Taschenbuch-Bestseller Der Weltuntergänger

Max Otte, BWL-Professor und Buchautor, prophezeit in "Der Crash kommt" eine neue Weltwirtschaftskrise und erklärt, wie man sich dafür wappnen sollte. Sein nüchterner Wirtschafts-Schocker macht einen Riesensprung auf der Taschenbuch-Bestsellerliste von SPIEGEL ONLINE.


Max Otte ist Professor für allgemeine und internationale Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms. Nach mehr als einem Dutzend Büchern wie "Fitness und Karriere: Der neue Lebensstil für Spitzenkräfte" (1995), "Investieren statt sparen: Wie Sie mit Aktien alle 5 Jahre ihr Vermögen verdoppeln" (2000) und "So bauen Sie Ihr Vermögen auf" (2001) veröffentlichte Otte 2006 das Buch "Der Crash kommt – Die neue Weltwirtschaftskrise und wie Sie sich darauf vorbereiten".

Otte-Bestseller: Panikmache oder guter Rat?

Otte-Bestseller: Panikmache oder guter Rat?

Verarbeitet hat Otte darin Erfahrungen und Beobachtungen, die der an der amerikanischen Elite-Uni Princeton promovierte Hochschullehrer zwei Jahre lang als Assistant Professor für internationale Wirtschaft und internationales Management an der Boston University und zuvor als US-Direktor einer deutschen Beratungsgesellschaft gesammelt hat.

In seinem Buch zählt Otte Anzeichen auf, die auf eine schwere Krise der globalisierten Welt hindeuten und den Zusammenbruch des Welthandels mit sich bringen können:

- Die Verlagerung der Wirtschaftsmacht in den asiatischen Raum.

- Die horrende öffentliche und private Verschuldung in der westlichen Welt, vor allem in den USA.

- Der Verfall des Dollars.

Für die Bürger der westlichen Welt habe ein ökonomisches Erdbeben dramatische Folgen, meint Otte: Spareinlagen und Lebensversicherungen würden radikal entwertet, die Inflation steige in zweistelligen Raten, die Energie- und Heizungskosten explodierten und die Wohnungsmieten stiegen auf bis zu 30 Euro pro Quadratmeter. Viele Menschen, weist Otte nach, würden ihren Job verlieren.

Als Termin für einen Zusammenbruch der Weltwirtschaft hat Otte spätestens das Jahr 2010 im Blick. Nachdem die Finanzmärkte die Subprime-Krise in den USA noch relativ glimpflich überstanden haben – mit immer billigerem Geld wurde die Konsumwirtschaft immer weiter angekurbelt –, dürfte eine zweite schwere Krise, beispielsweise der Zusammenbruch des chinesischen Bankensystems, einen folgenschweren Crash auslösen.

Schützen könnten sich die Bürger laut Otte, der neben seiner Professur als Direktor des gemeinnützigen Zentrums für Value-Investing, geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Vermögensentwicklung und Präsident des Verwaltungsrats der Privatinvestor Verwaltungs AG tätig ist, indem sie in Aktien und Immobilien mit hoher Qualität investieren. Vor allem Investitionen in Gold dürften sich als ökonomische Überlebensstrategie auszahlen.

Otte-Kritiker meinen, dass der Finanzexperte mit seinem Büchlein genüsslich auf der Weltuntergangswelle reite, aber eigentlich auch nicht wisse, wohin die Weltwirtschaft driftet. Seine Panikmache auf dem angeschlagenen Dampfer Weltwirtschaft, dessen bevorstehendes Absaufen die Menschen zwinge, sich "eine finanzielle Schwimmweste oder besser ein Rettungsboot" (Otte) zu verschaffen, lese sich zwar gut, bringe aber letztlich nichts Neues. "Insgesamt also viel Geld für ein so dünnes Buch, nur damit wir lesen können, dass der Verfasser in Princeton mal im Hörsaal bei Fed-Chef Ben Bernanke gesessen hat", meint eine Kommentatorin. Auf der Taschenbuch-Bestsellerliste machte Ottes Wirtschafts-Schocker trotzdem einen Riesensprung in dieser Woche - vom 81. auf den 15. Rang.

Helge Rehbein, buchreport


Max Otte: "Der Crash kommt" (Ullstein, 8,95 Euro)



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