Klingende Geschichten für Kinder Wer nicht lesen will, muss hören!

Ein gut inszeniertes Hörspiel nimmt die Fantasie mit auf Reisen. Unsere Autorin Agnes Sonntag empfiehlt drei Hörerlebnisse für Kinder - Lesungen mit Musik und einen aktuellen Bestseller, der jede Autofahrt verkürzt.
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Früher schoben meine Eltern mich gerne übers Wochenende zu Tante Ingeborg ab, um schön alleine auf den Putz zu hauen. Leider wollten meine Cousins selten mit mir spielen. Dann hockte ich mich vor den Plattenspieler und hörte gruselige Hörspiele mit Tom Sawyer und Huckleberry Finn oder die Geschichten vom Schlossgespenst Hui Buh. Auf dem Teppich liegend, alles um mich herum vergessend. Das war wunderbar. Dieses Erlebnis wünsche ich allen Kindern.

Hörspiele stammen aus einer Zeit, als alle Welt noch am Radio hing. Entsprechend aufwendig und anspruchsvoll wurden sie produziert. Auf Schwedisch spricht man treffenderweise auch von "radioteater", denn es sind tatsächlich eigene Inszenierungen, für die Romane umgeschrieben werden. Von Musik begleitet, hauchen Schauspieler den Figuren Leben ein und der Geräuschemacher lässt alles ganz echt klingen. Heute werden nicht mehr viele Hörspiele produziert, alte Hörfunkproduktionen sind bei Hörbuchverlagen jedoch erhältlich. Es gibt sogar noch Restbestände der Europa-Hörspiele mit dem legendären Schauspieler Hans Paetsch, dessen Stimme ein Klangwunder war.

Zur Autorin
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Maria Feck

Agnes Sonntag wurde in eine Familie geboren, deren Mitglieder von Büchern magisch angezogen werden. Ihr Großvater arbeitete bei der Büchergilde Gutenberg und brachte ihr gern Fehldrucke mit, sodass sie bis heute das Ende vieler James-Krüss-Geschichten nicht kennt. Später studierte die gelernte Arzthelferin in Schweden Publizistik und Schwedisch. Sie arbeitete als Schwedischlehrerin, Übersetzerin und freie Mitarbeiterin des schwedischen Schulfunks. Seit einigen Jahren betreut sie beim Kinder-Nachrichtenmagazin »Dein SPIEGEL« die Buchtipps und rezensiert auf SPIEGEL.de Kinder- und Jugendbücher.

Musikalische Lesungen wie "Peter und der Wolf" finde ich interessant, Perlen gibt es aber auch unter ganz normalen Hörbuchlesungen. Dann, wenn ein Schauspieler oder eine Schauspielerin ganz alleine am Mikro mit ihrer Stimme zaubern, laut und leise sind, ängstlich und mutig. Toll!

Hier meine aktuellen Top drei in der Kategorie "Hör doch mal zu!":

  • "Kannawoniwasein - Manchmal muss man einfach verduften" - das Hörspiel

Dieses Hörspiel ist eine lustige, realistische Abenteuergeschichte voller überraschender Wendungen, die mir richtig gute Laune bereitet hat.

Zwei ganz normale Kinder sind die Hauptfiguren - na ja, wer ist schon normal? Die beiden haben natürlich so ihre Eigenarten. Jola hat eine große Klappe (unglaublich toll von Toni Lorentz gespielt) und Finn ist eher der schüchterne Typ. Die beiden begegnen auf ihrem Trip einem Haufen Erwachsener, guten und doofen, schrägen Figuren - ganz wie im richtigen Leben. Manche stellen sich ihnen in den Weg, andere meinen es gut. So wie Frau Schaumlöffel am Drive-in, die ihnen Essen schenkt. Man kann förmlich hören, dass sie ein Herz für Kinder hat.

Was ist hier los? Finn, zehn Jahre alt, fährt alleine mit der Bahn zu seiner Mutter nach Berlin und wird von einem miesen Rocker beklaut. Der Schaffner glaubt ihm nicht und übergibt ihn irgendwo in Brandenburg der Polizei. Da kreuzt Jola auf, eine richtige Berliner Göre. Jola hat voll Ahnung von allem und überredet Finn, sich allein bis in die "Tzitti" durchzuschlagen. Wie gut, dass Jola sogar Trecker fahren kann, so kommen sie schneller voran - bis sie im Graben landen und von zwei nackten Dänen mit einem "Släppetau" wieder rausgezogen werden.

Beste Hörzeit: Auf einer laaangen Autorfahrt kommt Spaß in die Bude.

Empfohlenes Alter: Ab 8 Jahren

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Kannawoniwasein - Hörspiele 1: Kannawoniwasein - Manchmal muss man einfach verduften - Das Hörspiel: 2 CDs (1)

Ab 9,99 €
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  • "Abenteuer Klassik - Vivaldi"

Die Violinistin Cosima Breidenstein hat es geschafft, die bewegte Lebensgeschichte des Komponisten Antonio Vivaldi zu erzählen und uns gleichzeitig auf eine Reise nach Venedig zu schicken. Zu meiner Überraschung habe ich ganz nebenbei verstanden, was den Zauber der Lagunenstadt ausmacht, welche Rolle Musik und Karneval dabei spielen und wie viele Stücke dieses Komponisten uns auch heute noch umgeben.

Diese Produktion ist für die ganze Familie. Hier kann jeder Musik erleben, über das Leben vor einigen hundert Jahren staunen und etwas über Musikgeschichte erfahren.

Was ist hier los? Als am 4. März 1678 ein Erdbeben Venedig erschüttert, wird ein kleiner Junge geboren - mehr tot als lebendig. Doch zum Glück kommt er zu Kräften, wird Musiker und schenkt der Menschheit seine Musik. Er heißt Antonio Vivaldi.

Die Stationen seines Lebens werden stimmungsvoll von Passagen aus den "Vier Jahreszeiten" begleitet und schulen ein wenig den Sinn für klassische Musik. Vivaldis Lebensweg war steinig, und nach seinem Tod wurden seine Kompositionen zunächst mal vergessen. Schön, dass die Biografie nicht damit endet, sondern auch die fantastische Geschichte seiner Wiederentdeckung erzählt.

Beste Hörzeit: Wenn man seine Ruhe haben will.

Empfohlenes Alter: Ab 6 Jahren

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Abenteuer Klassik: Vivaldi: Lesung. Gekürzte Ausgabe

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  • "Titanic. 24 Stunden bis zum Untergang"

Schon wenn ich das Cover dieses Hörbuchs sehe, bekomme ich eine Gänsehaut. Die eigens für diese Geschichte komponierte Musik trägt mich direkt auf das Schiff. Mal verträumte Töne, mal fröhliche irische Volksmusik, zu der die Passagiere tanzen. Dazu liest der Schauspieler Rainer Strecker. Mit seiner Stimme sorgt er dafür, dass man der Erzählung gut folgen kann und die Figuren eigene Charaktere bekommen. Die Rolle des zwölfjährigen Erzählers nimmt man ihm ab.

Es ist eine fiktive Geschichte, bei der sich Stephen Davies an den historischen Fakten orientiert hat. Jeder weiß, wie sie endet. Ich finde die Verlagsempfehlung von 8 Jahren etwas zu jung, aber man kann ja ausschalten, wenn es doch zu spannend oder traurig ist. Auf jeden Fall ist die Geschichte auch für ältere Kinder geeignet.

Was ist hier los? Der zwölfjährige Jimmy ist an Bord der Titanic, um mit seiner Familie nach Amerika auszuwandern. Begeistert berichtet er von dem Leben an Bord des riesigen Schiffs. Schnell freundet er sich mit zwei anderen Kindern an, erkundet mit ihnen das Schiff und lernt das Leben in den unterschiedlichen Klassen kennen. Dann geschieht das Unglück, dramatische Szenen spielen sich ab, doch Jimmy kennt sich ja gut aus an Bord. Er kann sich und seine Familie sowie einige andere Menschen retten. So ein Ende muss für eine Kindergeschichte erlaubt sein.

Beste Hörzeit: Sicher nicht vor dem Einschlafen

Empfohlenes Alter: Ab 8 Jahren

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Titanic – 24 Stunden bis zum Untergang: Ungekürzte Lesung mit Musik mit Rainer Strecker (2 CDs)

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Die Wiedergabe wurde unterbrochen.