Umstrittene Wahl zum Kulturamtsleiter PEN fordert neurechten Schriftsteller zum Umdenken auf
Die Wahl des Schriftstellers Jörg Bernig zum neuen Kulturamtsleiter im sächsischen Radebeul schlägt Wellen. Der Schriftstellerverband PEN forderte den 56-Jährigen am Montag auf, seine Position zu überdenken. Bernig sei seit 2005 Mitglied des deutschen PEN. Der Autor wird zur neuen Rechten gezählt.
Das deutsche PEN-Zentrum wende sich "mit aller Schärfe gegen nationalistische Bewegungen, insbesondere gegen Positionen, wie sie AfD, Pegida und ähnliche Gruppierungen vertreten", erklärte Präsidentin Regula Venske. Die Charta des Verbandes verpflichte jedes Mitglied, für das Ideal einer einigen Welt einzutreten.
Rund 120 Menschen unterzeichneten einen offenen Protestbrief gegen Bernigs Wahl. Zu den Erstunterzeichnern gehören auch sieben Träger des Radebeuler Kunstpreises, darunter DDR-Jazzlegende Günter "Baby" Sommer. In dem Schreiben, das vom Kulturverein Radebeul initiiert wurde, äußern die Kulturschaffenden "Entsetzen und Unverständnis" über die Wahl Bernigs. Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler war in der vorigen Woche vom Stadtrat mutmaßlich mit den Stimmen von CDU und AfD gewählt worden.
Bernig ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2011 den Eichendorff-Literaturpreis. Er schreibt auch als politischer Autor, unter anderem als Gastautor für das Magazin "Sezession" des rechtsextremen Verlegers Götz Kubitschek.
2015 hatte er in einem Essay für die "Sächsische Zeitung" die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung kritisiert, die zum "massenhaften un- oder kaum kontrollierten Grenzübertritt" einlade. Bernig gehörte auch zu den Erstunterzeichnern der "Erklärung 2018", in der sich rechte Intellektuelle gegen eine vermeintliche Beschädigung Deutschlands durch "illegale Masseneinwanderung" ausgesprochen hatten.