Reaktionen auf Siegfried Lenz' Tod "Ein ausgezeichneter Humanist"

Einer der beliebtesten bundesdeutschen Schriftsteller ist im Alter von 88 Jahren gestorben: Kollegen, Weggefährten und Würdenträger erinnern sich an Siegfried Lenz, einen literarischen Versöhner.
"Ich wage es, Siegfried Lenz ganz altmodisch als nobel zu bezeichnen"

"Ich wage es, Siegfried Lenz ganz altmodisch als nobel zu bezeichnen"

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

In den Reaktionen zum Tod von Siegfried Lenz verbinden sich tiefe Trauer und große Dankbarkeit für die literarischen und politischen Verdienste des Schriftstellers.

Bundespräsident Joachim Gauck (in einem Beileidsschreiben an die Witwe): "Mit seinen Büchern hat er die Menschen bewegt, begeistert und zum Nachdenken gebracht. In seinen Romanen und Erzählungen finden sich die großen Hoffnungen und Irrtümer, die Ängste und Sehnsüchte ganzer Generationen."

Bundestagspräsident Norbert Lammert: "Siegfried Lenz wagte mit Blick auf seine Zeit, auf die 'Wohlstandsjahre' der noch jungen Bundesrepublik, das Außerordentliche: Er fragte nach der Not, nach der Mitschuld und Mitverantwortung des Einzelnen in der Zeit des Nationalsozialismus. Und er klärte und klärt darüber mit seinen Romanen und Erzählungen bis heute wie kein Zweiter auf (...) Eine große literarische Stimme ist verstummt, seine Werke aber bleiben."

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier: "Mit Siegfried Lenz ist heute auch ein Stück Deutschland von uns gegangen."

SPIEGEL ONLINE

Tomasz Andrukiewicz, Bürgermeister der polnischen Stadt Elk (früher Lyck) in Masuren, in der Lenz geboren wurde: "Dieser ausgezeichnete Humanist hat sich in seinem gesamten literarischen Werk mit Sympathie auf unser Elk und die Sitten der Menschen in Masuren bezogen (...) Wir sind stolz, dass er einer von uns war."

Kulturstaatsministerin Monika Grütters: "Die eigene Geschichte nicht zu verdrängen, sondern aufzuarbeiten - mit dieser Überzeugung hat er als Autor der Nachkriegsgeneration viel dazu beigetragen, den Ruf Deutschlands als Kulturnation wiederherzustellen."

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz: "Wir verlieren mit ihm einen ganz großen Autor, der uns ein unvergessliches Werk geschenkt hat."

Sigmar Gabriel, SPD-Vorsitzender: "Er war einer der wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren, der seit seinem Erstlingswerk 1951 die Aussöhnung mit Polen und Israel auch durch die Themen und Geschichten seines Werkes förderte (...) Siegfried Lenz war der Sozialdemokratie - von dem Engagement für Willy Brandt und dessen Ostpolitik bis zum gerade erschienenen Gesprächsbuch mit Helmut Schmidt - zutiefst verbunden, wofür wir ihm immer dankbar sein werden. Er war ein Sozialdemokrat im Herzen."

Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: "Mit Siegfried Lenz verliert die Welt einen großen Schriftsteller, der mit seinem Werk wichtige Zeichen der Versöhnung und Verständigung gesetzt hat."

Fotostrecke

Siegfried Lenz: Bilder eines Lebens

Foto: Fabian Bimmer/ dpa

Ulrich von Bülow, Leiter des Deutschen Literaturarchivs in Marbach: "Siegfried Lenz war ein Autor nicht nur für Literaturfachleute, sondern vor allem für Leser."

Schriftstellerin Ulla Hahn: "Er war einer der freundlichsten und liebenswertesten Kollegen, die ich je kennengelernt habe."

Schriftsteller Peter Härtling: "Ich wage es, trauernd und erinnernd, Siegfried Lenz ganz altmodisch als nobel zu bezeichnen."

Thomas Ganske, Verleger und langjähriger Freund: "Er hat mich mit seinem Rat für Hoffmann und Campe, der immer sein Verlag war, ein Leben lang begleitet. Jetzt bleibt die Erinnerung an eine einzigartige Freundschaft, an einen großen Menschen, und als Zeugnis dafür seine Bücher."

Mehr lesen über