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Skandal-Buch: Im Puff mit Vincent van Gogh

Foto: Walde & Graf

Skandalchronik Im Puff mit Vincent van Gogh

Sex, Drogen, Mord: Im März erscheinen gleich zwei Bücher, die sich mit den Skandalen und wahnwitzigen Selbstinszenierungen der Kunst-Superstars beschäftigen.
Von Nora Reinhardt

Jörg Immendorff

Die Zahl derer, die Werke von benennen können, dürfte ungeheuer klein sein im Vergleich zur Zahl derer, die Einzelheiten seines Sexlebens kennen. "Schöne Ehefrau flieht vor Kunstprofessor" und "Professor Sex allein zu Haus" lauteten die Schlagzeilen, die der inzwischen verstorbene Künstler ertragen musste. Allerdings: Die private Pleite um Prostituierte und Kokslinien in einer Düsseldorfer Hotelsuite wirkte sich beruflich, das heißt auf die Preisentwicklung seiner Werke, nicht schlecht aus. Immendorff schnellte im Kunstkompass des Magazins "Capital" von Platz 61 hoch auf Platz 13.

Skandale, Selbstinszenierung und Künstlertum gehören seit jeher zusammen; oft genug finden die reißerischen Geschichten mehr Anklang als ein neues Skulptürchen. Im März erscheinen nun gleich zwei Bücher mit Klatsch und Tratsch zu den Kunst-Superstars der vergangenen Jahrhunderte.

Van Goghs Bordellbesuche

Kommende Woche erscheint "Geier am Grabe van Goghs" mit dem wundervollen Untertitel "Und andere hässliche Geschichten aus der Welt der schönen Künste". Es ist das dritte Buch von Steen T. Kittl und Christian Saehrendt, die zuvor die launigen und superkurzweiligen Titel "Das kann ich auch! Gebrauchsanweisung für moderne Kunst" und "Das sagt mir was! Sprachführer Deutsch - Kunst, Kunst - Deutsch" vorgelegt haben. Und worum geht's im neuen Buch? Um "grausame Schicksale", um "Pornografie und Blasphemie, Denunziation und Opportunismus" und, na klar, um ein bisschen "Mord und Totschlag".

Vincent van Gogh

Frida Kahlo

Auch bei der zweiten Neuerscheinung hat es aufs Cover geschafft. Allerdings nicht mit der Gruselschocker-Geschichte von Dr. Gachet, der den schwerverletzten van Gogh nicht behandelte und von dessen Nachlass profitierte. Sondern mit der Vorliebe des Sonnenblumen-Spezialisten für den Verzehr von Farbe. "Essen nach Farben mit Vincent van Gogh" ist eine der Schlagzeilen, mit denen das Buch "Die großen Künstler und ihre Geheimnisse" wirbt. Die englische Weisheit, man solle ein Buch nie nach seinem Umschlag beurteilen, bewahrheitet sich diesmal jedoch nicht: Das Buch ist wie eine Boulevardzeitung aufgemacht ("Mona Lisas neuer Look", "Im Bett mit ") und auch innen wird die Kunstgeschichte im "Bild"-Duktus seziert.

Der Leser erfährt beispielsweise, dass "van Goghs Beziehungen zu Frauen" nach 1883 "professioneller Natur" waren: "Er schrieb Theo aus Arles, dass er es sich zur Gewohnheit gemacht habe, das örtliche Bordell alle zwei Wochen zu besuchen." Den Grund dafür ließ er Theo ebenfalls wissen: "Der Gesundheit zuliebe."

Neuer Pop-Verlag

Das Kunst-Skandale-Buch ist eines der sechs ersten des neugegründeten Szene-Verlages "Walde+Graf" in Zürich. Das Frühlingsprogramm umfasst Bücher über Kunst, Popkultur und Literatur, aber auch Graphic Novels.

Eine der beiden Verlegerinnen ist Anaïs Walde; sie bringt reichlich Erfahrung aus dem Kunstbetrieb mit, arbeitete für die Tate Modern und verschiedene Galerien in London. Ihr Partner Peter Graf war als Lektor für Hoffmann & Campe und Kein & Aber tätig. Beide arbeiteten für den Schweizer Kunstbuch-Verlag Benteli, bevor sie sich gemeinsam selbständig gemacht haben.

Bisher verlief die Zusammenarbeit absolut skandalfrei.


Buchangaben:
Elizabeth Lunday: "Die großen Künstler und ihre Geheimnisse";
Christian Saehrendt/Steen T. Kittl: "Geier am Grabe van Goghs" (siehe Kasten oben links).

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.