Taschenbuch-Bestseller Schmalz mit Blut

Rote Rosen, rotes Blut: Die US-Autorin Nora Roberts feiert mit Thrillern Erfolge, die Romantik und Crime verbinden. Ab und an darf's auch ein bisschen Übersinnliches sein - wie in ihrem Roman "Abendstern", mit dem die Vielschreiberin im Bestseller-Ranking auf Platz 15 vorgerückt ist.


Ein sieben Jahre alter Fluch, drei Freunde, eine große Liebe: Die Zutaten zu Nora Roberts' jüngstem auf Deutsch erschienenen Roman sind überschaubar. Nach einem schon öfter von ihr erprobten Rezept hat die 1950 im US-Bundesstaat Maryland geborene Autorin eine romantische Liebesgeschichte mit einem spannenden übersinnlichen Hintergrund verquickt.

Cover von "Abendstern": Ein bisserl Liebe, ein bisserl Mystery

Cover von "Abendstern": Ein bisserl Liebe, ein bisserl Mystery

Drei Freunde unterziehen sich als Zehnjährige einer Mutprobe an einem mythischen Ort in Maryland. Sieben Jahre darauf geschehen unerklärliche Dinge, die nach weiteren sieben Jahren wieder für Entsetzen sorgen. Caleb, einer der drei, beschließt, dem Alptraum Einhalt zu gebieten. Doch er braucht Hilfe: Seine zwei Freunde und die Kraft der Frau, die er liebt.

Nora Roberts fand 1979 zum Schreiben. In einem Schneesturm war sie lange von der Außenwelt abgeschnitten, ihre beiden Kleinkinder quengelten und die Schokoladenvorräte im Haus gingen zur Neige. Als Hausfrau hatte sie bei der Gartenarbeit, beim Waschen der Windeln und beim Einwecken von Obst Geschichten erfunden; die am weitesten ausgereifte schrieb sie während des Sturms nieder.

Nach ein paar Anläufen klappte es dann mit einem Verlag: "Rote Rosen für Delia", ihre erste Liebesromanze (inzwischen sind es mehr als hundert Romane), erschien 1981.

Seit einigen Jahren produziert sie unter dem Pseudonym J.D. Robb auch Science-Fiction-Krimis mit romantischem Einschlag. Ihr Literaturagent und auch ihre Verleger drängten sie zu dem Schritt, um ihre außergewöhnliche Produktivität zu kanalisieren.

"Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich mich überzeugen ließ", erinnert sich Roberts an ihre anfänglichen Hemmungen, ihren eigentlichen Namen zu verbergen. "Mein Agent", erzählt sie, "erklärte es dann so: Es gibt Pepsi, es gibt Pepsi light und koffeinfreie Pepsi. Da ging mir ein Licht auf."

Die Gesamtauflage von Roberts’ Pepsi-Literatur beläuft sich heute auf mehr als 50 Millionen Exemplare, sie wurden in 30 Sprachen übersetzt.

Täglich acht Stunden schreibt Roberts, ihre streng einzuhaltenden Termine für die Endabgabe ihrer Manuskripte setzt sie sich selbst: "Ich bin in dieser Hinsicht taffer als die Verleger", bekennt die Autorin, denn sie muss Lesereisen, Verlagsbesuche in Übersee, Konferenzen, Sonderprojekte und ihr Privatleben so koordinieren, dass ihr möglichst viel Zeit zum Schreiben bleibt.

Ihr Mann Bruce kümmert sich angesichts des geregelten Schreibpensums und des übervollen Terminplans seiner Frau häufig ganz allein um den Haushalt. Kennen gelernt haben sich die beiden, als Roberts ihre ersten Bucherfolge feierte.

Im Gegensatz zur zögerlichen Wahl ihres Pseudonyms fackelte sie nicht lange: Sie hatte einen Tischler bestellt, der ihr für das Schlafzimmer eine paar Regale zimmern sollte. Und als sei es eine ihrer Liebesschnulzen, machte sie den Kerl mit den Oberarmen eines Vorarbeiters kurzerhand dingfest.


Nora Roberts: "Abendstern", Blanvalet, 8,95 Euro



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.