Taschenbuch-Bestseller Sentimentaler Anflug im Buckingham Palace

Lebensbilanz in Gesprächsform: Das letzte Buch der Loki Schmidt schafft den Einstieg in die Top 20 der SPIEGEL-ONLINE-Bestsellerliste: "Auf dem roten Teppich - und fest auf der Erde" steigt auf Rang 18 ein.


Als ihr Mann Helmut noch Verteidigungsminister war, ließ Hannelore "Loki" Schmidt die Musiker des Stabsmusikkorps der Bundeswehr zum Adventskaffeekränzchen eine Bach-Suite spielen. Die Musik sei "richtig schön" gewesen, die Musiker "glücklich und begeistert", mal etwas anderes als Militärmusik spielen zu dürfen.

In dieser Anekdote, enthalten im Band "Auf dem roten Teppich - und fest auf der Erde", der kurz vor ihrem Tod 2010 aus Gesprächen mit dem Journalisten Dieter Buhl entstanden ist, kommen zwei wesentliche Eigenschaften der gebürtigen Hamburgerin zum Ausdruck. Da ist zum einen die soziale Ader der späteren Kanzlergattin, die darüber nachdenkt, wie die Soldaten bei der Musik empfinden, die nicht zu ihrer alltäglichen Pflicht gehört. Zudem bemerkt man das kulturelle Interesse, das breit gefächert war und von Bach über die deutschen Expressionisten bis zur großen Kleinkunst eines Loriot reichte.

Die aus einfachen Verhältnissen stammende Loki und der Lehrersohn Helmut lernten sich auf der reformpädagogischen Lichtwarkschule kennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Lehrerin und Naturschützerin an der Seite des Mannes, der von 1974 bis 1982 Bundeskanzler war, was Frau Schmidt zur "Frau Deutschland" mit allen Pflichten machte.

Selten bekam Loki bei ihren offiziellen Auftritten einen - wie sie es nennt - "sentimentalen Anflug". Als die britische Königin sie und Helmut durch den Buckingham Palace zu ihren Empfangsräumen begleitete, war es aber so weit: "Da habe ich durchaus gedacht, schade, dass deine Eltern dich hier nicht langmarschieren sehen."

"Auf dem roten Teppich - und fest auf der Erde" ist eine Lebensbilanz, an deren Ende Loki Schmidt mit großer Dankbarkeit feststellen kann: "Es ist weitaus mehr gewesen, als ich mir je vorgestellt habe."

Nicole Stöcker, buchreport

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insgesamt 1302 Beiträge
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Seite 1
BerSie, 13.08.2008
1. Gegen den Tag
Ob lesende Hund, sprechende Kugelblitze, oder das Michelson-Morley-Experiment... seltsam ist die Faszination des neuen Pynchon, der mich immer mehr in den Bann zieht! PS Wär ja schön, wenn hier auch Sachbuchbesprechungen toleriert würden!
joachim durrang 13.08.2008
2. bücher
ich lese hauptsächlich meine eigenen texte
kurzundknapp, 13.08.2008
3.
Zitat von joachim durrangich lese hauptsächlich meine eigenen texte
Wow, besser als Goethe, Shakespeare und Benn? Glückwunsch....
BerSie, 13.08.2008
4.
Zitat von kurzundknappWow, besser als Goethe, Shakespeare und Benn? Glückwunsch....
Was der wohl textet, wenn keiner zukuckt?:-)
Muffin Man, 13.08.2008
5.
Unter den Neuerscheinungen sind es in letzter Zeit nur zweie gewesen, die meine Neugier soweit geweckt habe, das Portemonnaie zu zücken: Muriel Barberys "Die Eleganz des Igels (http://www.dtv.de/eleganz_des_igels/index.html)", eine möglicherweise interessante Gegenüberstellung zweier Außenseiterpositionen, ich hab's allerdings wegen eines höheren Stapels älterer Bücher, die ich noch vorher lesen will, kaum angerührt... und Cornelius Medveis "Mr. Thundermug (http://www.chbeck.de/productview.aspx?product=22701)", dessen Story allerdings ziemlich simpel ist - naja, DAS ist's ja auch, was Lesepublikum und Lektoren verlangen...
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