Thomas Pynchon Neuer Roman vom großen Unbekannten

Das lange Warten hat sich gelohnt: Nach fast zehn Jahren hat der geheimnisumwitterte amerikanische Kultautor Thomas Pynchon ein neues Buch angekündigt.


New York - Am 5. Dezember ist es endlich so weit: Der heiß ersehnte neue Roman von Thomas Pynchon wird bei Penguin Books erscheinen. Viel mehr ist bisher nicht bekannt, als dass er "Against the Day" heißen soll und über 900 Seiten lang sein wird. Auf Lesereise wird sich der öffentlichkeitsscheue Schriftsteller jedenfalls nicht begeben, das bestätigte der Penguin-Sprecher Tracy Locke der Nachrichtenagentur AP.

Seit der Veröffentlichung seines letzten Werkes "Mason & Dixon" vor neun Jahren war es um den 1937 auf Long Island geborenen Pynchon recht still geworden. Außer einigen wenigen Rezensionen und Essays, wie etwa dem Vorwort zu einer Neuauflage von George Orwells "1984", bekamen die Fans von ihrem Idol nichts Neues zu lesen. Lediglich im Fernsehen hatte er jüngst in zwei Folgen der "Simpsons" Gastauftritte. Er spricht sich selbst, doch trägt seine Figur eine Tüte mit einem Fragezeichen über den Kopf gestülpt.

Doch jetzt fand sich auf den Seiten der Internetbuchhandlung Amazon plötzlich so etwas wie eine Inhaltsangabe für das neue Buch - offenbar vom Meister selbst verfasst. Darin ist zu lesen, dass er ein Zeitportrait der Jahre zwischen der Weltausstellung in Chicago 1893 und dem Ende des Ersten Weltkrieges verfasst hat. Der Roman wird in Colorado, New York, London, Göttingen, Venedig und Wien spielen und wird bevölkert sein von Figuren wie Anarchisten, Spielern, Spionen und Mathematikern. Wörtlich heißt es: "Sollte dies nicht die Welt sein, dann ist es zumindest die Welt, wie sie sein könnte, wenn man ein, zwei Dinge darin verändert. Manche sagen, genau das sei die Aufgabe der Literatur."

Diese Beschreibung wurde zunächst wieder von der Webseite entfernt, weil die Verantwortlichen bei Penguin nichts von den Ankündigungs-Aktivitäten ihres Autors wussten. Mittlerweile ist sie allerdings wieder freigegeben worden.

Thomas Pynchon, der mit bisher fünf veröffentlichten Romanen und einigen Kurzgeschichten als einer der bedeutendsten Vertreter der literarischen Postmoderne gilt, ist so etwas wie das Ufo unter den amerikanischen Schriftstellern. Seit Jahrzehnten verweigerte sich der studierte Physiker und Literaturwissenschaftler konsequent der Öffentlichkeit - und nährt damit die wildesten Spekulationen über seine Person. Er sei in Wahrheit der Autor J.D. Salinger, lautet ein oft kolportiertes, aber nie bestätigtes Gerücht. Fotos von diesem Phantom des Literaturbetriebes gibt es kaum. Eines, das oft zu sehen ist, zeigt ihn um 1957 im Matrosenanzug, offenbar bei seinem zweijährigen Militärdienst bei der US Navy.

hoc/AP



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