Dramatiker und Regisseur Tankred Dorst ist tot

Er war einer der meistgespielten Autoren des deutschen Gegenwartstheaters, schrieb unter anderem das Stück "Merlin oder Das wüste Land" - nun ist der Dramatiker Tankred Dorst mit 91 Jahren gestorben.

Tankred Dorst
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Tankred Dorst


Der Dramatiker und Schriftsteller Tankred Dorst ist tot. Er starb am Donnerstag mit 91 Jahren. Das teilte der Suhrkamp Verlag mit. In seinen mehr als 50 Stücken hat sich der vielfach preisgekrönte Dramatiker auf unterschiedlichste Weise mit den Fragen der menschlichen Existenz auseinandergesetzt.

Große Regisseure wie Peter Zadek, Peter Palitzsch, Dieter Dorn und Hans Neuenfels arbeiteten eng mit ihm zusammen. Das bekannteste Werk des gebürtigen Thüringers ist das Stück "Merlin oder Das wüste Land", ein Panoptikum um den Zauberer und Teufelssohn Merlin, das bis heute mit seiner bildreichen Sprache besticht.

Dorst wurde 1925 als Sohn einer Fabrikantentochter und eines Maschinenfabrikbesitzers geboren. 1944 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Nach Kriegsende ging er nach München, wo er Germanistik, Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte studierte.

Seine Karriere als Dramatiker begann Dorst in den Fünfzigerjahren an einer studentischen Marionettenbühne, für die er erste Stücke schrieb. Im Lauf seiner langen Karriere blieb sein Werk schwer einzuordnen; es umfasst sowohl Stücke mit Gegenwartsbezug als auch Künstlerdramen, Parabeln und Stoffe aus der Welt des Mythos und Märchens.

Parabeln und bürgerliche Familiengeschichten

Anlässlich der Verleihung des Georg-Büchner-Preises 1990 sagte Laudator Georg Hensel über Drosts Werk: "In unseren Dezennien hat kein anderer deutscher Stückeschreiber so viele Tonarten, eine solche Orgelbreite: sentimental, treuherzig, tolpatschig, gefühlvoll, humorvoll, ironisch, sarkastisch, zynisch-ordinär, hundsgemein - und immer taghell."

Nachdem Tankred Dorst in den Sechzigerjahren zunächst mit parabelhaften Stücken wie "Gesellschaft im Herbst " und "Freiheit für Clemens" bekannt geworden war, wandte er sich mit "Toller" und nachfolgenden Arbeiten eher Stoffen zu, die die private Biografie und bürgerliche Familiengeschichten im Kontext des geschichtlichen Wandels reflektierten.

Mit dem 97 Szenen langen, achtstündigen Monumentalwerk "Merlin" wiederum, das 1981 am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt wurde, verarbeitete Dorst Teile der Sage vom Zauberer Merlin, in die er die Heldengeschichten von König Artus, Lancelot und Parzival einarbeitete. Die Bilderwelt des Unbewussten, Vorrationalen war auch in den folgenden Jahren das Hauptinteresse des Autors.

Wesentlichen Anteil an seinem Werk hatte seine jahrzehntelange Mitarbeiterin und spätere Ehefrau Ursula Ehler. Nach Vorlagen von Tankred Dorst entstanden auch Filme, unter anderem das Fernsehspiel "Rotmord", das Peter Zadek nach seinem "Toller" inszenierte. Bei dem Spielfilm "Eisenhans" führte Dorst 1983 auch selbst Regie. Des weiteren schrieb der Vielbeschäftigte Theaterstücke für Kinder, Libretti, Prosastücke und Hörspiele.

2006 feierte er mit seiner Neuinszenierung von Wagners "Ring des Nibelungen" in Bayreuth sein spätes Debüt als Opernregisseur. Er war als Ersatz für Lars von Trier eingesprungen, der seine geplante Inszenierung plötzlich abgebrochen hatte.

Tankred Dorst schrieb bis in hohe Alter, ab 2007 feierte jedes Jahr ein neues Stück Uraufführung. "Es ist leichter, zwei Theaterstücke zu schreiben als einen Vortrag", sagte der Künstler einmal über sein Arbeitspensum.

kae /dpa



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