"Kuss der Spinnenfrau" Dramatiker Terrence McNally ist tot

Er war einer der Großen des US-Theaters, sorgte für volle Häuser am Broadway - und für handfeste Skandale. Jetzt ist Terrence McNally an Komplikationen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben.
25 Broadway-Produktionen, fünf Tonys: Der erfolgreiche Dramatiker Terrence McNally ist verstorben.

25 Broadway-Produktionen, fünf Tonys: Der erfolgreiche Dramatiker Terrence McNally ist verstorben.

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Al Pereira/ Getty Images

Terrence McNally schrieb Theaterstücke, Libretti für Musicals und Opern, gewann viele der wichtigsten amerikanischen Bühnenpreise und war ein Kämpfer für die Rechte und Sichtbarkeit von LGBTQ-Menschen. Sein eigenes Verständnis von erzählender Kunst fasste er so zusammen: "Theater ist eine tiefe Reflektion menschlicher Gemeinschaft. Es ist kein Ort, um sich vor der Welt zu verstecken - vielleicht kann man im Gegenteil gerade dort sein wahres Selbst entdecken." Jetzt ist der Dramatiker verstorben, wie sein Agent mitteilte.

McNally schrieb in seiner sechs Jahrzehnte währenden Karriere 40 Stücke und zehn Musicals, er bediente dabei die unterschiedlichsten Genres. 25 seiner Produktionen liefen am Broadway, fünf Mal wurde er mit dem Tony Award ausgezeichnet, darunter 2019 mit dem Lifetime Achievement Award.

Vietnamkrieg und verlogene Sexualmoral

Schon in seinem ersten Broadway-Stück "Things That Go Bump In The Night" spielte 1964 das Thema Homosexualität eine Rolle. In den späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahren beschäftigte er sich außerdem mit dem Vietnamkrieg und verlogener Sexualmoral.

Zu seiner fruchtbarsten Schaffensperiode wurden die Neunzigerjahre, in denen seine bekanntesten Stücken entstanden. Dazu gehören "Love! Valour! Compassion!", "Master Class" über Maria Callas sowie die Musicals "Der Kuss der Spinnenfrau" und "Ragtime".

Sein Theaterstück "Corpus Christi" sorgte 1997 für einen Skandal. Darin porträtiert er Jesus Christus und seine Jünger als schwule Männer. Die Premiere musste damals verschoben werden, weil es Todesdrohungen gegen das Ensemble gab. Religiöse Fanatiker sprachen später auch eine Todesdrohung gegen McNally aus.

Privat war der Autor seit 2001 mit dem Broadway-Produzenten Tom Kirdahy liiert, den er 2010 auch heiratete. Er litt seit Ende der Neunzigerjahre an einer Lungenerkrankung, ihm mussten Teile beider Lungenflügel entfernt werden. Am Dienstag starb Terrence McNally in einem Krankenhaus in Florida an Komplikationen im Zusammenhang mit dem Coronavirus, wie sein Agent mitteilte. Er wurde 81 Jahre alt.

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