Taschenbuch-Bestseller In bester schlechter Gesellschaft

Krimis sind viel mehr als nur Kolportage: Sie spiegeln die sozialen und politischen Brüche unser Zeit. Bestes Beispiel: Der postum erschienene Thriller "Verblendung" des Schweden Stieg Larsson - eine exzellente Mischung aus Suspense und Gesellschaftskritik.


Krimileser kennen ihn als raffinierten Plot-Konstrukteur und Spannungsprofi, für seine Landsleute aber ist Stieg Larsson auch ein renommierter Kritiker und Reporter. Es ist nicht das erste Mal, dass die Suspense-Literatur vom journalistischen Know-how ihrer Autoren profitiert, man denke an Frederick Forsyth oder Robert Littell.

Roman "Verblendung": Ein Fall für Krimi-Fans

Roman "Verblendung": Ein Fall für Krimi-Fans

Larssons Krimi-Karriere begann eigentlich erst postum: Nach seinem Tod fand man in einer Schublade zwei Manuskripte einer Krimi-Trilogie, deren erster Band "Verblendung" es aktuell unter die Top 20 geschafft hat. Eine Frau verschwindet, jahrzehntelang bleibt ihr Schicksal ungeklärt. Dann rollen der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander den Fall wieder auf.

Als journalistischer Autor debütierte Larsson schon sehr viel früher, neben seiner Tätigkeit als Grafiker für "Tidningarnas Telegrambyrå", der größten skandinavischen Nachrichtenagentur, schrieb er bereits in den achtziger Jahren Krimi-Rezensionen, verfasste Hintergrundberichte zu Themen aus Politik und Gesellschaft.

Besonders den schwedischen Rechtsradikalismus hatte der engagierte Schreiber im Visier. Nach seiner Militärdienstzeit war er kreuz und quer durch Afrika gereist und Augenzeuge des blutigen Bürgerkriegs in Eritrea geworden. Ein so reiches Land wie Schweden dürfe Rechtsextremen keine Chance geben, müsse im Gegenteil helfen, die Not von Vertriebenen zu lindern, forderte er von der Politik.

1990 veröffentlichte er zusammen mit einer Co-Autorin ein Buch über den schwedischen Rechtsextremismus. 1995, als fünf Schweden von Rechtsradikalen ermordet wurden, gründete er eine Stiftung, die eine antirassistische Vierteljahreszeitschrift herausbringt.

Mit der Arbeit an seinen drei Krimis wollte er sich von gesellschaftlichen Problemen ablenken und sich zugleich auf intelligente Weise mit ihnen auseinandersetzen. Wenige Monate vor seinem Tod konnte Larsson noch die Veröffentlichung seines Krimis "Verblendung" erleben. 2005 wurde der Titel vom schwedischen Buchhandel zum besten Buch des Jahres gewählt.

Helge Rehbein, Buchreport


Stieg Larsson: "Verblendung" (Heyne, 9,95 Euro)



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