Schriftsteller und Büchner-Preisträger Friedrich Christian Delius ist tot

In seinen Romanen und Erzählungen verarbeitete Friedrich Christian Delius die Geschichte des 20. Jahrhunderts – von der NS-Zeit bis zur Gegenwart. Mit 79 Jahren ist der Büchner-Preisträger nun in Berlin verstorben.
Friedrich Christian Delius bei einer Lesung in Berlin 2021

Friedrich Christian Delius bei einer Lesung in Berlin 2021

Foto: gezett / IMAGO

Der Schriftsteller Friedrich Christian Delius ist tot. Delius sei am Montag im Alter von 79 Jahren in Berlin gestorben, teilte der Rowohlt-Verlag am Dienstag mit. Rowohlt-Berlin-Verleger Gunnar Schmidt, der auch der Lektor von Delius war, erklärte, dieser habe »als Zeitgenosse geschrieben, als wacher Beobachter, aus dem Fluss der Dinge heraus – dicht an der Gegenwart, dicht am Leben«.

Delius war 2011 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet worden, dem angesehensten deutschen Literaturpreis. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung begründete dies damals damit, dass Delius als »kritischer, findiger und erfinderischer Beobachter« in seinen Romanen und Erzählungen die Geschichte der deutschen Bewusstseinslagen im 20. Jahrhundert erzählt habe – »von der Vorgeschichte der NS-Zeit über die Zeit der Teilung bis in die unmittelbare Gegenwart«.

Delius, dessen Vornamen stets mit F.C. abgekürzt wurden, kam im Februar 1943 in Rom zur Welt. Sein Vater war zu dieser Zeit Hilfsprediger in der Deutschen Evangelischen Kirche in Rom und als Soldat an die afrikanische Front versetzt worden. Ab 1944 wuchs Delius in Hessen auf.

Chronist seiner Zeit

Nach dem Abitur studierte er in West-Berlin und London Literaturwissenschaft. 1970 wurde er mit der Dissertation »Der Held und sein Wetter. Ein Kunstmittel und sein ideologischer Gebrauch im Roman des bürgerlichen Realismus« promoviert. Mit 18 Jahren veröffentlichte Delius erste Gedichte, mit 21 Jahren stieß er zur Gruppe 47, der bekanntesten westdeutschen Vereinigung von Schriftstellern.

Die Romane und Erzählungen von Delius wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt, immer wieder eckte er mit seinen Veröffentlichungen auch an. So zog der Siemens-Konzern gegen seine 1972 erschienene Dokumentarsatire »Unsere Siemens-Welt« vor Gericht.

Der Schriftsteller verarbeitete mit seinen Titeln immer wieder aktuelle Geschehen. So etwa mit »Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde« den deutschen Sieg bei der Fußballweltmeisterschaft 1954 oder mit seiner »Deutscher Herbst«-Trilogie den RAF-Terrorismus.

Noch Mitte Mai 2022 hatte Delius mit einem Text für Aufsehen gesorgt , in dem er dem Schriftstellerverband PEN Kleingeisterei vorwarf und nach 50 Jahren Mitgliedschaft seinen Austritt verkündete.

hpi/AFP