Überraschung in Leipzig Clemens J. Setz erhält den Preis der Buchmesse

Unerwartete Ehrungen bei der Leipziger Buchmesse: Der junge österreichische Schriftsteller Clemens J. Setz erhält den Belletristikpreis, mit Henning Ritter wurde ein Grandseigneur der Geisteswissenschaften in der Kategorie Sachbuch ausgezeichnet.

Preisträger Clemens J.Setz: "Kühnheit der Konstruktion"
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Preisträger Clemens J.Setz: "Kühnheit der Konstruktion"


Hamburg/Leipzig - Nominiert waren so erfolgreiche und bekannte Autoren wie Arno Geiger und Wolfgang Herrndorf - aber die Jury entschied sich für einen Jungschriftsteller: Der Österreicher Clemens J. Setz, 28, ist mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet worden. Der Autor erhielt die mit 15.000 Euro dotierte Ehrung für seinen Erzählband "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes" (Suhrkamp) - extreme Geschichten voller Sex und Gewalt.

Die Auszeichnung für Setz begründete die Jury mit den Worten, der Autor präsentiere sich in der kurzen Form als scharfer Beobachter der menschlichen Natur und einfühlsamer Porträtist ihrer Eigenarten: "Den Ausschlag gaben die Kühnheit der Konstruktion, die Eigenwilligkeit der Sprache und die Konsequenz des Konzepts, das zu gleichermaßen originellen wie unheimlichen Geschichten führte. "

1982 in Graz geboren, hatte Clemens Johann Setz - so sein vollständiger Name - zunächst ein Lehramtsstudium für Mathematik und Germanistik absolviert. Sein literarisches Debüt gab Setz mit dem Roman "Söhne und Planeten". Für seine Novelle "Die Waage" erhielt er beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2008 den Ernst-Willner-Preis. Sein Roman "Die Frequenzen" stand 2009 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Zur Leipziger Ehrung sagte Setz nun: "Ich bin aufgeregt. Ich zittere".

In der Kategorie Sachbuch/Essayistik wurde Henning Ritter für "Notizhefte" geehrt, ein luzides Kondensat seiner jahrelangen Tätigkeit im geisteswissenschaftlichen Ressort der "FAZ". "Notizhefte" ist im Berlin Verlag erschienen - man könnte die Auszeichnung für das Buch auch als einen leisen Protest gegen die drohende Neuausrichtung des bislang ambitionierten Verlagsprogramms durch den Eigner Bloomsbury verstehen. Ritter setzte sich unter anderem gegen Patrick Bahners Streitschrift "Die Panikmacher" und Karen Duves "Anständig essen" durch.

Die Auszeichnung für die beste Übersetzung ging an Barbara Conrad, die Leo Tolstois "Krieg und Frieden" (Hanser) ins Deutsche übertrug. Die Übersetzung von "Krieg und Frieden" sei eine enorme Leistung an Energie und Ausdauer, lobten die Juroren die Arbeit der Preisträgerin Conrad. "Sie ist überdies ein Meisterwerk der Sprachkunst und übertrifft, nach Meinung der Jury, alle ihre Vorgänger."

Nominiert waren jeweils fünf Kandidaten pro Kategorie. Der Preis der Leipziger Buchmesse gilt neben dem im Herbst vergebenen Deutschen Buchpreis als die populärste deutsche Literaturauszeichnung. 2010 wurde Georg Klein für seinen "Roman unserer Kindheit" ausgezeichnet.

sha/dpa

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