Streit um "Asterix"-Einnahmen Steuerbehörde degradiert Uderzo

Seit dem Tod des Texters René Goscinny ist Albert Uderzo alleine verantwortlich für die "Asterix"-Comics. Das ist ihnen nicht gut bekommen. Dass die französische Steuerbehörde ihm jetzt die Co-Autorenschaft für die ersten 24 Alben mit Goscinny absprechen will, erstaunt dann aber doch.

Albert Uderzo neben seinen Figuren Obelix und Idefix: Bloß ein einfacher Zeichner?
REUTERS

Albert Uderzo neben seinen Figuren Obelix und Idefix: Bloß ein einfacher Zeichner?


Paris/Hamburg - In "Asterix und der Kupferkessel" kommt der Stammeshäuptling mit dem sprechenden Namen Moralelastix ins gallische Dorf von Asterix und seinen Freunden, um dort einen Kupferkessel voller Sesterzen vor den römischen Steuereintreibern in Sicherheit zu bringen. Als Autoren sind auf dem Comicband, der erstmals 1969 erschien, René Goscinny (Text) und Albert Uderzo (Zeichnungen) genannnt - selbstverständlich, wie bei allen 24 "Asterix"-Alben bis zum Tode Goscinnys im Jahre 1977.

Ausgerechnet die Steuerbehörden bereiten Uderzo nun große Sorgen - mit kostspieligen Folgen, wie Uderzo der französischen Literatur-Website ActuaLitte.com am Rande des Comicpreises DBD Awards in Paris erzählte, wo er für sein Lebenswerk geehrt wurde. "Kürzlich hatte ich eine Steuerprüfung", sagte der 84-Jährige: "Die gute Nachricht: Es wurden weder Betrug noch Unregelmäßigkeiten in meinen Unterlagen gefunden."

Die schlechte Nachricht für Uderzo: die Behörde habe entschieden, er sei nicht Co-Autor der ersten 24 Asterix-Bände gewesen, sondern nur ein einfacher Zeichner. Deshalb dürfe er nicht so viele Einnahmen aus den Rechten an den Heften behalten - und solle mehr als 200.000 Euro an Steuern nachzahlen, so Uderzo gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Nun wird wohl jeder Asterix-Leser einräumen, dass die Qualität der Comicreihe nachließ, als Albert Uderzo sie nach dem Tode Goscinnys alleine weiterführte. Doch ihm für die vorherigen Bände die Co-Autorschaft absprechen? Uderzo wird denken: Die spinnen, die Steuerbehörden.

Gegenüber der AFP fand er dafür andere Worte: "Nach 51 Jahren Asterix und 66 Jahren im Beruf ist das ein Skandal." Er werde juristisch dagegen vorgehen. Schließlich sei er in allen Verträgen mit dem Verlag Dargaud aus der Zeit als Autor genannt.

Mit diesem Verlag hatte sich Uderzo einen jahrelangen Rechtsstreit geliefert, an dessen Ende er die Rechte an den Alben und den Figuren zugesprochen bekam. In seiner 2009 auf deutsch erschienenen Autobiografie schwieg sich Uderzo darüber weitgehend aus - dafür baute er, zum Missfallen mancher Comic-Freunde, das Vermarktungs-Spektakel rund um Asterix, Obelix und Idefix weiter aus.

feb/AFP



insgesamt 9 Beiträge
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erlachma 18.01.2011
1. Solo besser
Zitat von sysopSeit dem Tod des Texters René Goscinny ist Albert Uderzo alleine verantwortlich für die "Asterix"-Comics. Das ist ihnen nicht gut bekommen.*Dass die französische Steuerbehörde ihm jetzt die Co-Autorenschaft für die ersten 24 Alben mit Goscinny absprechen will, erstaunt dann aber doch. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,740169,00.html
Also ich muss sagen, dass ich die Asterix-Hefte von Uderzo alleine besser fand als die mit Goscinny - zumindest bis einschliesslich "Asterix im Morgenland". Über die Bände danach sei besser den Mantel des Schweigens gelegt... Und natürlich habe ich als Kind alle Hefte besessen, konnte sie auswendig und noch beim Studium vieles rezitieren!
mcmercy, 19.01.2011
2. Comic
Nun es ist ein Comic also eine Bildergeschichte, ein Comic funktioniert auch ohne Text, aber nicht ohne Bilder. Die Frage ist im Grunde also wer hat die Dramturgie der Geschichten entwickelt, wer die Story? Da das wohl nicht geklärt ist muss man von einer Gemeinschaftsleitsung ausgehen und dann gebührt Uderzo gleichwohl derselbe Anteil wie Goscinni.
Layer_8 19.01.2011
3. Ich finde zurecht!
Zitat von sysopSeit dem Tod des Texters René Goscinny ist Albert Uderzo alleine verantwortlich für die "Asterix"-Comics. Das ist ihnen nicht gut bekommen.*Dass die französische Steuerbehörde ihm jetzt die Co-Autorenschaft für die ersten 24 Alben mit Goscinny absprechen will, erstaunt dann aber doch. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,740169,00.html
Goscinny war der Autor der besten Asterix-Folgen. Das gleiche gilt auch für Lucky Luke. Sorry M. Uderzo.
Michael KaiRo 19.01.2011
4. Felix, qui potuit rerum cognoscere - In dubio pro reo
Zitat von sysopSeit dem Tod des Texters René Goscinny ist Albert Uderzo alleine verantwortlich für die "Asterix"-Comics. Das ist ihnen nicht gut bekommen.*Dass die französische Steuerbehörde ihm jetzt die Co-Autorenschaft für die ersten 24 Alben mit Goscinny absprechen will, erstaunt dann aber doch. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,740169,00.html
Glücklich ist, wer alles versteht - Im Zweifel für den Angeklagten
S.Albrecht 19.01.2011
5. Goscinnys Humor ist unerreicht
Zitat von mcmercyNun es ist ein Comic also eine Bildergeschichte, ein Comic funktioniert auch ohne Text, aber nicht ohne Bilder. Die Frage ist im Grunde also wer hat die Dramturgie der Geschichten entwickelt, wer die Story? Da das wohl nicht geklärt ist muss man von einer Gemeinschaftsleitsung ausgehen und dann gebührt Uderzo gleichwohl derselbe Anteil wie Goscinni.
Bezüglich des Urteils stimme ich voll zu - es ist unnötig, Albert Uderzo nachträglich die Urheberschaft abzuerkennen, vermutlich nur um ein paar Euro Steuern mehr einzutreiben. Dennoch - nach dem Tod von René Goscinny haben die Geschichten schlagartig viel von dem verloren, was sie ausgemacht hat - einen tiefgründigen, subtilen, intellektuellen Humor, der sich zeigt in Szenen wie dem legendären Dialog am Beginn der Trabantenstadt ("Wer er?" - "Na Ihr!" - "Ach, er.") oder der Bürokratenszene bei Asterix als Legionär ("Fragt die Auskunft, die geben Euch Auskunft") sowie in Charakteren wie den Korsen oder den Briten als Gruppe oder unzähligen Individuen wie dem übereifrigen römischen Legionär Studicus in Asterix auf Korsika, wie Gaius Faulus, Grautvornix oder Bierik und Harik und unzähligen anderen, die trotz vielleicht nur winziger Nebenrollen äußerst plastisch und lebendig sind. Diese Gastcharactere verfallen nach Goscinnys Tod zu relativ flachen Karikaturen von Personen aus anderen Medien (Laurel und Hardy) oder auch Comics (Schulze und Schultze). Aus all dem schließe ich, dass René Goscinny eben doch einen entscheidenden, wenn nicht den alleinigen Teil der Autorenschaft hatte.
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