Taschenbuchmarkt Kartellamt genehmigt Heyne-Übernahme durch Bertelsmann

Der deutsche Taschenbuchmarkt wird enger: Nach monatelangen Verhandlungen hat das Bundeskartellamt der Übernahme des Münchner Heyne Verlags durch die Bertelsmann-Tochter Random House zugestimmt.


Bonn - Europas größter Medienkonzern Bertelsmann darf den Münchner Wilhelm Heyne Verlag übernehmen und damit seine Vormachtstellung unter den deutschen Publikumsverlagen weiter ausbauen. Das Bundeskartellamt gab am Dienstag nach langer Prüfung grünes Licht für den Kauf des vor allem mit seinen Taschenbuchserien bekannten Heyne Verlages durch die Bertelsmann-Tochter Random House.

Der Marktanteil von Bertelsmann auf dem deutschsprachigen Taschenbuch-Markt liege auch nach der Übernahme unter der Schwelle von 30 Prozent, wo nach dem Gesetz eine marktbeherrschende Stellung zu vermuten sei, begründeten die Kartellwächter ihre Entscheidung.

Dem Urteil war ein monatelanges Tauziehen vorausgegangen. Bertelsmann hatte im Februar vom Axel Springer Verlag Deutschlands drittgrößten Publikumsverlag Ullstein Heyne List erworben. Doch stieß der Gütersloher Medienkonzern damit auf entschiedenen Widerstand der Kartellwächter. Die Aufsichtsbehörde befürchtete auf Grund der Marktmacht des neuen Bücher-Giganten eine Beeinträchtigung des Wettbewerbs vor allem auf dem umsatzstarken Taschenbuchmarkt. Erst als Bertelsmann einlenkte, sich auf die Übernahme des Heyne Verlages beschränkte und die Verlagsgruppe Econ-Ullstein-List an das schwedische Medienunternehmen Bonnier weiterverkaufte, signalisierten die Wettbewerbshüter ihr Einlenken.

"Mit der Beschränkung des Übernahmevorhabens auf den Heyne Verlag hat Random House den wettbewerblichen Bedenken des Bundeskartellamtes letztlich Rechnung getragen", sagte Kartellamtspräsident Ulf Böge am Dienstag. Zwar stärke Bertelsmann durch diesen Erwerb seine Position auf dem Buchmarkt. Dennoch sei nicht von einer relevanten Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen auszugehen. Denn mit den zur Verlagsgruppe von Holtzbrinck gehörenden Buchverlagen wie Rowohlt und Fischer, sowie den Verlagen dtv und Lübbe gebe es weitere namhafte Verlage, die auch in Zukunft auf Grund ihrer Größe und Reputation in der Lage seien, mit Bertelsmann zu konkurrieren.

Mit der Übernahme der übrigen zur Verlagsgruppe Ullstein Heyne List gehörenden Buchverlage wie Econ, Ullstein, List und Propyläen durch den schwedischen Medienkonzern Bonnier - bisher in Deutschland mit den Verlagen Piper und Carlsen präsent - entstehe außerdem ein weiterer starker Wettbewerber, so Böge.

Der Geschäftsführer der Verlagsgruppe Random House, Jörg Pfuhl, gab sich am Dienstag zufrieden: "Der Heyne Verlag ist ein Haus mit einem großen Namen und einem starken Programm. Er passt gut zu unserer Verlagsgruppe" Innerhalb der Verlagsgruppe werde man die Eigenständigkeit des Heyne Verlags erhalten, kündigte Pfuhl an.



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