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Gestorben Said Mirhadi, 73

aus DER SPIEGEL 21/2021
Foto: teutopress

Sein Vor- wie Künstlername bedeutet »der Glückliche«. Vor allem für das Glück anderer setzte er sich engagiert ein: Als Mitglied und zeitweiliger Präsident des deutschen PEN-Zentrums sorgte der in Iran geborene Autor Said Mirhadi für die Unterstützung verfolgter Schriftsteller. Kollegen, die gefährdeter waren als er, der vorwiegend in München lebte und sich literarisch wie politisch frei äußern konnte. Der Sohn eines Offiziers kam als Student 1965 nach Deutschland und wurde zum aktiven Gegner des persischen Regimes; nach dem Sturz des Schahs 1979 ging SAID zunächst voller Hoffnung nach Iran, kehrte aber schnell wieder zurück. Den »größten Schlag in meinem Leben« nannte er die islamische Revolution der Ajatollahs, für Reformen sah er bis zuletzt keine Chance. »Ideologische Diktaturen«, sagte er 2009, »sind nicht reformierbar. Wie wollen Sie beispielsweise den Schleierzwang reformieren? Zentimeterweise?« Sein Werk – Hörspiele, Prosa, vor allem aber Gedichte – verfasste er in deutscher Sprache, die er als seine »eigentliche Heimstätte« bezeichnete, als eine »Sprache, / die mich aufnahm / so gastlich sie konnte«. Die traditionelle Entgegensetzung von Orient und Okzident lehnte er ab, stattdessen versuchte er, auch poetisch, zwischen den Sphären zu vermitteln. Exilierte wie er, so heißt es in einem Gedicht, seien »Luftmenschen, in ewiger Schwebe, mit skalpierten Seelen«. SAID starb am 15. Mai in München.

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