Sven Regeners Buchmesse-Blog Herr K. (aus L. am M.)

Bestseller-Autor Sven Regener bloggt auf SPIEGEL ONLINE von der Frankfurter Buchmesse. Blöd nur, wenn endlich Hamburg-Heiner anruft, aber leider gerade gar keine Zeit ist. Und dann wartet auch noch der Drill-Sergeant!

16. Oktober 2008

Herr K. (aus L. am M.)

19.58: Noch zwei Minuten bis zur Lesung im Mousonturm. "Handys aus, ihr Hunde, und dann raus und zack zack", ruft Herr K. (aus L. am M.), der Impresario, der aus der Hölle kam. Man darf das nicht persönlich nehmen, er war früher Ausbilder bei der GSG 9, bevor er über einen Kalenderverlag ("Deutschland, deine Spähwagen") ins Literaturgeschäft kam und dort als Lesereisenorganisator ("Ab Oktober greifen wir wieder an") und freiberuflicher Korrekturleser ("Alle Füllwörter eliminiert!") Karriere machte.

Nur daß er einen immer in der Mehrzahl anspricht ("Was habt ihr da denn schon wieder für einen Mist verzapft, ihr Knalltüten" oder "Ich zähl bis drei, und dann seid ihr alle umgezogen!"), ist etwas gewöhnungsbedürftig. Und daß in diesem Moment Hamburg-Heiner anruft, macht die Sache nicht leichter.

Sven (flüstert): Hamburg, ich kann jetzt nicht!

Hamburg-Heiner: Was ist da los? Ist der Ledernacken da?

Sven (flüstert): Ja. Ich muß jetzt ausmachen.

HH: Okay, nur so viel: Am Willy-Brandt-Platz, wenn du da links vom U-Bahneingang etwa zehn Meter zu den Häusern rübergehst, da ist ein W-Lan offen. Ohne Paßwort.

Sven (flüstert): Ich muß jetzt raus, aber das ist lieb von dir.

HH: Hab ich aus erster Hand. Ich kenne eine Studenten-WG, die gehen da auch immer hin.

Sven (flüstert): Ich leg jetzt auf. Schön, von dir zu hören.

Herr K.: Wer jetzt nicht gleich draußen ist, kann am Wochenende hier ne Ehrenrunde drehen!

Sven (flüstert): Hamburg, ich hab dich lieb!

HH: Ich weiß, was du meinst! Jetzt geh schon raus, bevor er mit Sachen schmeißt.

Was die wenigsten wissen: Hamburg-Heiner ist der einzige, vor dem Herr K. Angst hat, das ist ein bißchen wie mit der Feuerqualle und der Wasserschildkröte. Nur noch schlimmer.

17. Oktober 2008

Lohr am Main ist das Tor zum Spessart

1.13 Uhr: Lesung heil überstanden, Hotelbar mit Arte-Team, Alkohol. Herr K. (aus L. am M.) beharrt auf folgenden Feststellungen:

1.) Keine Stadt der Welt kann es mit Lohr am Main aufnehmen.

2.) Lohr am Main ist das Tor zum Spessart.

3.) Die Hauptfiguren in den beiden Kafka-Romanen "Das Schloß" (müßte man das jetzt "Schloss" schreiben, wenn man in der neuen Rechtschreibung schriebe? Wie sieht das denn aus?!) und "Der Prozeß" (gleiches Problem!) wurden nach seinem Vorbild geschaffen, "das merkt man schon am Namen!" Traue mich nicht, zu widersprechen, solange HH nicht dabei ist.

4.) Die Buchmesse ist "eine verdammte Wattebauschwerferei", und wenn er, Herr K., da das Sagen hätte, dann sähe das da aber anders aus! Dann würde da eine andere Musik spielen, Kameraden.

Das ist jetzt ein guter Moment, um ins Bett zu gehen!

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