Später Ruhm dank Stephen King Ron McLartys Odyssee

Wer schreibt, der bleibt - manchmal einfach nur erfolglos. Ron McLarty hatte nach 30 Jahren die Hoffnung auf eine Veröffentlichung eines seiner zahlreichen Werke beinahe aufgegeben. Doch dann kam Bestseller-Autor Stephen King - und machte dem Horror des Wartens ein Ende.

"Die Grube der Verzweiflung" nannten es seine Kinder: das Schreibzimmer im Keller, an dessen Decke Ron McLarty die Absagen der Verlage geklebt hatte. "Es war ein Meer davon", erinnert sich der 57-jährige Autor, Sprecher und Schauspieler im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. 44 Theaterstücke, neun Romane und zahlreiche Gedichtsammlungen hat McLarty seit seinem 24. Lebensjahr geschrieben - und bis letztes Jahr sah es so aus, als würde kein einziger Text von ihm jemals erscheinen, auch der bereits 1988 fertig gestellte Roman "The Memory of Running" nicht.

Doch dann kam der Bestseller-Autor Stephen King und machte aus McLartys Schreibverlies eine Goldgrube. "'The Memory of Running' ist der beste Roman, den Sie dieses Jahr nicht lesen werden", schrieb King in seiner monatlich erscheinenden Kolumne im US-Magazin "Entertainment Weekly". "Und warum können Sie ihn nicht lesen? Weil ihn bislang kein Verleger mit der Kneifzange anfassen will!" Die Branche ließ den Vorwurf nicht lang auf sich sitzen: Zwei Wochen nach Erscheinen von Kings Kritik im Jahr 2003 hatte McLarty einen Vertrag über zwei weitere Bücher und zwei Millionen Dollar in der Tasche.

Eine Geschichte mit Happy End, die als Trauerspiel begann: Über 30 Jahre Jahre musste McLarty auf seinen Durchbruch als Autor warten. Zeit genug, um eine bescheidene Karriere als Schauspieler und Synchronsprecher zu starten. McLarty schlug sich mit Rollen in Broadway-Produktionen und TV-Auftritten in "Spenser", "For Hire", "Cop Rock" und "Sex and the City" durch. Der Literatur blieb er treu, auch wenn er nach zahllosen Absagen für "The Memory of Running" die Verlage nicht mehr anschrieb.

Jeden Tag arbeitete er sechs Stunden lang; die Schlaflosigkeit, die ihn seit seiner Kindheit plagt, trieb ihn bereits um vier Uhr morgens an den Schreibtisch. "Wenn ich dann in New York zum Vorsprechen ging, fühlte ich mich bereits erfolgreich", erklärte der Autor der AP. Doch die tatsächliche Anerkennung ließ lange auf sich warten. Erst 1997, als die Erfolgsautorin Danielle Steel unbedingt McLarty für die Hörbuchfassung eines ihrer Werke haben wollte, wendete sich das Blatt.

McLarty freundete sich mit Steels Hörbuchproduzentin Claudia Howard an und gab ihr "The Memory" zu lesen. Prompt erschien der Roman - allerdings nur als Hörbuch. Zur gleichen Zeit bewarb sich der Schriftsteller erfolglos für eine Rolle in "Kingdom Hospitals". Autor der TV-Miniserie: der Großmeister des literarischen Schreckens, Stephen King. Der war 1999 von einem Truck angefahren und schwer verletzt worden. Während seiner Monate langen Rekonvaleszenz entdeckte King die Vorzüge von Hörbuchern und damit auch McLartys Roman.

Makabre Pointe: "The Memory" beginnt mit einem Besuch des Protagonisten bei seinen Eltern im Krankenhaus, nachdem diese bei einem Autounfall schwer verletzt wurden. Außerdem spielt der Anfang des Jahres in den USA erschienene Roman in Maine. Der amerikanische Ostküstenstaat ist Kings Heimat und bildet die Kulisse für die meisten seiner Schauerfabeln.

King schrieb dann jenes provokante Lob, das McLarty einen Vertrag mit dem Verlagshaus Viking bescherte. Weil erfolgreiche Bücher auch zum lukrativen Leinwandstoff taugen, hat sich Hollywood bereits eine Option auf den Stoff gesichert. Sogar ein Regisseur ist für die Verfilmung schon im Gespräch: Alfonso Cuaron, der zuletzt "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" fürs Kino adaptierte.

McLarty selbst tut das, was er immer getan hat: Er arbeitet weiter. Gerade schreibt er an seinem zehnten Roman. Ressentiments sind dem spät erkannten Autor fremd. "Ich behaupte nicht, dass ich nicht auch schon während der letzten 30 Jahre gerne Erfolg gehabt hätte", so der Autor gegenüber AP. "Ich genieße das jetzt - ohne das Gefühl, es zu verdienen."


Ron McLarty: "The Memory of Running". Viking Books, 368 Seiten, 21,50 Euro.