Taschenbuch-Bestseller Vergraben, aber nicht vergessen

Frank Schätzing ist Werbefachmann und Starautor. Neben seinem Dauerseller "Der Schwarm" hat der Kölner seit dieser Woche einen weiteren Titel auf der Taschenbuch-Liste bei SPIEGEL ONLINE: Der Krimi "Die dunkle Seite" ist höchster Neueinsteiger auf Platz 3.


Ein scheinbar harmloser Kölner Geschäftsmann fällt einem grausamen Verbrechen zum Opfer. Die Tat eines Verrückten? Detektivin Vera Gemini wird wider Willen in den Fall hineingezogen und erkennt schon bald die perfide Logik hinter der angeblichen Wahnsinnstat. Die Spur führt zurück ins Jahr 1991, in die letzten Tage des Golfkriegs und zu einem Geheimnis in der kuwaitischen Wüste –vergraben, aber nicht vergessen.

Schätzing-Werk "Die dunkle Seite": Vom Werbefachmann zum Starautor

Schätzing-Werk "Die dunkle Seite": Vom Werbefachmann zum Starautor

Schon als Kind wollte Schätzing, das hat er selbst gesagt, berühmt werden und "etwas bewegen". Seine Entscheidung, nach einem Studium der Kommunikationswissenschaft in die Werbebranche zu gehen und als Kreativ-Direktor Trends nachzuspüren, war ein Schritt in diese Richtung. Doch nach zehn Jahren, Mitte der Neunziger, hatte Schätzing keine Lust mehr darauf, sich kurz zu fassen und die Werbe-Botschaften anderer zu vermitteln – er sattelte um und schrieb in kurzer Folge die Krimis "Mordshunger" und "Tod und Teufel".

Der Achtungserfolg der beiden Titel verleitete ihn zum Schreiben weiterer Bücher, darunter "Die dunkle Seite" (1997), bis er den Sprung vom Krimiautor zum Verfasser des 1000 Seiten starken Bestsellers mit dem recht unspektakulären Titel "Der Schwarm" schaffte. Schätzing bewies mit dem Katastrophenthriller ein gutes Gespür für die Bedürfnisse der Leser; die Buchhändler lagen ihm vor Dankbarkeit förmlich zu Füßen. Nach Erscheinen surfte die Hardcover-Ausgabe des Titels fast 100 Wochen lang auf den höchsten Wellenkämmen der Belletristik-Bestsellerliste, das Taschenbuch ist seit 70 Wochen dabei.

Die Auflagen des Ökothrillers, der von rebellischen Meeresorganismen erzählt, die sich gegen die Menschheit erheben, erreichten bislang 950.000 Exemplare im Hardcover und mehr als 1,5 Millionen im Taschenbuch. Schätzing wurde von der Welle des Erfolgs an Gestade gespült, an denen sich sonst nur internationale Schwergewichte sonnen. Zuletzt ist er im Februar 2006 wieder aufgetaucht, mit seinem ersten Sachbuch: "Nachrichten aus einem unbekannten Universum". Ein neues Buch ist für den Spätsommer dieses Jahres angekündigt.

Privat liest Schätzing am liebsten Sachliteratur, gut geschriebene Thriller, aber kaum noch Science Fiction. Donald Duck zählt für ihn nach wie vor zur Hochliteratur. Für seine Recherchen schätzt er das Internet, noch mehr aber profunde Gespräche mit Wissenschaftlern, die er aus dem weltumspannenden Datenstrom herausfiltert: "Man kann mit ihnen zu Abend essen und sich mit ihnen beim guten Wein austauschen, und gutes Essen und Trinken liebe ich nun mal über alles."

Sabine Müchler, Buchreport


Frank Schätzing: "Die dunkle Seite", Goldmann, 9,95 Euro.



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