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Chimamanda Ngozi Adichie Tanzen und trauern

aus DER SPIEGEL 30/2021
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Stephane Cardinale - Corbis / Corbis via Getty Images

Die in Nigeria geborene Schriftstellerin und Feministin Chimamanda Ngozi Adichie, 43, war selbst überrascht von ihren Reaktionen auf den Tod ihres Vaters. Die Autorin (»Americanah«) lebt mit Ehemann und Tochter im Wechsel in Maryland, USA, und Lagos, Nigeria. Ihr 88-jähriger Vater, zu dem sie eine sehr innige, liebevolle Beziehung hatte, starb im vergangenen Sommer während des Lockdowns. Es war zunächst unklar, ob sie in ihre Heimat würde reisen können. Ihre Familie gehört der Gruppe der Igbo an, die vor allem im südlichen Nigeria ansässig ist und ganz eigene Traditionen pflegt. Zunächst sei sie ziemlich verärgert gewesen, als die Witwen des Ortes zu ihrer Mutter gegangen seien, um ihr zu sagen, was sie tun und was sie lassen solle, sagte Adichie der »Sunday Times«. »Aber als wir rechtzeitig zur Beerdigung ankamen, begann ich große Dankbarkeit für die Trauerrituale der Igbo zu empfinden.« Bis dahin habe sie es lächerlich gefunden, dass erwartet wird, auf der Beerdigung des eigenen Vaters zu tanzen. »Aber dann fand ich mich tanzend in einer Gruppe wieder, wiegte mich zur Musik und rief: ›Mein Vater ist weg, mein Vater ist ein großer Mann‹ – ich war überrascht, wie schön ich das fand.« Über ihre Trauererfahrung hat sie in ihrem neuesten Buch »Notes on Grief« geschrieben. Da sie über alles schreibe, was ihr widerfahre, sei das für sie die natürliche Reaktion gewesen, sagte sie. Aber das Schreiben sei auch ein Mittel gewesen, mit ihren Gefühlen umzugehen, die sie zunächst befremdet hätten: »Sie entsprachen nicht meiner Vorstellung davon, wie ich hätte trauern sollen.«

Aus: DER SPIEGEL 30/2021
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