Nach Sturm aufs Kapitol Verlag stoppt Buchveröffentlichung von Trump-treuem Senator

Mit erhobener Faust grüßte er die Demonstranten vor dem Kapitol, drinnen legte er Einspruch gegen die Präsidentschaftswahl ein. Ein Buch von Senator Josh Hawley wird nun nicht wie geplant erscheinen.
Der republikanische Senator für Missouri, Josh Hawley, grüßt am Mittwoch vor dem US-Kapitol dort versammelte Trump-Anhänger

Der republikanische Senator für Missouri, Josh Hawley, grüßt am Mittwoch vor dem US-Kapitol dort versammelte Trump-Anhänger

Foto:

E&E News and Politico / AP

Die Veröffentlichung eines bereits angekündigten Buches des US-Senators Josh Hawley wurde im Nachgang des Sturms auf das Kapitol in Washington vom Verlag abgesagt. Hawley hatte den Wahlsieg von Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl nicht anerkannt und unbelegte Wahlbetrugsthesen vertreten. Die Entscheidung seines Buchverlags nannte der republikanische Politiker aus Missouri »Orwell-artig« und kündigte an, dagegen vor Gericht anzugehen.

In einer Verlautbarung, die auch über soziale Medien veröffentlicht wurde, gab der Verlag Simon & Schuster bekannt: »Nachdem wir am Mittwoch Zeugen wurden von dem verstörenden, tödlichen Aufstand in Washington, D.C., hat Simon & Schuster beschlossen, die Veröffentlichung des geplanten Buches von Senator Josh Hawley, ›The Tyranny of Big Tech‹, zu stoppen.«

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»Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht«, hieß es weiter in der Mitteilung: »Als Verleger wird es immer unser Auftrag sein, eine Vielzahl von Stimmen und Standpunkten zu verbreiten. Zugleich nehmen wir aber auch unsere übergreifende öffentliche Verantwortung als Bürger ernst. Deshalb können wir Senator Hawley nicht unterstützen nach der Rolle, die er gespielt hat bei einem Ereignis, das zu einer bedrohlichen Gefahr für unsere Demokratie und Freiheit wurde.«

Tausende von Trump-Anhängern hatten sich am Mittwoch in Washington zum Protest gegen die formale Bestätigung des Wahlsiegs von Joe Biden durch den US-Kongress versammelt. Viele von ihnen stürmten in der Folge ins Kapitol und besetzten es über Stunden. Dadurch verzögerte sich der Bestätigungsprozess bis in die frühen Morgenstunden des Donnerstags. Vielfach geteilt wurde ein vor der Besetzung aufgenommenes Foto, auf dem Hawley mit erhobener Faust der Menge seine Solidarität zu versichern scheint.

Der 41-jährige Hawley wurde häufig als möglicher zukünftiger Präsidentschaftskandidat ins Spiel gebracht. In seinem Buch, das im Juni erscheinen sollten, wollte er eines seiner Lieblingsthemen beackern: die übermäßige Macht von Google, Facebook und anderen Internetgiganten.

Kurz nachdem die Nachricht öffentlich wurde, dass sein Buch vom Veröffentlichungsplan gestrichen sei, schrieb Josh Hawley auf Twitter, dass er ungerechtfertigterweise zensiert und bestraft werde: »Ich habe die Bürger meines Wahlbezirks vertreten und im Senat eine Debatte über die Unverfälschtheit des Wählerwillens geführt, die man nun zur Aufwiegelung umzudefinieren beschlossen hat.«

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Es erinnere ihn an Orwell, schrieb Hawley weiter: »Lassen Sie es mich deutlich sagen: Dies ist nicht einfach ein Vertragsstreit. Es ist ein direkter Angriff auf den Ersten Verfassungszusatz. Ich werde diese Cancel Culture bekämpfen mit allem, was ich habe. Wir sehen uns vor Gericht.« Der Erste Verfassungszusatz sichert den Bürgern der USA Religions-, Meinungs- und Pressefreiheit sowie die Versammlungsfreiheit und das Petitionsrecht.

Simon & Schuster veröffentlichte in der Folge eine weitere Mitteilung, in der der Verlag betont, sicher zu sein, im Rahmen der vertraglichen Rechte zu handeln. Die Verlagsgruppe Simon & Schuster war im September 2020 vom Bertelsmann-Konzern übernommen worden, zu dem bereits die Verlagsgruppe Penguin Random House gehört.

Doch Simon & Schuster hatte zuvor schon einige Konflikte mit Trump und seinen Anhängern. So hatte der Verlag einen Vertrag mit dem rechtspopulistischen Blogger Milo Yiannopoulos aufgelöst. Zudem veröffentlichte die Verlagsgesellschaft mehrere Anti-Trump-Bestseller, darunter die Bücher von der Nichte des Präsidenten , Mary Trump, und seinem ehemaligen Sicherheitsberater John Bolton.

Sowohl Simon & Schuster als auch Penguin Random House haben in der Vergangenheit Bücher von Donald Trump verlegt. Es ist offen, wie sie mit einem möglichen Erinnerungsbuch Donald Trumps über seine Präsidentschaft umgehen würden.

Josh Hawley muss sich offenbar keine Sorgen machen, dass sein Big-Tech-Buch der Öffentlichkeit komplett vorenthalten würde. Tom Spence, der Chef des auf konservative Titel spezialisierten Verlages Regnery, teilte nach Angaben der »New York Times«  bereits mit, wenn das Buch auf dem Markt sei, sei sein Verlag »interessiert«.

feb/AP
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