Taschenbuch-Bestseller Alter Schwede! Mord!

Henning Mankell schickt Wallander in Rente. Und? Krimifans können sich an Inspektor Barbarotti halten. Den hat sich der Schwede Håkan Nesser ausgedacht. Aktueller Fall: "Eine ganz andere Geschichte", Platz neun der Taschenbuch-Bestsellerliste.


Lehrer haben ja so viel Zeit - stimmt angeblich gar nicht, war aber im Fall von Håkan Nesser wohl doch zutreffend. Der 1950 im schwedischen Kumla geborene Nesser fand neben seiner Arbeit als Gymnasiallehrer für Schwedisch und Englisch noch genügend Zeit, Romane zu schreiben. 1988 veröffentlichte er sein Debüt "Koreografen" ("Der Choreograf"). Die Presse nahm den Liebesroman zwar freundlich auf, ein Bestseller wurde er aber nicht.

Für Nesser keine Katastrophe: "Für mich war dieser Beruf sofort Genuss pur", ist in einem Interview auf Nessers deutscher Internetseite zu lesen. Er schrieb also nach der Schule weiter, und so konnte fünf Jahre nach dem Debüt "Das grobmaschige Netz" erscheinen.

Dass dieses Buch ein Krimi werden würde, ergab sich laut Håkan Nesser erst nach 40 bis 50 Seiten. "Eigentlich hatte ich gar nicht vor, dieses Genre zu bedienen", sagt er rückblickend. Heute ist er neben Henning Mankell der schwedische Krimiautor par excellence und hat 1998 für die Krimis sogar den Lehrerberuf aufgegeben.

Vor allem zwei Reihen sind es, mit denen sich Nesser auf die Nachtschränkchen und Couchtische auch einer treuen deutschen Leserschaft geschrieben hat: die 1993 bis 2003 veröffentlichten Romane um Kommissar Van Veeteren und seit 2006 die Inspektor-Barbarotti-Bücher.

"Eine ganz andere Geschichte" ist der zweite von bislang drei Barbarotti-Romanen. Darin verbringen sechs schwedische Touristen ihren Urlaub in der Bretagne. Sie baden, flirten, machen Ausflüge, am Ende des Urlaubs trennen sich ihre Wege. Fünf Jahre später wird einer nach dem anderen ermordet - und Inspektor Gunnar Barbarotti erhält vor jedem Mord eine Ankündigung per Brief.

Geplant sind noch drei weitere Teile. "Ich denke, dass ich nach Barbarotti mit den Serien aufhöre", sagt Nesser. Das Krimigenre würde er danach gerne hinter sich lassen, festlegen will er sich aber nicht.

Ingo Schiweck, buchreport

Buchtipp

Håkan Nesser:
Eine ganz andere Geschichte
Ein Fall für Inspektor Barbarotti.

Btb; 602 Seiten; 9,95 Euro

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insgesamt 1302 Beiträge
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BerSie, 13.08.2008
1. Gegen den Tag
Ob lesende Hund, sprechende Kugelblitze, oder das Michelson-Morley-Experiment... seltsam ist die Faszination des neuen Pynchon, der mich immer mehr in den Bann zieht! PS Wär ja schön, wenn hier auch Sachbuchbesprechungen toleriert würden!
joachim durrang 13.08.2008
2. bücher
ich lese hauptsächlich meine eigenen texte
kurzundknapp, 13.08.2008
3.
Zitat von joachim durrangich lese hauptsächlich meine eigenen texte
Wow, besser als Goethe, Shakespeare und Benn? Glückwunsch....
BerSie, 13.08.2008
4.
Zitat von kurzundknappWow, besser als Goethe, Shakespeare und Benn? Glückwunsch....
Was der wohl textet, wenn keiner zukuckt?:-)
Muffin Man, 13.08.2008
5.
Unter den Neuerscheinungen sind es in letzter Zeit nur zweie gewesen, die meine Neugier soweit geweckt habe, das Portemonnaie zu zücken: Muriel Barberys "Die Eleganz des Igels (http://www.dtv.de/eleganz_des_igels/index.html)", eine möglicherweise interessante Gegenüberstellung zweier Außenseiterpositionen, ich hab's allerdings wegen eines höheren Stapels älterer Bücher, die ich noch vorher lesen will, kaum angerührt... und Cornelius Medveis "Mr. Thundermug (http://www.chbeck.de/productview.aspx?product=22701)", dessen Story allerdings ziemlich simpel ist - naja, DAS ist's ja auch, was Lesepublikum und Lektoren verlangen...
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