Taschenbuch-Bestseller Die Lust am schwedischen Sündenpfuhl

Postumer Bestsellerruhm: Sechs Jahre nach seinem Tod dominiert der schwedische Autor Stieg Larsson noch immer das Jahresranking der Taschenbuchromane. Seine "Millenium"-Trilogie ist nicht nur als Paperback erfolgreich, auch als E-Books verkaufen sich die Krimis prächtig.


Mit drei Titeln an der Spitze der Jahresbestsellerliste zu stehen, das dürfte bisher keinem anderen Autor gelungen sein. Stieg Larsson freilich kann sich über die üppigen Lorbeeren nicht mehr freuen: Im Alter von nur 50 Jahren starb er 2004 an einem Herzinfarkt, kurz nachdem der erste Band seiner auf zehn Teile angelegten Krimi-Serie veröffentlicht wurde.

Allein in Deutschland hat sich die "Millennium"-Trilogie - benannt nach dem Verlag, in dem die Hauptfigur Michael Blomkvist arbeitet - rund sieben Millionen Mal verkauft. Auch digital ist das Vermächtnis des Schweden eine Goldgrube: Larsson ist der erste Autor, von dem der Online-Versandhändler Amazon mehr als eine Million E-Books verkauft hat. Die düsteren, gesellschaftskritischen Romane um den Journalisten Blomkvist und die junge Ermittlerin Lisbeth Salander sind hierzulande unter den wuchtigen Titeln "Verblendung", "Vergebung" und "Verdammnis" erschienen; im Original heißen die Bücher "Männer, die Frauen hassen", "Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte" und "Das Luftschloss, das gesprengt wurde". Sie zeigen das Musterland Schweden als Sündenpfuhl, in dem Korruption und Machtmissbrauch an der Tagesordnung sind.

Geschrieben habe er die Texte nur zur Entspannung, sagte Larsson, der hauptberuflich für die "Tidningarnas Telegrambyrå" - eine der größten skandinavischen Nachrichtenagenturen - arbeitete und sich als Journalist und Gründer der EXPO-Stiftung zur Erforschung und Beobachtung rassistischer und totalitärer Aktivitäten gegen rechtsradikale Strömungen einsetzte. Zur bewegten Vergangenheit des Autors gehört auch die jüngst bekannt gewordene Aktivität als Guerilla-Trainer: Im Jahr 1977 führte ihn sein politisches Engagement ins ostafrikanische Eritrea, wo gerade der Unabhängigkeitskrieg gegen das äthiopische Derg-Regime tobte. Larsson unterwies die Kämpfer der Eritreischen Volksbefreiungsfront - davon 30 Prozent Frauen - im Umgang mit Granatwerfern.

Nicole Stöcker, buchreport



insgesamt 1302 Beiträge
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BerSie, 13.08.2008
1. Gegen den Tag
Ob lesende Hund, sprechende Kugelblitze, oder das Michelson-Morley-Experiment... seltsam ist die Faszination des neuen Pynchon, der mich immer mehr in den Bann zieht! PS Wär ja schön, wenn hier auch Sachbuchbesprechungen toleriert würden!
joachim durrang 13.08.2008
2. bücher
ich lese hauptsächlich meine eigenen texte
kurzundknapp, 13.08.2008
3.
Zitat von joachim durrangich lese hauptsächlich meine eigenen texte
Wow, besser als Goethe, Shakespeare und Benn? Glückwunsch....
BerSie, 13.08.2008
4.
Zitat von kurzundknappWow, besser als Goethe, Shakespeare und Benn? Glückwunsch....
Was der wohl textet, wenn keiner zukuckt?:-)
Muffin Man, 13.08.2008
5.
Unter den Neuerscheinungen sind es in letzter Zeit nur zweie gewesen, die meine Neugier soweit geweckt habe, das Portemonnaie zu zücken: Muriel Barberys "Die Eleganz des Igels (http://www.dtv.de/eleganz_des_igels/index.html)", eine möglicherweise interessante Gegenüberstellung zweier Außenseiterpositionen, ich hab's allerdings wegen eines höheren Stapels älterer Bücher, die ich noch vorher lesen will, kaum angerührt... und Cornelius Medveis "Mr. Thundermug (http://www.chbeck.de/productview.aspx?product=22701)", dessen Story allerdings ziemlich simpel ist - naja, DAS ist's ja auch, was Lesepublikum und Lektoren verlangen...
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