Taschenbuch-Bestseller Württemberger Töchter

Nach ihrer Freiburger Hexen- und Gauklertrilogie hat Astrid Fritz einen weiteren historischen Roman geschrieben: "Das Mädchen und die Herzogin". Das Drama um zwei Frauen und einen gewalttätigen Blaublüter ist höchster Neueinsteiger in der Taschenbuch-Bestsellerliste bei SPIEGEL ONLINE.


Anfangs sah es aber gar nicht danach aus, als würde die gebürtige Pforzheimerin Astrid Fritz historische Romane schreiben – beruflich schien sie eher dem Hier und Jetzt verhaftet. Als Schulungsreferentin und technische Redakteurin brachte sie den Kunden eines Freiburger Unternehmens Softwareprodukte näher. Heute spielen ihre erfolgreichen Bücher im Württemberg der frühen Neuzeit.

Fritz-Roman: Geschichten aus der frühen Neuzeit

Fritz-Roman: Geschichten aus der frühen Neuzeit

Die Wende kam Ende der achtziger Jahre, ausgelöst durch eine Phase der Arbeitslosigkeit. Gemeinsam mit ihrem Studienfreund Bernhard Thill schrieb Astrid Fritz den historischen Reiseführer "Unbekanntes Freiburg" (erschienen 1992). Bei der Recherche stieß sie auf die Geschichte der Catharina Stadellmenin, die 1599 mit einigen anderen Frauen in Freiburg als vermeintliche Hexe enthauptet und außerhalb der Stadt verbrannt worden war.

Als Fritz von 1994 bis 1997 mit ihrer Familie in Santiago de Chile lebte, wo sie als Redakteurin bei der deutsch-chilenischen Zeitung "Der Condor" tätig war, begann sie mit der Arbeit an einem Romanmanuskript. Erst sechs Jahre nach ihrer Rückkehr nach Deutschland erschien das Resultat bei Rowohlt: "Die Hexe von Freiburg". Das Buch über Leben und Sterben der als selbstbewusste Frau dargestellten Catharina Stadellmenin, die gegen die Abhängigkeit von Männern kämpft, fand besonders in Baden-Württemberg starke Beachtung.

Zwei Jahre später ließ Fritz Catherina Stadellmenins Tochter Marthe-Marie auf die Suche nach ihren Wurzeln gehen und sich einer Truppe von Gauklern und Spielleuten anschließen. "Die Tochter der Hexe" schaffte es bis auf Platz 11 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Noch im selben Jahr, 2005, kam der Band der Trilogie, "Die Gauklerin" heraus, in dem es eine Spülmagd bis zur Zofe der württembergischen Prinzessin bringt.

In "Das Mädchen und die Herzogin" ist nun erneut der württembergische Hof Schauplatz der Handlung. Den historischen Hintergrund bilden die Bauernaufstände des "Armen Konrad" zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Die bayerische Fürstentochter Sabina wird als kleines Mädchen gegen ihren Willen dem Herzog von Württemberg versprochen. Herzog Ulrich ist berüchtigt für seine gewalttätigen Launen und seine Eifersucht. Als er nach der Heirat in blinder Wut seinen engsten Freund ermordet, schwebt auch Sabina in höchster Gefahr. Sie muss ohne ihre Kinder fliehen. Herzog Ulrich nimmt sich derweil gewaltsam das Bauernmädchen Marie zur Geliebten. Auch dieser württembergischen Tochter droht der Herzog zum Verhängnis zu werden.

In den kommenden Monaten wird Astrid Fritz ihr neues Buch auf Lesungen in Baden-Württemberg präsentieren, am 20. April auch in ihrem Wohnort Waiblingen. Bei dieser Gelegenheit wird sie wohl auch von ihrem für Juli angekündigten Roman, "Der Ruf des Kondors", berichten können, der erstmals in der Moderne und ausnahmsweise nicht in Württemberg angesiedelt ist: Ein deutscher Auswanderer sucht Mitte des 19. Jahrhunderts nach seinem verschwundenen Bruder – nicht zufällig in Chile, das der Autorin fast so vertraut ist wie ihre Heimat. Das Buch entstand bereits, als Fritz in Chile weilte, wird aber erst jetzt, nach der Kette ihrer Erfolge, von Rowohlt ins Programm genommen.

Ingo Schiweck, buchreport


Astrid Fritz: "Das Mädchen und die Herzogin", Rowohlt Verlag, 480 Seiten 8,90 Euro



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