Taschenbuch-Bestseller Geht ordentlich auf wie eine Gleichung

Mit seinem Roman "Die Einsamkeit der Primzahlen" landete Paolo Giordano mit 26 Jahren in seiner Heimat Italien einen Überraschungserfolg. Längst ist das einfühlsame Doppelporträt auch bei uns ein Hit - in dieser Woche auf Platz 24 der SPIEGEL-ONLINE-Taschenbuch-Bestsellerliste.


Nur Mathematikbegeisterte können wohl darauf kommen, Menschen mit Zahlen zu vergleichen. Eine sehr schöne Metapher hat der Turiner Autor Paolo Giordano als Titel für sein erstes Buch gefunden: "Die Einsamkeit der Primzahlen" handelt von zwei Menschen, die trotz ihrer Seelenverwandtschaft keine wirkliche Nähe zueinander finden.

Giordano hat mit dem Text, den er während seines Physikstudiums schrieb, einen Bilderbucherfolg gelandet: 2008 gewann er den renommierten italienischen Literaturpreis Premio Strega - mit 26 Jahren als jüngster Preisträger seit Bestehen der Auszeichnung. Der Roman avancierte in Italien zum meistverkauften Titel des Jahres und wurde in 26 Länder verkauft. Vor einigen Monaten hatte die Verfilmung mit Isabella Rossellini auf dem Internationalen Filmfestival von Venedig Premiere.

Momentan arbeitet der Sohn eines Arztes und einer Lehrerin an seiner Promotion zum Thema Teilchenphysik. Schreiben und Forschen sind für den frisch gebackenen Bestsellerautor durchaus vergleichbare Prozesse, wie er in einem KulturSPIEGEL-Interview ausführte: "Ich möchte Ordnung ins Chaos bringen. Das Lösen einer mathematischen Gleichung befriedigt mein Bedürfnis nach Ordnung und Sauberkeit. Beim Schreiben ist das ähnlich."

Im Roman flüchtet sich Mattia in eine Zahlenwelt, um der Wirklichkeit zu entfliehen. Sein weibliches Pendant Alice schafft sich mit Fotos ein Abbild ihrer Weltsicht. Giordano verfolgt abwechselnd den Lebensweg der beiden, von der Schulzeit bis zum Erwachsenendasein. Als sie einander auf dem Höhepunkt der Handlung begegnen, scheint die Anziehungskraft zwischen ihnen unwiderstehlich, jeder erkennt im anderen die eigene Einsamkeit. Doch zwischen Primzahlen - die sich nicht durch eine andere Zahl als die eins und sich selbst teilen lassen - kann es keine Nähe geben.

Nicole Stöcker, buchreport



insgesamt 1302 Beiträge
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BerSie, 13.08.2008
1. Gegen den Tag
Ob lesende Hund, sprechende Kugelblitze, oder das Michelson-Morley-Experiment... seltsam ist die Faszination des neuen Pynchon, der mich immer mehr in den Bann zieht! PS Wär ja schön, wenn hier auch Sachbuchbesprechungen toleriert würden!
joachim durrang 13.08.2008
2. bücher
ich lese hauptsächlich meine eigenen texte
kurzundknapp, 13.08.2008
3.
Zitat von joachim durrangich lese hauptsächlich meine eigenen texte
Wow, besser als Goethe, Shakespeare und Benn? Glückwunsch....
BerSie, 13.08.2008
4.
Zitat von kurzundknappWow, besser als Goethe, Shakespeare und Benn? Glückwunsch....
Was der wohl textet, wenn keiner zukuckt?:-)
Muffin Man, 13.08.2008
5.
Unter den Neuerscheinungen sind es in letzter Zeit nur zweie gewesen, die meine Neugier soweit geweckt habe, das Portemonnaie zu zücken: Muriel Barberys "Die Eleganz des Igels (http://www.dtv.de/eleganz_des_igels/index.html)", eine möglicherweise interessante Gegenüberstellung zweier Außenseiterpositionen, ich hab's allerdings wegen eines höheren Stapels älterer Bücher, die ich noch vorher lesen will, kaum angerührt... und Cornelius Medveis "Mr. Thundermug (http://www.chbeck.de/productview.aspx?product=22701)", dessen Story allerdings ziemlich simpel ist - naja, DAS ist's ja auch, was Lesepublikum und Lektoren verlangen...
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