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Bildband: "Kugelbauch und Super-IQ"

Foto: Ein Schloss in der Stadt

Vorhängeschlösser-Bildband "Kugelbauch und Super-IQ"

40.000 Vorhängeschlösser hängen an der Kölner Hohenzollernbrücke, graviert mit den Namen von Liebenden. Ein kleines Fotobuch dokumentiert diesen neuen Brauch, der vermutlich aus Italien importiert wurde.

"Alle glücklichen Familien ähneln einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich", lautet der vielleicht berühmteste Satz aus Leo Tolstois "Anna Karenina", und wenn es noch einen weiteren Beweis für dessen Richtigkeit bräuchte, so hängt dieser, in massenhafter Ausführung, an dem Absperrgitter der Kölner Hohenzollernbrücke: Vorhängeschlösser, meist von Abus, meist Sicherheitsstufe 6, graviert mit den Namen von Liebenden wie "Inge & Heinz", "Sabine + Klaus", "Ute und Berthold", "Heinz + Roland".

"Irgendwie scheint die Hohenzollernbrücke in den letzten Jahren eine seltsame Magie entwickelt zu haben, die Hunderte Kilometer wirkt", schreibt der Kölner Journalist Helmut Frangenberg in dem Buch "Ein Schloss in der Stadt", das sich mit diesem Phänomen beschäftigt. Denn von weither kommen die Frischverliebten und die Langzeitliebenden, um an das Gitter der Eisenbahnbrücke ihr Schloss zu hängen, am besten für die Ewigkeit. Der Schlüssel wird anschließend in den Rhein geworfen.

Die Fotos des liebevoll gemachten Büchleins zeigen, wie viel Mühe in diese Schlösser gesteckt wurde. Das Gravieren von Namen oder Spitznamen ("Kugelbauch und Super-IQ") ist die einfachste Variante, Alternativen sind Bekenntnisse ("Wir Zwei gegen den Rest der Welt"), kreativere Werke wie Malereien, Herzen natürlich, oder Porträts, Katzenbilder, japanische Schriftzeichen, und schließlich geklebte Mosaike, aus Perlen zum Beispiel.

Der Brauch stammt vermutlich aus Italien, was das Vorurteil beweist, Köln sei immer noch die nördlichste Stadt Italiens

Die ersten Schlösser wurden im Jahr 2008 an der Brücke angebracht, im Sommer 2010 waren es rund 40.000 Stück. Die Bahn als Eigentümerin der Brücke hatte sich anfangs noch dagegen gewehrt mit dem Hinweis darauf, das Bauwerk stehe unter Denkmalschutz. Da sich aber die beliebte Kölner Band Höhner für die Schlösser stark machte und Kölner zudem jede Art von Brauchtum lieben, und sei das Tun auch erst seit kurzem in Gebrauch, wechselte die Bahn die Strategie und verfolgt nun diejenigen, die Schlösser abknipsen, um sie an Schrotthändler zu verkaufen.

Wie die kurzweiligen Essays in dem Band schildern, stammt der Brauch vermutlich aus Italien, was das Vorurteil belegt, Köln sei immer noch die nördlichste Stadt Italiens. In Rom, wo die Liebesschlösser Amorchetti heißen, geht man aber rabiater vor als am Rhein. Denn unter der Metalllast brach auf der Milvischen Brücke bereits ein Laternenmast zusammen, weshalb die Schlösser nur noch an eigens dafür vorgesehene Ketten gehängt werden dürfen - die entsorgt werden, sobald sie voll sind. Dass dies in jeder Hinsicht unromantisch ist, muss nicht weiter erwähnt werden, weshalb die Hohenzollernbrücke für Reisende in Sachen Liebesschloss heute das attraktivere Ziel ist. Es ist auch nicht zu befürchten, dass die Metallbrücke unter den Vorhängeschlössern zusammenkracht, schließlich trägt sie schon rund 1200 Züge pro Tag.

Es ist noch jede Menge Platz für weitere Liebesschwüre, die ganze Nordseite der Brücke ist noch ohne Vorhängeschloss. Wer aber die Reise an den Rhein scheut, der kann ja auch das hübsche Buch verschenken als Liebesbeweis.

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