T.C. Boyle

T.C. Boyle über die US-Wahl "Ein Desaster für unsere Demokratie"

T.C. Boyle
Ein Gastbeitrag von T.C. Boyle
Der amerikanische Bestsellerautor T.C. Boyle hat aufgeschrieben, was ihn in diesen unsicheren Stunden ohne Wahlergebnis bewegt – und was er befürchtet.
Donald Trump steigt am Charlotte Douglas International Airport aus der "Air Force One" aus (Archivbild)

Donald Trump steigt am Charlotte Douglas International Airport aus der "Air Force One" aus (Archivbild)

Foto: SAUL LOEB / AFP
Zur Person

Tom Coraghessan Boyle, 71, wuchs als Sohn irischer Einwanderer in prekären Verhältnissen im US-Bundesstaat New York auf. Seine erste Kurzgeschichtensammlung erschien 1979, zu den bekanntesten Romanen von T.C. Boyle zählen "América" und "Willkommen in Wellville". Zuletzt veröffentlichter der Hanser Literaturverlag die Stories "Sind wir nicht Menschen?". Die folgenden Gedanken verfasste er in Santa Barbara, Kalifornien.

Ich schreibe dies am Morgen des 4. November, nach einer unruhigen Nacht, in der ich um vier Uhr früh aufgewacht bin, und mich dazu zwingen musste, lieber zurück in die Traumwelt zu tauchen, als dem nationalen Selbstmord ins Auge zu sehen, der sich vor meinen Fenstern ereignet. Schon jetzt ist die Wahl ein Desaster für unsere Demokratie, auch wenn ich glaube, dass Biden sich durchsetzen wird, wenn die Stimmen ausgezählt sind.

Dass allerdings keine "Blaue Welle” zustande kam, um dem schlimmsten und gefährlichsten Präsidenten der Geschichte einen Verweis zu erteilen, bedeutet: Die kommenden Tage werden wahrscheinlich Unruhen bringen, angeheizt von eben diesem Präsidenten und den Straßenschlägern, die er regelmäßig zur Gewalt anstachelt.

Er wird alles dafür tun, an der Macht zu bleiben

Ich habe die mörderische Präsidentschaft Richard Nixons erlebt und die ebenso blutige Herrschaft des Big-Business-Präsidenten George W. Bush – die Nachwirkungen seines Irakkriegs quälen uns heute noch. Aber nichts ist vergleichbar mit den Gefahren, die der Demokratie drohen angesichts der gegenwärtigen Umstände.

Trump beabsichtigt, unsere Demokratie zu zerstören, auf die eine oder andere Weise. Er will verzweifelt im Amt bleiben – nicht nur, um sein Ego und seine Brieftasche zu füttern, sondern um der zivil- und strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen: wegen seiner Geschäftemachereien, Steuerbetrug und sexuellen Übergriffen. Er wird alles tun, um an der Macht zu bleiben. Deshalb läuft es irgendwie hierauf hinaus: Spielt es überhaupt eine Rolle, was das endgültige Auszählungsergebnis ist?

Aus dem Amerikanischen von Felix Bayer

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