Ruhmeshalle wider Willen Heinrich Heine muss in die Walhalla

Zweifelhafte Ehrung für einen großen Dichter: Anderthalb Jahrhunderte nach Heinrich Heines Tod nimmt die berühmte Ruhmeshalle Walhalla eine Marmorbüste von ihm auf. Sie würdigt damit posthum einen ihrer schärfsten Kritiker.
Dichter Heine: Eine Büste von ihm zieht in Walhalla ein

Dichter Heine: Eine Büste von ihm zieht in Walhalla ein

Foto: DB dpa/ picture-alliance/ dpa

Hamburg - Eine Büste des Dichters Heinrich Heine wird der 130. Marmorschädel in Deutschlands bekanntester Ruhmeshalle. Am 28. Juli werde das Heine-Denkmal in der Walhalla in Donaustauf bei Regensburg enthüllt, kündigte die bayerische Staatskanzlei am Mittwoch in München an. Die Staatsregierung hatte 2006 die Ehrung des Schriftstellers beschlossen.

Die Initiative für das neue Walhalla-Denkmal geht auf die Idee eines Münchner Schulleiters zurück. Seit 2001 engagiert sich der Freundeskreis Heinrich Heine in Düsseldorf für die Aufstellung einer Büste. Der Verein hatte zunächst den Künstler Jörg Immendorff beauftragt, nach dem Tod Immendorffs hat nun dessen Kollege Bert Gerresheim den Marmorkopf geschaffen.

Für den Düsseldorfer Heine-Freundeskreis ist die Ehrung des Dichters jüdischer Herkunft ein Zeichen für Toleranz und gegen Rassismus und Antisemitismus. "Nicht zuletzt sollte die Ehrung auch ein Akt der Wiedergutmachung für das sein, was dem großen deutsch-jüdischen Dichter in der Vergangenheit - und noch weit in die Gegenwart hinein - angetan wurde", lässt der Verein verlautbaren. Die bayrische Landesregierung habe sich lange dagegen gesperrt, Heine in die Ruhmeshalle aufzunehmen. Erst durch das geschlossene Vorgehen von einflussreichen Unterstützern sei man ans Ziel gelangt.

Pikanterweise hatte der posthum Geehrte für die Walhalla und ihren Bauherrn nur Spott übrig: "Bei Regensburg läßt er erbaun/ Eine marmorne Schädelstätte/ Und er hat höchstselbst für jeden Kopf/ Verfertigt die Etikette", spottete Heinrich Heine in einem Gedicht über König Ludwig I. von Bayern, der das Monument von 1830 bis 1842 errichtet ließ.

twi/dpa
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