Stockholm Herta Müller nimmt Literaturnobelpreis entgegen

Nun hat sie die hohe Ehre schwarz auf weiß: Herta Müller ist am Donnerstag der Literaturnobelpreis überreicht worden. Jury-Mitglied Anders Olsson lobte in seiner Laudatio den Mut der Autorin, die den Preis erstmals seit 1999 nach Deutschland holt.
Ehre in Stockholm: Herta Müller mit dem schwedischen König Carl Gustaf

Ehre in Stockholm: Herta Müller mit dem schwedischen König Carl Gustaf

Foto: PONTUS LUNDAHL/ AFP

Stockholm - Die deutsche Schriftstellerin Herta Müller hat am Donnerstag den mit rund einer Million Euro dotierten Literaturnobelpreis entgegen genommen. Ihr wurde die höchste literarische Auszeichnung der Welt bei einer feierlichen Zeremonie vom schwedischen König Carl Gustaf überreicht. Zuletzt hatte aus Deutschland Günter Grass 1999 den Preis erhalten.

Die 56-jährige Schriftstellerin wurde unter anderem für ihren Roman "Atemschaukel" und ihre realitätsnahen Darstellungen des Lebens unter kommunistischer Führung in Rumänien ausgezeichnet. In seiner Laudatio nannte der Literaturwissenschaftler Anders Olsson, Mitglied der Nobel-Jury, Müllers Werke fesselnd und sehr markant. Sie habe den Mut gehabt, gegen "die provinzielle Unterdrückung und den politischen Terror" kompromisslos Widerstand zu leisten. Den Nobelpreis verdiene sie für den "künstlerischen Gehalt dieses Widerstands".

Müller wurde 1953 in Nitchidorf im deutschsprachigen Raum Rumäniens geboren, 1987 ging sie nach Deutschland ins Exil. In ihre Werke flossen immer wieder autobiografische Erfahrungen ein. So verarbeitete sie das Schicksal ihrer Mutter, die wie viele Rumäniendeutsche 1945 in die Sowjetunion deportiert worden war, in dem in diesem Jahr veröffentlichten Roman "Atemschaukel". Müllers Debüt, die Novellensammlung "Niederungen" (1982), wurde in Rumänien nur zensiert herausgegeben. Wegen ihrer kritischen Haltung zum Ceausescu-Regime wurde sie in ihrer Heimat später mit einem Publikationsverbot belegt.

Derweil gratulierte aus der Ferne auch Klaus Wowereit (SPD), Bürgermeister von Müllers Wohnort Berlin. Er sagte am Donnerstag, ihre Schilderungen seien ein "bleibender Appell für uns alle, Freiheit und Menschlichkeit zu wahren und zu verteidigen".

Fünf Frauen mit Nobelpreis geehrt

Außer Herta Müller wurden im Stockholmer Konzerthaus weitere vier Frauen ausgezeichnet - ein Rekord in der Nobelpreis-Geschichte. Darunter auch die US-Politikwissenschaftlerin Elinor Ostrom, die als erste Frau den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften entgegennahm. Sie teilt sich die Ehre mit einem Landsmann, dem Wirtschafts- und Rechtswissenschaftler Oliver Williamson.

can/AP/AFP/dpa