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Reporter-Legende Terzani: "An der Schwelle zu einem neuen Mittelalter"

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Reporter-Legende Tiziano Terzani "Verstehen, was seit 2500 Jahren in Asien vor sich geht"

Tiziano Terzani berichtete jahrzehntelang für den SPIEGEL aus Asien. Jetzt erscheint posthum das Buch "Spiel mit dem Schicksal". Lesen Sie sehr aktuell wirkende Tagebuch-Auszüge von 1993 über die Umbrüche in Russland und China.

Tiziano Terzani (1938-2004) berichtete aus Indien, Kaschmir, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka und Japan über Kriege, Aufstände und politische Umwälzungen. Er verfolgte die Umbrüche in China und der Sowjetunion und ihre Auswirkungen auf dem gesamten Kontinent. Am 21. Juli 1993 bricht er zur längsten Reise seines Lebens auf: Mit dem Zug von Thailand über Kambodscha, Vietnam und China in die Mongolei, weiter quer durch Sibirien bis nach Moskau.

Er erlebt einen Kontinent, der nach dem Zusammenbruch des Sozialismus von dessen Erben ausgeplündert wird, durchquert ein Zentrum "großer Instabilität" und notiert in seinen Tagebüchern: "Europa muss sich Sorgen machen." Terzanis Analyse ist brandaktuell.

6. August 1993, Ulan Bator (Mongolei). Ich habe die Ankunft sehnlich erwartet, aber die erträumte Steppenstadt Ulan Bator zeigt sich in der Ferne nicht mit goldenen Tempeldächern und von Sonne und Regen reingewaschener Luft, sondern mit weißem Rauch aus sehr hohen Schloten links vom Zug. Wir haben den Fluss überquert, der Hochwasser führt. Der Zug hatte sechs Stunden Verspätung wegen vom Hochwasser unterspülter Geleise. Ulan Bator liegt in einer Talsenke. Nichts springt von fern ins Auge, nur das Pantheon über einer Art Kolosseum, die Antennen eines Radio- oder Fernsehsenders. Eine sozialistische Stadt aus Beton, gehüllt in einen goldenen Nebel, weil nach langem Regen die Sonne wiedergekehrt ist.

7. August 1993, Ulan Bator (Mongolei). Vielleicht hat China seinen letzten bösen Zauber ausgeübt: Dieser Röntgenapparat am Bahnhof von Lanzhou könnte alle Filme, die ich in Vietnam verknipst habe, und die neueren ruiniert haben. Nur einige, die im Sack waren, könnten überlebt haben. Das ist ärgerlich, quält mich aber nicht. Auch das ist "Schicksal". Ich werde mich zwingen müssen, umso besser mit Worten zu beschreiben.

Mir geht die Überlegung durch den Kopf, dass die Krise des Sozialismus die Völker auf ihre frühere Natur zurückwirft, wie ich das in Vietnam gesehen habe; ob die Mongolen auf ihre Weise zum Nomadentum zurückkehren? Wenn Fabriken und Autobahnen nicht mehr funktionieren, kehren die Menschen in ihre Jurten zurück und züchten wieder Pferde und Rinder. Mir gefällt diese Idee, dass Revolutionen im Grunde bestimmte Entwicklungen abkürzen. Aber die Abkürzungen fordern ihren Tribut, und wenn sie, wie hier, aufgezwungen waren (vielleicht nicht so sehr wie die Französische Revolution), dann kehren die Menschen langsam zum Alten zurück.

Aber die Kultur? Die Religion?

10. August 1993, im Zug nach Moskau (Mongolei). Pünktlich um 20 Uhr 15 sind wir unter großem Winken in einem schönen Sonnenuntergang losgefahren, Frauen mit erhobenen Armen warfen in der schräg stehenden Sonne lange Schatten. Ein alter Mongole im braunen Anzug mit einer gelben Schärpe um den Bauch hat mir zugewinkt. Um vier Uhr früh sind wir in Suchbaatar, dem letzten mongolischen Bahnhof vor der Grenze.

Zum x-ten Mal lese ich meinen Ossendowski: die Erklärung des "Weltgotts" des Reiches von Agarthi mit seinem unterirdischen Leben, seinen Zugängen und den wenigen, die es besucht haben. Auf dem Grund jeder Erklärung bleibt das Geheimnis.

Auch ich: Was mache ich denn anderes als nach einer Erklärung zu suchen, die mir erlaubt, in das Geheimnis des Lebens einzudringen? Mit dieser Zugfahrt? Bin ich noch nicht tief genug eingedrungen? Wiedergeburt? Sicher bin ich auf eine Weise wiedergeboren! Manchmal fühle ich, dass ich nicht nur der Welt angehöre, die ich kenne, der Welt meines Vaters und meiner Mutter, manchmal fühle ich, dass es in meiner Erinnerung etwas anderes gibt als das, was mir scheinbar angehört.

12. August 1993, im Zug in Nowosibirsk (Sibirien, Russland). Eingelullt vom Rattern des Zuges und leicht benommen von den Ausdunstungen des mongolischen Freundes, der isst und trinkt, aber nichts ausscheidet, habe ich acht Stunden geschlafen. Das Erwachen im ersten Morgenlicht ist wie immer in den letzten Tagen: Birken, Strommasten und Geleise. Noch mal Birken, Birken, Birken. Die Reise ist wunderschön wegen der menschlichen Abenteuer, aber seit wir in Sibirien sind, ist die Landschaft eintönig und wenig abenteuerlich.

Immer mehr drängt sich mir der Gedanke auf, wie bedauerlich es ist, dass es diese heroischen Kosaken waren, die Sibirien kolonisierten: eine so schöne Natur, vergeudet für banale Dinge. Überall tritt der materialistische Traum zutage, eine Gesellschaft der Güter und Häuser, aus Eisen und Stahl, eine Gesellschaft der Züge und Strommasten zu errichten. Vielleicht war es die Auswirkung des Krieges, vielleicht die Banalität der Träume derer, die immer gegen die Naturgewalten kämpfen mussten, Tatsache ist jedenfalls, dass sich dieses Sibirien vom einen Ende des Kontinents bis zum anderen immer gleich bleibt, überall Holzhütten, die abgelöst werden von Plattenbauten, bewohnt von Leuten, die scheinbar nie ihre Kleidung wechseln, ihre Gesten, ihre Armut.

Ich sehe eine Frau, die mir Symbol für all das scheint: Im Mantel und ein gelbes Tuch um den Kopf, zieht sie im Morgengrauen mit schnellen Schritten einen kleinen Karren auf einem schlammigen Weg, als ob sich ihre Tasche heute nun wirklich mit einem Schatz füllen sollte.

Manchmal rühren mich freundliche Gesten zwischen Mann und Frau. Oft sehe ich sie untergehakt, arme alte Leute, vereint im behaglichen Mief ihrer Hütten.

Die Szenen auf den Bahnsteigen sind höllischer als anderswo. Wie ein wildes Tier wirft sich die Menge gegen den Zug, rennend und keuchend.

Ich schlafe ein mit diesem Bild des russischen Volkes. Eine unruhige Nation, unstet, unbefriedigt, zornig, aber vorerst noch verhalten, noch eingeschüchtert von den Schlagstöcken zweier Polizisten in Schirmmütze mit rotem Streifen. Und morgen?

Solche Menschen können nicht lang in der Unterdrückung ausharren, unbefriedigt und fügsam angesichts des Elends, der Gewalt. Und was soll man von den Chinesen sagen? Auch sie unterwegs und dabei so siegreich. So überzeugt von sich selbst, vor allem wenn sie diese elenden Russen sehen, die abhängig sind von ihrer Industrie, um ihr weißes, von Fett und ungesundem Brot aufgedunsenes Fleisch zu verhüllen.

Zwei große Völker heute im Zentrum großer Instabilität. Europa muss sich Sorgen machen, alles neu überdenken. Wie viele realisieren das?

Wie viele Politiker reisen in diesen Zügen, sehen diese Szenen? Es muss mir gelingen, dieses Phänomen zu erklären.

13. August 1993, Richtung Moskau. Endlich fühle ich, dass wir uns einer großen Stadt nähern. Die Bahnbeamtin klopft an die Türen der Betrunkenen, der Schlafenden, und mit immer netterer Stimme ruft sie: "Mockbá!!! Mockbá!" Wunderschön. Es ist drei Uhr morgens, und wie üblich fällt Regen auf das Bahnsteigdach in dem Augenblick, da ich mit enormer Lust den Fuß auf den Boden setze.

Ein finsteres Hotel, alle schlafen in den Sesseln, die Rezeption liegt im Dunkeln. Um fünf Uhr gelingt es mir, ein winziges Zimmer zu beziehen, mit einem Bad, in dem ich mir wie im Gefängnis vorkomme, ein durchgelegenes Bett.

Es ist schon der 14. August. In Italien ist morgen Ferragosto. Wie vor zwei Jahren in Chabarowsk! Habe ich ein Schicksal in diesem Russland?

14. August 1993, Moskau. Was hier geschieht, der Umbau einer sozialistischen Gesellschaft in eine Marktwirtschaft, ist ein unerhörter, atemberaubender Vorgang, der von einem Menschen mit viel Genie, Fantasie und Mut, mit viel Weitblick und großer Entschlusskraft gelenkt werden musste. Dagegen ist dieser Prozess Jelzin und seiner Entourage anvertraut, alles Leute, die im Kommunismus groß geworden sind, als Abtrünnige und Ausgestoßene desselben.

Das ist die große Tragödie: Der Kommunismus hat keine Helden hinterlassen, hat alle Ausnahmeerscheinungen zunichtegemacht, hat die wahrhaft Großen unterdrückt und hat das Überleben nur den großen Überlebenden des Apparats erlaubt. Was heute in Russland geschieht, würde einen großen, aufgeklärten Diktator erfordern, der diesen Menschen, die jetzt unruhig und unglücklich sind, wieder Zutrauen gibt, einen Traum für ihre Zukunft bereithält, der alles daransetzt, im Rest der Welt mit Stärke aufzutreten. Recht betrachtet, entsteht da vor den Grenzen Europas eine unruhige und unbefriedigte Masse an Land und Menschen, die noch historische Rechnungen zu begleichen haben. Wir in Europa müssen das zur Kenntnis nehmen und darüber nachdenken.

Lesen Sie in Teil zwei über Terzanis Meditationserfahrungen in Thailand

Tiziano quartiert sich in einem Meditationszentrum in Bangkok ein, "um zu verstehen, was seit 2500 Jahren in Asien vor sich geht und was intellektuell nie wirklich beachtet wurde". Und erlebt "etwas schrecklich Anziehendes". Spannend, hochaktuell und witzig.

1. November 1993, Bangkok. Abendessen bei Pringle. Diskussion. Ich wurde gern sagen: Die Welt steht heute an der Schwelle zu einem erneuten Mittelalter. Die Menschheit muss sich darauf besinnen, in welche Richtung ihre Entwicklung gehen soll. Wie man in einem Wald oder einer Wüste die Richtung wechselt, wenn man feststellt, dass die eingeschlagene falsch ist, so muss der Mensch es machen, wenn er bemerkt, dass die Richtung, die Wissenschaft und Fortschritt nehmen, zur Zerstörung der Natur und des Menschen selbst führt. - Wir leben in einer Zeit, da die Ästhetik schon am Ende ist. Die Ethik geht ihrem Ende zu....

19. November 1993, Bangkok. Ich breche zu einem Retreat im International Buddhist Meditation Center auf.

21. November 1993, Bangkok. Drei Tage Meditation, vegetarisches Essen, zwei Tage Schweigen. Das Alter fördert die Toleranz. Noch vor wenigen Jahren wäre ich am ersten Tag abgereist. Dass ich ausgehalten habe, hat mich etwas gelehrt.

Scheinbar eine Welt der Außenseiter. Das ist auch ein Aspekt, aber im Grunde ist es der Versuch zu verstehen, was seit 2500 Jahren in Asien vor sich geht und was intellektuell nie wirklich beachtet wurde. All das hat etwas schrecklich Anziehendes. Deshalb besteht der weitaus größte Teil der 50 Meditierenden aus jungen Leuten aus dem Westen. Unsere Welt ist in der Krise, sie bietet keine Lösungen, macht keine Hoffnung, und die kommen hierher, um sich Lehren anzuhören, die sie mittlerweile von ihrem Pfarrer nicht mehr zu hören bekommen, außerdem finden sie Geschmack am Exotischen, am Andersartigen, und sie knien befriedigt nieder vor einem Idol, einem Gott, der mit ihrem Leben nicht viel zu tun hat, was genau ihn aber akzeptabel macht.

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Tiziano Terzani:
Spiel mit dem Schicksal

Tagebücher eines außergewöhnlichen Lebens.

Deutsche Verlags-Anstalt; 576 Seiten; 22,99 Euro.

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"Aufstehen, aufstehen, aufstehen …", eine Form der Meditationsverblödung. Tage ohne zu denken, ja, der Auslöschung des Denkens, der Konzentration auf das Banale, auf die Bewegung eines Fußes, die des Nabels.

Was für eine eigenartige Religion: ganz darauf bedacht, sich zu vergessen, ohne Gedanken zu sein, ohne Lehre, ohne Inspiration. Das Einzige, was man tun muss, ist, sich lösen, die Gedanken an sich und die Welt aufgeben. Es wird damit enden, dass ich zum Christentum zurückkehre. Ich sehe in den Gesängen und dem Knien eine Form der Gewöhnung. Die jungen Leute lieben das Rituelle. Helen, die Dicke, spricht über Dharma, um zu erklären, dass die Meditation auf allen Ebenen hilfreich ist, der des Alltäglichen. Und der des Übernatürlichen.

Sie erzählt von einem "berühmten thailändischen Wissenschaftler", der im Alter von elf Jahren nach England geschickt wurde, er war der Schlechteste in der Klasse; er hat meditiert und ist der Beste geworden, das Lernen fiel ihm leicht, und er schaffte es bis in die NASA. Meditieren, "um das Büroleben besser zu bewältigen, den Straßenverkehr, das Eheleben, den Verschleiß des Alltags".

Ich spüre eine Verschwörung zur Schwächung des Abendlands. Was macht die Kirche mit ihren Werten, ihren Prinzipien, ihren Ideen, die wir hier nur vergessen? In der Wiederholung von rituellen Formeln, die keiner versteht, versteckt sich eine Fähigkeit, eine Asiatische Form der Sozialisierung, die beeindruckend ist. Ich suche die Religion, ich suche etwas Verpflichtenderes als das Alltägliche, aber ich kann die sklavische Unterwerfung unter Regeln nicht akzeptieren, das Niederknien, die Anbetung in der Masse.

Ich mache "Gehmeditation", "Sitzmeditation", aber ich meditiere keine Sekunde lang.

Hier sagen sie, der Geist ist wie ein Affe, er springt mal hierhin, mal dahin. Der meine scheint eine ganze Horde von Affen zu sein, die überall herumhüpfen. Der Mönch sagt, man solle sich nicht dagegen wehren, solle ihn lassen, aus dem Affen einen wilden Büffel machen, dem man einen Strick umlegt, an dem man ihn ziehen kann. Man soll sich der Fluchtbewegung des Geistes nicht widersetzen, nur feststellen, dass er flieht, sich sagen "ich denke, ich denke, ich denke", und wenn man etwas sieht oder hört, sagen "ich sehe, ich sehe, ich sehe", "ich höre, ich höre, ich höre". Werde ich am Ende nach Europa zurückkehren?!

Ich meditiere nicht, aber ich habe den Eindruck, ich entwickle ein Verständnis für das, was die anderen tun, was mir auf seine Weise eine Form von Weisheit scheint. Ich sehe die Freude bei einigen. Manchmal denke ich, die Aura des hiesigen Weisen ist der Blick des Idioten. Einer der Mönche wirkt so. Jahrhundertelang haben die hier meditiert, während draußen die Sturme tobten, die Bauern kamen im Hochwasser um, und keiner baute Dämme.

Der Buddhismus übt eine schreckliche Anziehungskraft auf die jungen Leute im Westen aus (daher der große Erfolg von Hesses Siddhartha). Die Welt ist zu kompliziert, keiner hat mehr das Gefühl, etwas ausrichten zu können, unnütz, sie ändern zu wollen, das bringt nichts. Und selbst wenn es gelänge, es wäre doch nur Schein. Wenn Toyota dich zu monotonen Arbeitsrhythmen zwingt, meditier und mach sie dir erträglich. Japan geht da voran. Der Buddhismus predigt die Tatenlosigkeit, den Nicht-Widerstand. Man braucht nichts zu tun, nur zu reflektieren, um den Gedanken an das Ganze auszuschalten. Weil das Ganze unnütz ist. Das Haus des Nachbarn brennt? Du meditier, ihm zu helfen ist unnütz.

Diese Wiederentdeckung in Asien ist auch durch das Ende des Kommunismus bedingt. In allen Ländern kommt der Buddhismus wieder in Mode, und die Japaner sind begeistert von diesem Revival. Der Kommunismus ist am Ende, die Träume von einer besseren Gesellschaft sind am Ende. Alles löst sich, indem man sich auf einen Punkt zwei Zentimeter oberhalb des eigenen Nabels konzentriert.

Die Faszination des Tuns ist vorbei. Man glaubte, die Antwort in der Wissenschaft gefunden zu haben. Nein, die Lösung liegt in der Meditation in einem schönen Raum in japanischem Stil. Das erlaubt eine wunderbare Kontrolle des sozialen Systems. Um die Gesellschaft kümmern sich die anderen, die Unreinen.

Wer verstanden hat, meditiert. Aus diesem Grund lasen in früheren Zeiten die Mönche den Laien nicht einmal die Sutren vor, sie hielten sie geheim. Man versteht den alten Streit zwischen denen, die die Sutren geheim halten wollten, und denen, die das nicht wollten. Man hat keine Angst mehr vor dem Tod, es gibt ja die Reinkarnation. Eine herrliche Mode.

Der Buddhismus als asiatisches Erfolgsmodell? Asien ist ganz buddhistisch, und das könnte mit einer Wiederentdeckung des Nationalismus einhergehen. Das Christentum hat hier nur aufgrund von Hunger und Armut Fuß gefasst. Rice Christians - jetzt, wo sie genug Reis haben, entdecken sie die Idole wieder, die Zeichen ihrer Identität sind.

Beim letzten gemeinsamen Essen, nachdem wir von den acht Vorschriften befreit worden sind und uns zu den fünfen (nicht töten, nicht lügen usw.) bekannt haben, sprechen die Meditierenden miteinander, und die geheimnisvollen Personen der vergangenen Tage bekommen ein Gesicht.

Die verhuschte, spindeldürre junge Frau ist eine Bankiersgattin, die hier auftankt, um den schweren sozialen Verpflichtungen ihres Lebens gerecht werden zu können. Die älteste unter den Frauen ist eine Amerikanerin, die aus der Hippie-Bewegung kommt. Dann ein kanadischer Diplomat mit französischer Frau, der junge Deutsche, der zu einer stumpfsinnigen Arbeit in Deutschland zurückkehrt, der Professor für englische Literatur mit seinem Gelehrtenbart und mein Kanadier, ein einfacher Mann, den ich im Kleinbus getroffen habe und der mir jetzt sagt: "Heute morgen ist es mir endlich gelungen, ich bin in einen zeitlosen Zustand eingetreten, in dem ich keinerlei Gewicht verspürte, wo alles grenzenlos schien."

Ich habe nichts gehört, habe nichts gesehen, ich bin nur belustigt und immer neugieriger auf die Möglichkeiten, die diese Alternative eröffnet.

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