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"Fifa Mafia": Düstere Affären

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"Fifa Mafia" Fußball als organisiertes Versprechen

Den Fifa-Chef hält er für einen skrupellosen Strippenzieher: In seinem Buch "Fifa Mafia" zeichnet der Sportjournalist Thomas Kistner ein wenig schmeichelhaftes Bild von der Günstlingswirtschaft Joseph Blatters. Nummer vier der elf besten Bücher zur Fußball-EM.

Darum geht's: "Fifa-Ethikkommission" - diesen Begriff wählten die Schweizer, in deren Land der Fußball-Weltverband seinen Sitz hat, 2010 zum Unwort des Jahres. Allzu offenkundig war inzwischen geworden, dass die Fifa in ihrem eigenen Handeln mit Ethik nicht viel am Hut hat. Und die Vorstellung, sie könne mit einer Kommission Selbstheilungskräfte gegen die Wucherungen der Korruption entwickeln, erschien absurd. Zumindest solange Joseph S. Blatter in Zürich das Sagen hat, bei dem Verband, in dem er seit fast 40 Jahren eine gewichtige Rolle spielt und dessen Präsident er seit 1998 ist. Der "SZ"-Journalist Thomas Kistner beschäftigt sich schon seit Jahren mit den Machenschaften der Fifa und hat in diesem umfangreichen Werk noch einmal all die düsteren Affären um Blatter und seine Getreuen nachgezeichnet.

Das lernt man: Die Fußball-Weltmeisterschaft ist neben Olympia das populärste Sportereignis der Erde - und für den ausrichtenden Verband eine Lizenz zum Gelddrucken. Doch mit diesem Monopol geht die Fifa wirtschaftlich äußerst fragwürdig um. Kistner beschreibt, wie immer wieder lukrativere Angebote ausgeschlagen wurden, um Organisationen den Vorzug zu geben, die Teile der riesigen Einnahmen an Günstlinge der Fifa weiterreichten. Dies ist nach den Ermittlungen im Prozess um den Konkurs des Sportrechtehändlers ISL inzwischen gerichtsaktenkundig. Doch viele Fragen bleiben weiter offen; Fragen, die sich um die Wahlen Blatters zum Fifa-Präsidenten drehen, oder um die Vergabe der Weltmeisterschaften. FBI, Interpol, Europarat, Schweizer Staatsanwaltschaften: Sie alle forschen im Dickicht um Sepp Blatter, der aber mit Bauernschläue und Beziehungen sich bisher "wie ein Aal" (Karl-Heinz Rummenigge) aus allen persönlichen Vorwürfen herauswinden konnte. Besorgnis erregend: Sein designierter Nachfolger, der Uefa-Chef Michel Platini, hat viel von Blatter gelernt. Auch er lockt kleine Staaten mit der Aussicht auf eine Vergrößerung des Teilnehmerfeldes an der EM, auch er kann auf Verwandte in Schlüsselpositionen der Sportpolitik zählen.

Der Satz, der alles sagt: "Längst steht der Begriff Fifa-Familie für die sizilianische Familienvariante, die Mafia."

Das taugt's: Thomas Kistner ist so etwas wie das schlechte Gewissen des deutschen Sportjournalismus. Seit Jahren geht er in der "Süddeutschen Zeitung" dahin, wo es weh tut, und wo es dem Sportfan, der einfach nur seinen Helden huldigen will, die Laune verhagelt. Neben dem Doping ist die Sportpolitik sein großes Thema, und mit den Affären der großen Verbände wie dem IOC oder der Fifa befasst er sich mit bewundernswerter Ausdauer. In Buchform ist die Masse der Ungeheuerlichkeiten, die sich die Fifa geleistet hat, beinahe überwältigend, und man ertappt sich deshalb gelegentlich dabei, dass man beim Lesen klammheimliche Bewunderung dafür empfindet, wie Blatter sich mal um mal wieder aus der Bredouille bringt. Das ist sicher nicht in Kistners Sinne, der nicht nur eine Fülle von Dokumenten und Aussagen zitiert, sondern gelegentlich auch zu Häme und Spott greift oder in einen Leitartikelton fällt. Grautöne sind nicht seine Sache, aber die sind im Falle des skrupellosen Strippenziehers Sepp Blatter wohl auch nicht angebracht. Und über Mafiabosse sind ja schon oft große Bücher verfasst oder Filme gedreht worden.

Und wer wird Europameister? Sport? Wen kümmert hier der Sport? Hauptsache, Michel Platini kann sich bei der Pokalübergabe als Sonnenkönig inszenieren - auch das hat er von seinem Mentor Blatter gelernt.

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