Taschenbuch-Bestsellerliste Bücher für die bessere Hälfte

Der Weg zum anderen Geschlecht ist lang, der zur Bestsellerliste kurz - zumindest, wenn es sich um Romane von Ildikó von Kürthy handelt. Ihr jüngstes Buch "Höhenrausch" macht seinem Titel alle Ehre: In dieser Woche schaffte der Frauenroman den steilen Aufstieg auf Platz 5.


Nach dem Besuch der Hamburger Henri-Nannen-Journalistenschule schrieb die aus einem alten ungarischen Adelsgeschlecht stammende von Kürthy witzig-spritzige Beiträge, zuerst für die "Brigitte" und dann für den "Stern". Die damalige Wunderlich-Programmleiterin Britta Hansen war begeistert von ihren Kolumnen und schlug ihr vor, sich doch auch einmal an einem Roman zu versuchen. Jungjournalistin von Kürthy lehnte zuerst mit dem Hinweis ab, dass sie sich ein literarisches Werk gar nicht zutraue. Doch dann legte sie spontan los und schrieb 1999 innerhalb von drei Monaten "Mondscheintarif", ein Bestsellerdebüt, das prompt verfilmt wurde.

von Kürthy-Roman: "Es purzelt einfach aus mir heraus"

von Kürthy-Roman: "Es purzelt einfach aus mir heraus"

Es folgten "Herzsprung" und "Freizeichen", die jeweils auf Platz 1 der Bestsellerliste landeten. Im Zentrum stehen immer junge Frauen, die auf dem teils langen Weg zum anderen Geschlecht häufig genug durch zahlreiche Fettnäpfchen schlittern – ihre Erfahrungen aber mit viel Selbstironie zum Besten geben. Deutschlands frische Antwort auf die Weltbestsellerautorin Helen Fielding ("Bridget Jones") wird von Kürthy seither genannt. Sie selbst wiegelt ab: "Es purzelt einfach aus mir heraus, es macht mir Freude."

Nach "Blaue Wunder" erschien "Höhenrausch": Linda Schneider, Übersetzerin und 35 Jahre alt, lebt frisch verlassen in Berlin und begibt sich auf die Suche nach einem neuen Mann. Doch die Männer in Berlins Mitte, muss sie feststellen, sind recht unreif: Nicht wissend, was sie beruflich machen sollen, interessieren sie sich dafür, welche Turnschuhe gerade in sind, oder überlegen mit Mitte 40, ob sie noch einmal ins Ausland gehen sollten. Doch dann beginnt Linda eine heiße Affäre – ausgerechnet mit einem verheirateten Mann.

Lebensfreude und augenzwinkernder Humor kommen bei Frauen gut an, beschreibt von Kürthy ihr Erfolgsrezept, mit dem sie insgesamt rund vier Millionen Bücher verkauft hat, die in mehr als einem Dutzend Sprachen erschienen sind. "Frauen erkennen sich selbst wieder und sind froh, dass sie nicht allein so irre sind. Männer erkennen ihre Frauen wieder und sind froh, dass sie nicht als einziger so ‘ne Irre erwischt haben."

"Jungs haben es echt schwer"

Obwohl von Kürthy ausschließlich über Frauen schreibt und zum Beispiel ganz genau weiß, wie sehr die Zeit vor dem Klingeln des Telefons erschöpfen kann, das zum perfidesten Folterinstrument verliebter Frauen avanciert ist, lässt sie die Situation der Männer in der heutigen Zeit nicht kalt. Früher sei der Mann der Ernährer gewesen, konstatiert sie, heute müssten Männer viel mehr können: "Sie müssen einfühlsam sein, sie dürfen vielleicht auch mal weinen, aber müssen trotzdem immer männlich dabei bleiben. Jungs, die heute heranwachsen, wissen gar nicht, was ihre zukünftige Aufgabe als Mann ist, die haben es echt schwer."

Einen Roman für Männer zu schreiben, kann sie sich jedoch nicht so richtig vorstellen, weil Männer ihrer Meinung nach nicht besonders viel über sich lesen und nachdenken wollen. "Frauen können auch besser über sich selber lachen", sagt sie. "Ich sehe unterm Hintern aus wie Ilja Rogoff unter den Augen", würden Männer laut von Kürthy niemals witzig finden. Zur Info: Ilja Rogoff ist das großväterlich anmutende Testimonial auf der Verpackung von Omas Kreislauftabletten.

Helge Rehbein, Buchreport


Ildikó von Kürthy: "Höhenrausch", Rowohlt, 8,95 Euro



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