Nach Messerattacke Salman Rushdie verliert Augenlicht

Er muss seit Jahrzehnten um sein Leben fürchten – im August stach ihn ein Mann nieder. Nun steht fest: Der Schriftsteller Salman Rushdie bleibt auf einem Auge blind. Auch eine Hand kann er nicht mehr benutzen.
Auf einem Auge blind: Der indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie

Auf einem Auge blind: Der indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie

Foto: Grant Pollard / dpa

Nach der Messerattacke vor zwei Monaten hat der Schriftsteller Salman Rushdie sein Augenlicht auf einem Auge verloren, zudem kann er eine Hand nicht mehr benutzen. Dies sagte sein Agent Andrew Wylie  in einem Interview mit der spanischen Zeitung »El País«.

»Er hat etwa 15 weitere Wunden in der Brust und am Oberkörper. Es war ein brutaler Angriff«, so Wylie, der am Rande der Frankfurter Buchmesse interviewt wurde.

Wo sich Rushdie derzeit aufhielt, verriet Wylie nicht. »Ich kann keine Auskunft über seinen Aufenthaltsort geben. Er wird überleben (…). Das ist das Wichtigste.«

In der Vergangenheit hätten er und Rushdie häufiger über die Möglichkeit eines solchen Anschlags gesprochen. »Die größte Gefahr, der er so viele Jahre nach der Verhängung der Fatwa ausgesetzt war, besteht darin, dass eine zufällige Person aus dem Nichts auftaucht und (ihn) angreift«, sagte er. »Dagegen kann man sich nicht schützen, weil es völlig unerwartet und unlogisch ist. Es war wie die Ermordung von John Lennon.«

Der 75-jährige Autor wurde am 12. August 2022 in Chautauqua, New York, niedergestochen, als er bei einem öffentlichen Auftritt über die künstlerische Freiheit sprechen wollte. Rushdie wurde per Helikopter ins Krankenhaus gebracht und zunächst künstlich beatmet.

Als Täter identifizierte die Polizei einen 24-jährigen Mann namens Hadi M. aus Fairview. Über sein Motiv wurde zunächst nichts bekannt. Nach Informationen  des TV-Senders NBC wurde er in Kalifornien geboren und zeigte Polizeiquellen zufolge auf sozialen Medien »Sympathien für schiitischen Extremismus«.

Der 24-Jährige plädierte bei seinem Erscheinen vor Gericht am 18. August auf »nicht schuldig« in Bezug auf versuchten Mord und Körperverletzung zweiten Grades.

»Hass und Barbarei haben feige zugeschlagen«: Per Hubschrauber wurde Rushdie am 12. August 2022 ins Krankenhaus gebracht

»Hass und Barbarei haben feige zugeschlagen«: Per Hubschrauber wurde Rushdie am 12. August 2022 ins Krankenhaus gebracht

Foto: @HoratioGates3 / EPA

Der Angriff sorgte weltweit für Abscheu: »Diese Gewalttat ist entsetzlich«, sagte der nationale Sicherheitsberater Jack Sullivan laut Mitteilung des Weißen Hauses. »Hass und Barbarei haben feige zugeschlagen.«, so Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron.

Rushdie verkörpere seit 33 Jahren die Freiheit und den »Kampf gegen den Obskurantismus«, erklärte Macron. »Sein Kampf ist unser Kampf.«

»Satan auf dem Weg zur Hölle«

In iranischen Medien wurde der Messerangriff indes begrüßt. In der regierungsnahen Zeitung »Kayhan« hieß es am Samstag: »Tausend Bravos … für die mutige und pflichtbewusste Person, die den abtrünnigen und bösen Salman Rushdie in New York angegriffen hat.«

Weiter hieß es: »Die Hand des Mannes, der dem Feind Gottes den Hals umgedreht hat, muss geküsst werden.« Die Zeitung »Chorasan« brachte die Schlagzeile: »Satan auf dem Weg zur Hölle«.

Salman Rushdie ist seit der Veröffentlichung seines Romans »Die satanischen Verse« weltberühmt – und muss um sein Leben fürchten. 1989 erließ der damalige iranische Ayatollah Ruhollah Khomeini eine Fatwa zur Tötung Rushdies. Später wurde ein Kopfgeld von mehr als drei Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt. Rushdie kam unter Polizeischutz und tauchte mit einem Decknamen unter.

kik
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