"Tod eines Kritikers" Walser liest im Ersten

Nach dem Eklat um seinen noch unveröffentlichten Roman "Tod eines Kritikers" sagte Martin Walser eine geplante Lesereise ab. Dennoch will er sein Manuskript der Öffentlichkeit nicht vorenthalten: Das Deutschlandradio sendet Walser täglich, die ARD gewährte dem Autor eine nächtliche Lesestunde.


Martin Walser: "Bislang kennt ja kaum jemand mein Buch"
DDP

Martin Walser: "Bislang kennt ja kaum jemand mein Buch"

Hamburg - Noch bis zum 15. Juni liest Martin Walser täglich um 10.40 Uhr Passagen aus "Tod eines Kritikers" im Deutschlandradio vor. Eine weitere Gelegenheit, Auszüge aus dem umstrittenen Roman zu hören, ermöglicht die ARD in der Nacht zum Donnerstag. Um 0.40 Uhr strahlt der Sender eine 40-minütige Lesung mit Auszügen aus dem bislang unveröffentlichten Werk aus. Der NDR wiederholt die Walser-Lesung am Freitag um 15.15 Uhr und um 23.35 Uhr.

Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", hatte dem 75-jährigen Schriftsteller vorgeworfen, er spiele in dem Buch mit antisemitischen Klischees und hatte deswegen den Vorabdruck abgelehnt. Walsers Roman wurde Gegenstand einer heftigen Debatte in den deutschen Feuilletons - viele Kritiker und Journalisten bekamen das Manuskript bereits zu lesen, nur das Publikum blieb bisher außen vor.

"Ich freue mich, dass ich auf diesem Wege den Text endlich einem größeren Publikum nahe bringen kann", zitierte der NDR den Autor am Dienstag. "Bisher kennt ja kaum jemand das Buch." Der Roman soll nach Angaben des Suhrkamp Verlags am 26. Juni mit einer Startauflage von 50.000 Exemplaren im Handel erscheinen.



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