. Der zumindest zeitweilig überaus erfolgreiche Titel, von dem inzwischen 160 Ausgaben erschienen sind, machte jüngst Schlagzeilen, weil der Titelheld aktuell durch einen Afro-Amerikaner ersetzt wurde.

Basierend auf dem Erfolg der "Ultimate Spider-Man"-Hefte existiert mittlerweile eine Vielzahl "Ultimate"-Titel. Auch die X-Men, die Fantastischen Vier, Thor, Captain America und viele andere wurden bereits im modernen Gewand erzählt. Dabei war keiner der klassischen Titel von den inhaltlichen Änderungen der neuen Serien betroffen.

Ob der rüstige Astronaut Rhodan diesen Erfolg wiederholen kann, bleibt abzuwarten. Die Fans der alten Serie zeigten sich nach Bekanntgabe des Neustarts skeptisch: "Warum aufgebackene Brötchen kaufen, wenn es frische gibt?", fragt einer im offiziellen Forum der Serie. "Wäre schon mal jemand auf die Idee gekommen, 'Herr der Ringe', oder den 'Wüstenplanet' neu zu schreiben?", ein anderer.

Der Bestseller-Autor und "Perry Rhodan"-Fan Andreas Eschbach zeigt sich in einem anderen Forum indes entspannt: "Ich hab' den ersten Band schon gelesen. Und es war wirklich wie damals."

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung