Umstrittene Einladung Eva Herman und die Rechtsnationalen

Anders als sie den Frauen empfiehlt, bleibt Eva Herman nicht am Herd. Stattdessen folgte die Autorin einer Einladung der rechtsnationalistischen Partei FPÖ. Steht nun ihr Job beim NDR auf dem Spiel?


"Das Eva-Prinzip - Antwort auf den Feminismus?": Unter dieser Überschrift sollte Eva Herman, NDR-Moderatorin, Buchautorin und Erfinderin eben jenes Eva-Prinzips, am 20. März ab 19 Uhr in Wien ihr Buch vorstellen und anschließend mit Interessierten darüber diskutieren. Pikantes Detail: Eingeladen hatte der Freiheitliche Parlamentsklub aus Österreich - eine Unterorganisation der rechtsnationalen Freiheitlichen Partei Österreich (FPÖ). Eva Herman sagte zu - angeblich ohne zu wissen, wer sie da eigentlich gebucht hatte.

Autorin Herman: Flirt mit der populistischen FPÖ?
DDP

Autorin Herman: Flirt mit der populistischen FPÖ?

Dabei dauert das herauszufinden nur drei Sekunden: Man gibt einfach "Freiheitlicher Parlamentsklub" bei der Internetsuchmaschine Google ein - und schon der erste der über 46.000 Treffer führt auf eine Seite, die zeigt, dass die Ex-Partei des Nationalpopulisten Jörg Haider solch einen Klub hat. Noch am Freitagnachmittag war auf der Homepage der FPÖ die Einladung zu eben jener Veranstaltung zu lesen.

Die "Hamburger Morgenpost" ("Mopo") titelte sogleich: "Eva und die Rechtspartei". Eva Herman selbst fühlt sich hinters Licht geführt.

Nicht skeptisch, nicht nachrecherchiert

"Im Zentrum dieser Veranstaltung sollte die Förderung von Familieninteressen stehen, ohne dass - bis zum Vertragsabschluss - je ein Zusammenhang mit einer politischen Partei zur Sprache kam", lässt Eva Herman in einer Presseerklärung über ihre Anwälte ausrichten. "Auch im Vertrag selbst ist nur von einem Referat, einer Podiumsdiskussion und einem Fototermin die Rede."

Allerdings gesteht Herman: Die Einladung kam von einem ihr "bisher nicht bekannten Veranstalter aus Österreich". Erst seit den Presseanfragen sei ihr bekannt, "dass die rechtsgerichtete FPÖ öffentlich mit meinem Namen für einen Auftritt auf einer Parteiveranstaltung wirbt. Offenbar steht der Veranstalter in unmittelbarer Verbindung zu dieser Partei", so Herman in der Erklärung.

Wie konnte die gestandene Journalistin der Einladung folgen, ohne sich über die Unbekannten zu informieren? Eine Antwort darauf gibt sie nicht.

Der FPÖ-Bundespressereferent höchstpersönlich, Karl Heinz Grünsteidl, steht auf einem Ankündungsschreiben als Ansprechpartner für Rückfragen zu der Veranstaltung. Der "Mopo" sagte Grünsteidl: "Wir freuen uns sehr auf Eva Herman. Es gibt ja durchaus Berührungspunkte." Kurz darauf verkündete der NDR: "Frau Herman hat sich entschlossen, den geplanten Auftritt bei der FPÖ abzusagen. Wir begrüßen das sehr."

"Für Veranstaltungen der FPÖ stehe ich unabhängig von deren Thematik grundsätzlich nicht zur Verfügung", ruderte Herman zurück. "Diese rechtspopulistische Partei vertritt Ansichten und verfolgt politische und gesellschaftliche Ziele, die ich weder teile, noch zu fördern bereit bin."

Die 48-Jährige will nun eigenen Angaben zufolge mit ihren Anwälten den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten. Der Kontrakt sei "nichtig und bindet mich nicht mehr". "Ich würde zutiefst bedauern, wenn die FPÖ die Aufmerksamkeit, die mein Buch auf sich gezogen hat, für verfehlte politische Ziele fruchtbar machen könnte. Dies zu verhindern, ist mir ein dringliches Anliegen", fügte Herman hinzu.

FPÖ-Bundespressereferent Grünsteidl war heute für einen Kommentar nicht zu erreichen.

Karrierefrau auf Abwegen

Einst war Eva Herman die Karrierefrau schlechthin: Mit nur 29 Jahren kam sie zur "Tagesschau". Doch nun fordert die Ex-Nachrichtensprecherin: Frauen sollen zurück an den Herd und Mütter müssen ein Gehalt bekommen.

Hermans Arbeitgeber, der NDR, gibt sich nach außen hin gelassen. "Eva Herman hat das Recht auf eine private Meinung", heißt es in einer Stellungnahme der NDR-Programmdirektion Fernsehen auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. "Der NDR legt jedoch Wert darauf, dass sie ihre Privatmeinung nicht zum Gegenstand ihrer Sendungen macht und dass ihr pointierter Kreuzzug für eine 'neue Weiblichkeit' nicht in Konflikt gerät mit ihrer Tätigkeit als prominente NDR-Moderatorin."

fba/ddp



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