Schweizer Literatur Schriftsteller Gerhard Meier gestorben

Peter Handke teilte mit ihm seinen Kafka-Preis, die Kritik feierte ihn als Sprachkönner: Der Schweizer Schriftsteller und Lyriker Gerhard Meier ist im Alter von 91 Jahren gestorben.


Niederbipp - Eigentlich wollte er Architekt werden, doch dann reichte es doch nur zum Wort-Konstrukteur. Gerhard Meier galt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der Schweiz und verfasste Lyrik, Kurprosa sowie Romane, von denen die Tetralogie "Baur und Bindschädler", bestehend unter anderem aus "Toteninsel" (1979), "Borodino" (1982) und "Die Ballade vom Schneien" (1985) zu den bekanntesten Werken gehört.

Schriftsteller Meier: Großes Literatenleben in der Provinz
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Schriftsteller Meier: Großes Literatenleben in der Provinz

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er 1979 bekannt, als ihm Peter Handke die Hälfte des ihm verliehenen Kafka-Preises zukommen ließ. Meier blieb jedoch scheu gegenüber dem Literatur- und Medienbetrieb, selbst als sich die Kritiker in den achtziger Jahren für seine experimentelle Prosa erwärmten und Lobeshymnen schrieben. Die Öffentlichkeit mied Meier weitgehend und bezeichnete sich als "Provinzler, der aber immer nur die Welt in die Provinz hineinholen wollte".

Meier wurde mit hohen Auszeichnungen wie dem Hermann-Hesse-Preis und den Berliner Kunstpreis geehrt, 1999 bekam er den mit 20.000 Euro dotierten Heinrich-Böll-Preis.

Sein zurückgezogenes Leben führte Meier in seinem Heimatdorf Niederbipp, wo er zeitlebens in seinem Elternhaus wohnte - am Gerhard-Meier-Weg, mit dem er vor elf Jahren von seiner Heimatgemeinde geehrt worden war, die ihm zudem das Ehrenbürgerrecht zugestanden hatte.

Mehr als 30 Jahre arbeitete Meier in Niederbipp in einer Lampenfabrik als Designer, später auch als technischer Leiter. Die Leidenschaft für die Literatur entstand während einer langwierigen Tuberkulose-Erkrankung, die ihn zu einem Kuraufenthalt zwang. 1964, als Meier bereits 47 Jahre alt war, erschien sein erster Gedichtband.

Meier starb am Sonntag im Spital Langenthal, zwei Tage nach seinem 91. Geburtstag, wie der Gemeindepräsident von Niederbipp, Ueli Simon, erklärte. Er war bereits seit November schwer krank.

bor/AP



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