Taschenbuch-Bestseller Kippen statt Karotten

Bekannt geworden ist Andreas Franz durch seinen Krimi "Jung, blond, tot", nachdem er zehn Jahre lang erfolglos Manuskripte an Verlage geschickt hatte. Sein Buch "Das Todeskreuz" ist in dieser Woche neu auf Rang acht bei "SPIEGEL ONLINE" eingestiegen.


Franz stammt aus dem Harzstädtchen Quedlinburg. Als Kind wurde er fast täglich mit der Gewalttätigkeit des Vaters konfrontiert. "Aus Furcht, eines Tages meine Mutter tot aufzufinden, wenn ich von der Schule nach Hause kam, litt ich seit meiner frühesten Kindheit unter schwersten Angstzuständen und Panikattacken", erinnert sich der Autor. In seinen Krimis – inzwischen gut ein Dutzend – spielt Gewalt deshalb eine dominante Rolle. Franz schildert das Leid der Opfer, das der Angehörigen, die oft vorhandene Ohnmacht der Polizei, aber auch die Ohnmacht der Täter, die häufig in einem psychischen und emotionalen Gefängnis leben, aus dem sie nicht herauskommen.

Franz-Krimi "Das Todeskreuz": "Die Zeit der lauschigen Häkelkrimis ist vorbei"

Franz-Krimi "Das Todeskreuz": "Die Zeit der lauschigen Häkelkrimis ist vorbei"

Auch im "Todeskreuz"-Krimi wird eine Staatsanwältin grausam verstümmelt in ihrem Haus aufgefunden. In ihrem Mund entdeckt Ermittlerin Julia Durant einen Zettel mit den Worten: "Confiteor – Mea Culpa". Handelt es sich um einen Ritualmord? Oder war Rache das Motiv für die brutale Tat? Denn die Staatsanwältin war nicht immer so untadelig, für die alle sie gehalten haben: In mindestens drei Fällen hat sie das Recht gebeugt. Dann geschieht in der Nähe von Offenbach ein Mord, der dieselbe Täterhandschrift aufweist, und diesmal ist ein Richter das Opfer. Peter Brandt, der zuständige Kommissar, setzt sich mit Julia Durant in Verbindung – und muss wider Willen mit der Frankfurter Kommissarin zusammenarbeiten.

Wegen der expliziten Schilderung von Gewaltszenen wird Franz, der nach seinem Schulabschluss Drummer in verschiedenen Bands war, zuweilen angegriffen, er gibt dafür aber handfeste Gründe an: "Die Zeit der lauschigen Häkelkrimis à la Agatha Christie gehören der Vergangenheit an, da sie nur sehr wenig mit der Realität und schon gar nichts mit der bisweilen enervierenden Polizeiarbeit zu tun haben. Was immer ich auch beschreibe, die Wirklichkeit sieht allemal härter und düsterer aus, als meine Fantasie es zulässt."

Kaputte Polizisten, qualmende Kommissarinnen

Auch seine Kommissarin Durant, die wie ein Schlot qualmt und regelmäßig Bier trinkt, entspricht nicht gängigen Klischees. Der Autor weiß, dass es nicht wenige Polizisten gibt, die an ihrem Beruf kaputtgehen. Hauptkommissare, die sich für seine Romane interessieren, geben ihm immer wieder Einblicke in die Praxis. "Wie sollte Durant denn sonst sein?", fragt Franz daher, wenn man ihn auf seine Kommissarin anspricht. "Vegetarierin, die den ganzen Tag nur Möhren knabbert, literweise Mineralwasser schlürft, dreimal in der Woche ins Fitnessstudio rennt und mit sich und der Welt im Reinen ist? Julia Durant ist mir persönlich sympathischer als so manche der in Romanen beschriebenen oder im Fernsehen gezeigten geschniegelten Typen, die allein in riesigen Wohnungen leben, die sich ein normaler Polizist nie leisten könnte."

Franz ist verheiratet und fünffacher Vater, er wohnt in der Nähe von Frankfurt am Main, der Stadt, in der seine Krimis spielen. Ein besonderes Faible hat der Autor für die Bücher von Hemingway und Faulkner. Zu seinen Lieblingsbüchern zählt er vor allem "Das Parfüm" von Patrick Süskind. "Wenn Günter Grass den Nobelpreis bekommt", so Franz, "dann hätte ihn Süskind allemal verdient."

Helge Rehbein, Buchreport


Andreas Franz: "Das Todeskreuz". Knaur, 8,95 Euro



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